Deutsches Rotes Kreuz

Aus Roter Kreis - Enzyklopädie des Rotkreuz-Wissens

Heutige Bedeutung des Begriffs

Der Begriff Deutsches Rotes Kreuz (DRK) hat zwei aktuelle Bedeutungen:

  • Im weiteren Sinne meint er die Gesamtheit der Rotkreuz-Organisationen in Deutschland, sofern sie dem gleichnamigen Verband angehören[1] und seinen Namen führen[2].
  • Im engeren Sinne meint er den Verein Deutsches Rotes Kreuz e.V. in Berlin, d.h. den Bundesverband, dessen direkte oder mittelbare Untergliederungen oder Beteiligungen alle Organisationen und Einrichtungen des DRK in Deutschland sind.

Der weite Begriff wird im Alltag gebraucht, während der enge Begriff im Kontext des Humanitären Völkerrechts[3] verwendet wird.

Historische Entwicklung

Im Laufe der Geschichte haben vier unterschiedliche Organisationen die Bezeichnung Deutsches Rotes Kreuz getragen:

Zeitraum Organisation
1921–1937 Der Deutsches Rotes Kreuz e.V. wurde am 25. Januar 1921 als Dachverband in Berlin gegründet. Der Verein wurde am 9. Dezember 1937 im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung per Gesetz aufgelöst.
1937–1945 Die Quasi-Behörde Deutsche Rote Kreuz in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) und für die ersten fünf Monate danach existierte vom 9. Dezember 1937 bis zu seiner vollständigen (sowjetisch[4] und französisch[5] besetzte Zonen) bzw. faktischen Auflösung (amerikanisch und britisch besetzte Zonen) 1945–1946. Von 1938 bis 1945 wurde das Gebiet Österreichs von dieser Behörde als Rotkreuz-Organisation mit abgedeckt.
1954–1991 Die Körperschaft Deutsches Rotes Kreuz der DDR war die Nationale Gesellschaft der DDR. Sie wurde am 23. Oktober 1952 geschaffen und am 1. Januar 1991 mit dem Beitritt zum DRK West-Deutschlands aufgelöst.
1950–heute Der heutige Deutsches Rotes Kreuz e.V. wurde am 4. Februar 1950 gegründet.[6] Er hatte seinen Sitz zunächst in Bonn und verlegte ihn am 12. Februar 2001, nach der Deutschen Wiedervereinigung, in die neue Hauptstadt Berlin. In ihm ist ab 1991 das DRK der DDR aufgegangen.

Als Gründungsdatum des Deutschen Roten Kreuzes wird der 12. November 1863 angenommen. Damals führte die Organisation jedoch nicht diese Bezeichnung.

Rollen und Aufgabenbereiche

Das Deutsche Rote Kreuz ist die Nationale Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland und nimmt die ihr aus den Genfer Abkommen (zum Beispiel die Unterstützung des Sanitätsdienstes der Bundeswehr) und zusätzlich durch das DRK-Gesetz übertragenen staatliche Aufgaben (zum Beispiel Verbreitungsarbeit und Amtliches Auskunftsbüro) wahr. Darüber hinaus ist es sowohl eine Hilfsorganisation, als auch ein Wohlfahrtsverband. Siehe die Kategorie Tätigkeiten zu konkreten Aufgaben!

Organisation

Das DRK ist primär in Vereinen organisiert[7], deren Dachverband der Bundesverband ist. Die Mitglieder des Bundesverbands sind die 19 Landesverbände und der Verband der Schwesternschaften (VdS). Die Mitglieder der Landesverbände sind die Bezirksverbände (nur Bayern und Rheinland-Pfalz) oder Kreisverbände, die des VdS die Schwesternschaften. Kreisverbände können, müssen aber nicht Ortsvereine haben. Das DRK ist daher föderal und gestuft organisiert. Dabei hat es mit dem Bundesverband eine traditionell schwache Zentrale, die im Innenverhältnis wenig direktiv (zum Beispiel über Lehraussagen oder Beschlüsse der SKLÄ) und mehr koordinierend (zum Beispiel über Bundesausschüsse) ist. Mit der Verbandsgeschäftsführung Bund (VG Bund) gibt es eine zentrale Steuerungsmöglichkeit für die Hauptaufgabenfelder.

Die Vereine können alleine oder gemeinsam zu mehreren, mitunter auch zusammen mit Dritten, Gesellschaften betreiben, überwiegend als gGmbH oder GmbH. Das tun sie zum Beispiel mit dem Blutspendedienst und weiteren Einrichtungen.

Einzelnachweise und Erläuterungen

  1. In Deutschland ist neben dem DRK auch als ausländische Rotkreuz-Organisation das Amerikanische Rote Kreuz vertreten. In Bad Arolsen gab es auch eine Einrichtung in Trägerschaft des IKRK. Außerdem ist in Deutschland die vom Verfassungsschutz beobachte Organisation Kurdischer Roter Halbmond aktiv, die nicht zur Bewegung gehört.
  2. Eine Ausnahme davon ist zum Beispiel das Zentrale Knochenmarkspender-Register, das von einer DRK-Gesellschaft betrieben wird, aber das Rote Kreuz weder im Logo noch im Namen führt.
  3. Zum Beispiel: Deutscher Bundestag, Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz und andere freiwillige Hilfsgesellschaften im Sinne der Genfer Rotkreuz-Abkommen (DRK-Gesetz, DRKG), Berlin 2008, zuletzt geändert 2016, § 1.
  4. In der SBZ wurde das DRK am 19. September 1945 aufgelöst und alles Vermögen verstaatlicht. Die Aufgaben gingen auf ein Samariterwerk in staatlicher Verwaltung über.
  5. In dem vom Frankreich besetzten Teil Deutschlands wurde das DRK am 3. Januar 1946 aufgelöst. Das führte für das Saarland zur Gründung des Saarländischen Sanitäts- und Hilfsdienstes im Oktober 1946, aus dem das Saarländische Rote Kreuz (1947–1956) und anschließend der Landesverband Saarland hervorgingen.
  6. Im Laufe des Jahres 1949 hatte der Organisationsausschuss zur Neugründung Bad Hersfeld, Frankfurt am Main, Hamburg (Stadt) und Stuttgart getagt.
  7. Eine Ausnahme ist das Bayerische Rote Kreuz, das eine Körperschaft des öffentlichen Rechts ist. Da es keine hoheitlichen Aufgaben wahrnimmt, ist diese Rechtsform jedoch eigentlich nicht erforderlich. Faktisch ist das BRK ebenfalls vereinsmäßig organisiert.