Landesverband

Aus Roter Kreis - Enzyklopädie des Rotkreuz-Wissens

Allgemeines

Landesverband in der Verbandsstruktur des DRK

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ist föderal organisiert und hat 19 Landesverbände auf der zweitobersten Verbandstufe. Zusammen mit dem Verband der Schwesternschaften sind sie die 20 Mitglieder des Bundesverbands. Die Mitglieder der Landesverbände sind in Bayern und Rheinland-Pfalz die Bezirksverbände und in allen übrigen Fällen die Kreisverbände.

Es gibt drei mehr Landesverbände (19) als Bundesländer (16), weil es in den drei Bundesländern Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen jeweils zwei Landesverbände gibt. Ansonsten entspricht das Gebiet eines Landesverbands dem des gleichnamigen Bundeslands.

Die Landesverbände koordinieren u.a. die Arbeit ihrer Mitglieder, indem sie z.B. landesweit gültige Ordnungen für die Gemeinschaften beschließen. Sie stellen zentrale Dienstleistungen zur Verfügung, z.B. Ausbildungen auf Landesebene, und erteilen Lehrberechtigungen. Darüber hinaus vertreten sie ihre Mitgliedsverbände gegenüber den Behörden auf Landesebene und innerhalb der Organisation auf Bundesebene. In unterschiedlicher Ausprägung nehmen Landesverbände auch selbst operative Aufgaben dadurch wahr, dass sie z.B. Träger von Einrichtungen wie Kurkliniken oder Kindertagesstätten sind oder organisationseigene Einsatzformationen des Katastrophenschutzes aufstellen (siehe auch: Landesvorhaltung).

Übersicht der Landesverbände

Landesverband Name Kürzel Rechtsform Bundesland Sitz Gründung
Baden Landesverband Badisches Rotes Kreuz BAD e.V. Baden-Württemberg Freiburg im Breisgau 1947
Baden-Württemberg Landesverband Baden-Württemberg BW e.V. Baden-Württemberg Stuttgart 1954
Bayern Bayerisches Rotes Kreuz (BRK) BAY KdöR Bayern München 1945
Berlin Landesverband Berliner Rotes Kreuz B e.V. Berlin Berlin 1950
Brandenburg Landesverband Brandenburg BG e.V. Brandenburg Potsdam 1990
Bremen Landesverband Bremen HB e.V. Bremen Bremen 1945
Hamburg Landesverband Hamburg HH e.V. Hamburg Hamburg 1947
Hessen Landesverband Hessen H, HE, HES e.V. Hessen Wiesbaden 1946
Mecklenburg-Vorpommern Landesverband Mecklenburg-Vorpommern MV e.V. Mecklenburg-Vorpommern Schwerin 1990
Niedersachsen Landesverband Niedersachsen NS e.V. Niedersachsen Hannover 1947
Nordrhein Landesverband Nordrhein NR e.V. Nordrhein-Westfalen Düsseldorf 1948
Oldenburg Landesverband Oldenburg O e.V. Niedersachsen Oldenburg 1946
Rheinland-Pfalz Landesverband Rheinland-Pfalz RP, RLP e.V. Rheinland-Pfalz Mainz 1947
Saarland Landesverband Saarland SAL, SLD e.V. Saarland Saarbrücken 1956
Sachsen Landesverband Sachsen S e.V. Sachsen Dresden 1990
Sachsen-Anhalt Landesverband Sachsen-Anhalt S-AN e.V. Sachsen-Anhalt Magdeburg 1990
Schleswig-Holstein Landesverband Schleswig-Holstein SH e.V. Schleswig-Holstein Kiel 1947
Thüringen Landesverband Thüringen TH e.V. Thüringen Erfurt 1990
Westfalen-Lippe Landesverband Westfalen-Lippe WL e.V. Nordrhein-Westfalen Münster 1948

Der vollständige Name eines Landesverbands lautet, am Beispiel Thüringens: Deutsches Rotes Kreuz Landesverband Thüringen e.V. Es sind Abkürzungen wie DRK Landesverband Thüringen oder DRK LV Thüringen gängig. Um eine Verwechselung mit dem DRK als Bundesverband zu vermeiden nennt sich das BRK auch selbst manchmal BRK Landesverband.

Rechtsformen und Status

Vereine und eine Körperschaft öffentlichen Rechts

Mit Ausnahme des BRK sind alle Landesverbände eingetragene Vereine. Das BRK ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR). Der Landesverband Hessen hatte ursprünglich ebenfalls diese Rechtsform und legte sie später ab.

Der Sache nach übernehmen Landesverbände (selbst oder durch ihre Kreisverbände) zwar auch staatliche Aufgaben (z.B. Katastrophenschutz) subsidiär, aber sie sind weder Teil des Staats, noch übernehmend sie hoheitliche Aufgaben. Daher ist sind private Rechtsformen (e.V., GmbH, gGmbH usw.) für sie und ihre Tochtergesellschaften sowie Untergliederungen angemessen. Das BRK ist eine staatsferne Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Bundesverband und Nationale Gesellschaft

Die Aufgaben der Nationalen Gesellschaft werden zunächst vom Bundesverband wahrgenommen: Das DRK-Gesetz spricht ausdrücklich von Deutsches Rotes Kreuz e.V., d.h. vom Bundesverband. Die Landesverbände unterstützen satzungsgemäß den Bundesverband bei seinen Aufgaben. Der Grundsatz der Einheit wäre nicht gewahrt, wenn die Landesverbände selbst jeweils den Status einer Nationalen Gesellschaft hätten.

Historisches

Landesstellen im Dritten Reich

Das Deutsche Rote Kreuz war die längste Zeit in seiner Geschichte wie heute föderal organisiert, mit starken Landesorganisationen. In der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) war diese Tradition unterbrochen, das DRK zentralisiert, unter staatliche Kontrolle genommen und zur Kriegsvorbereitung in Anlehnung an die Strukturen der Wehrmacht neu organisiert worden. Von 1939 bis 1945 gab es unterhalb des Präsidiums Landesstellen und darunter Kreisstellen.

Die heutigen Landesverbände haben einen völlig anderen Zuschnitt als die damaligen Landesstellen: Im Westen richten sie sich vor allem nach der Neuordnung der deutschen Länder durch die Besatzungsmächte nach dem Zweiten Weltkrieg, und im Osten nach den zum Ende der DDR hin neu gegründeten Bundesländern.

Ehemalige Landesverbände

Nach der Aufnahme der 1990 neu gegründeten sechs Landesverbände des DRK der DDR in das Deutsche Rote Kreuz der BRD gab es in Berlin zwei Landesverbände. Der Landesverband Berlin (Ost) fusionierte mit dem Landesverband im westlichen Teil Berlins zum heutigen Landesverband Berliner Rotes Kreuz.

Der Landesverband Braunschweig ging 1972 im Landesverband Niedersachsen auf, während der Landesverband Oldenburg bestehen blieb, so dass es zwei Landesverbände im Land Niedersachsen gibt.

Der 1947 gegründete Landesverband Südbaden nannte sich 1987 in Landesverband Badisches Rotes Kreuz um.

Beitritt des Saarlands

Der Landesverband Saarland ging aus 1956 aus dem Saarländischen Roten Kreuzes hervor, das seit 1947 als unabhängige aber nicht anerkannte Nationale Gesellschaft im Saarland als Protektorat Frankreichs bestanden hatte. Das Saarland trat 1956 der Bundesrepublik Deutschland bei.

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