Insolvenz

Aus Roter Kreis - Enzyklopädie des Rotkreuz-Wissens

Allgemeines

In Deutschland gibt es jährlich ca. 20.000 Firmeninsolvenzen bei ca. 3,5 Millionen Unternehmen insgesamt. Ca. 0,6 % der Unternehmen werden also jährlich zahlungsunfähig. Die Insolvenz stellt auch für die Gliederungen des Deutschen Roten Kreuzes außerhalb Bayerns eine ernst zu nehmende Gefahr dar, weil sie wirtschaftlich eigenständig sind und unabhängig voneinander geführt werden.

Das Risiko ist zunächst schon ein statistisches: Wendet man die oben genannte Insolvenzrate auf die Anzahl der nicht-bayerischen Kreisverbände im DRK an, dann ergibt sich eine mögliche Insolvenz von jährlich zwei bis drei Kreisverbänden. Spezifische Risiken sind die mitunter wenig tragfähigen Geschäftsmodelle, die Abhängigkeiten von Beiträgen, Zuschüssen und Spenden, der Einfluss gesellschaftlicher Veränderungen, die Vereinsstrukturen und die geringere Attraktivität der Sozialverbände für qualifizierte Führungskräfte im Vergleich zur privaten Wirtschaft.

Tatsächlich gab es schon eine ganze Reihe Insolvenzen von Kreisverbänden und mit Berlin sogar eines Landesverbands. Je nach rechtlichem und wirtschaftlichem Status können auch Ortsvereine insolvent werden. Betroffen sein können auch Tochtergesellschaften, die zum Beispiel Träger von Kliniken, Altenheimen, Kindertageseinrichtungen oder Rettungsdiensten sind. Die Ausgliederung eines Geschäftsbereichs in eine eigene Gesellschaft stellt auch einen gewissen Schutz eines Vereins im Fall einer Insolvenz dar.

Beispiele für Insolvenzen

Landesverbände

Kreisverbände

Schwesternschaften

  • Schwesternschaft Übersee (2019)
  • Schwesternschaft Coburg von Bayerischen Roten Kreuz (2017)

Ortsvereine

Einrichtungen

  • Landesverband Thüringen: DRK-Krankenhausgesellschaft Thüringen-Brandenburg mbH (2018)
  • Kreisverband Hildburghausen: DRK Rettungsdienst Hildburghausen gGmbH (2018)
  • Kreisverband Hersfeld: DRK Rettungsdienst Hersfeld gGmbH (2012)
  • Kreisverband Hersfeld: DRK Soziale Dienste Hersfeld GmbH (2012)
  • Kreisverband Hersfeld: DRK Dienstleistungs- und Immobiliengesellschaft Hersfeld GmbH (2012)

Besonderheit in Bayern

Das Bayerische Rote Kreuz ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts unter staatlicher Aufsicht[1]. Nach bayerischer Rechtslage ist das BRK daher vermutlich nicht insolvenzfähig.[2] Die 2017 in Insolvenz gegangene Schwesternschaft Coburg vom BRK gehörte dem Namen nach zum Bayerischen Roten Kreuz, war aber ein eigener eingetragener Verein und damit nicht Teil der Körperschaft.

Einzelnachweise

  1. Es handelt sich um eine Rechtsaufsicht. Siehe: Landtag des Freistaates Bayern, Gesetz über die Rechtsstellung des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK-Gesetz), 16. Juli 1986 (GVBl. S. 134, BayRS 281-1-I), zuletzt durch § 1 Nr. 310 der Verordnung vom 22. Juli 2014 (GVBl. S. 286) geändert, München 2014, Artikel 3.
  2. Gesetz zur Ausführung des Gerichtsverfassungsgesetzes und von Verfahrensgesetzen des Bundes (Gerichtsverfassungsausführungsgesetz – AGGVG), Artikel 25. Dies gilt dann, wenn sie im BRK-Gesetz beschriebene Rechtsaufsicht eine Aufsicht im Sinne dieses Gesetzes ist.