Joachim von Winterfeldt-Menkin: Jahreszeiten des Lebens

Nachschlagewerk über das Deutsche Rote Kreuz und die Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung

Vorwort

Joachim von Winterfeldt-Menkin (18651945) war von 1921 bis 1933 der erste Präsident des 1921 gegründeten Deut­schen Roten Kreu­zes, das bis 1937 bestand. In 1942 wurde seine Autobiografie „Jahreszeiten des Lebens“ mit dem Untertitel „Das Buch meiner Erinnerungen“ im Propyläen Verlag in Berlin veröffentlicht, die er offenbar im Verlauf des Jahres 1940 abgeschlossen hatte.1 In dem Werk geht er auf sein Engagement für das dann 1921 gegründete DRK ein, erwähnt jedoch auffälligerweise nicht seine verschiedenen ab 1902 wahrgenommenen Funktionen im Roten Kreuz. Für die Aufarbeitung seines Wirkens in der Zeit des National­sozia­lis­mus (1933–1945) sind auch seine punktuell von ihm dargestellten Bezüge zu Adolf Hitler (1889–1945), die hier wiedergegeben sind, und seine an die Dolchstoßlegende erinnernden Erklärungen zum Ausgang des Ersten Welt­kriegs (1914–1918), die hier mangels Bezug zum Roten Kreuz nicht wiedergegeben sind (Seiten 215–216 und 246–248), von Interesse.

Da die Regelschutzfrist verstrichen ist, können hier Ausschnitte aus dem Werk, die das damalige DRK betreffen, vollumfänglich wiedergegeben werden. Die Rechtschreibung wurden nicht modernisiert und Schreibfehler nicht korrigiert. Die Namen der Abschnitte wurden beibehalten und zur besseren Lesbarbeit auf digitalen Endgeräten durch Zwischenüberschriften ergänzt. Die originale Paginierung mit den Seitentiteln ist im Textverlauf eingefügt. Erläuterungen und Verweise finden sich in Fußnoten, um den Lesefluss des Originals nicht zu stören.

[...]

Der Kreis Prenzlau2

[...]

[Zusammenarbeit mit dem Vaterländischen Frauenverein]

[108: Ländliche Wanderbibliotheken] [...] Meine Bemühungen, auch im sozialen Sinnne [sic!] praktische Kreispolitik zu treiben, wurden durch die rührige Vorsitzende des Vaterländischen Frauenvereins, Frau von Arnim-Züsedom3, wirksam unterstützt. Wir überzogen nach und nach den ganzen Kreis mit Schwesternstationen, richteten Kindergärten und Spielschulen ein und sorgen für eine sachgemäße Pflege in Krankheitsfällen, namentlich auch bei Entbindungen. Als Gegenstück zu meinem Siechenhaus für arbeitsunfähige Männer in Brüssow gründete Frau von Arnim in Prenzlau ein Heim für unterstützungsbedürftige Frauen.

[...]

Berlin, Matthäikirchstraße4

[...]

[Gerhardt als vermeintlicher Ermöglicher des Engagements]

[144: Der Landessyndikus] Mein erster Mitarbeiter in der Provinzialverwaltung war des Landessyndikus und Geheimrat Gerhardt5, ein bienenfleißiger Herr, vom Morgen bis Abend unermüdlich tätig. Ich verdanke seinem nie erlahmenden Eifer die Möglichkeit, neben dem Amte des Landesdirektors und dem Reichstagsmandate später noch zahlreiche Ehrenämter, wie namentlich den Vorsitz im Reichsausschusse der Kriegsbeschädigtenfürsorge sowie das Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes, zu führen.6

Das Rote Kreuz

[Gründung des DRK e.V.]

[258] Der Gedanke, mir in dem Kabinett der Kapp-Re­gie­rung7 eine für die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten maßgebende Stellung zuzusprechen, hatte übrigens eine gewisse Unterlage durch meine Berufung an die Spitze der deutschen Vereine vom Roten Kreuz und die sich daraus ergebenden engen inter­nationalen Beziehungen. Schon gleich nach Kriegsende war man mit dem Ansinnen an mich herangetreten, den Vorsitz im Zentral­komitee der deutschen Rot-Kreuz-Ver­eine8 zu übernehmen. Meine Tätigkeit im Reichsausschuß der Kriegs­be­schä­dig­ten­für­sorge9 brachte auf die Idee, auch die Geschäfte des Roten Kreuzes, zu denen die umfangreiche Tätigkeit der Flüchtlingsfürsorge ge­hörte, in einer Hand zu vereinigen. Bei der Fülle der auf mir lastenden Arbeit hatte ich mich lange geweigert, neue Verpflich­tungen zu übernehmen, zumal kein Zweifel darüber bestehen konnte, daß diese Verpflichtungen schwierige organisatorische Umgestaltungen in sich schließen würden. Dem immer erneuten Drängen konnte ich mich zuletzt nicht entziehen. Ich mußte an­ erkennen, daß der ganz Deutschland umfassende, zu allgemeiner Zufriedenheit arbeitende Reichsausschuß der Kriegs­be­schä­dig­ten­­für­sorge ein gutes Vorbild für das zu einer Einheit umzuge­staltende Deutsche Rote Kreuz, das es bisher nicht gab, dar­stellen könne.

Bisher arbeiteten in den deutschen Ländern die Rot-Kreuz-Organisationen, Männer- wie Frauenvereine, selbständig für sich, lose zusammengefaßt in einem Zentralkomitee, das in Berlin seinen Sitz hatte. Arbeitsplan und Arbeitsumfang waren bei den einzelnen Vereinen verschieden. Die Frauenvereine insbesondere verhielten sich gegen die Oberleitung durch das Zentralkomitee kühl ablehnend. Die Spannung ging so weit, daß, wie erzählt [259: Vereinheitlichung] wurde, die Vorsitzende des Vaterländischen Frauenvereins und der Vorsitzende des Zentralkomitees einander nicht grüßten. Das mußte anders werden: ein einheitliches Deutsches Rotes Kreuz unter einheitlicher Leitung mußte geschaffen werden. Dies war die Losung, unter der ich den Vorsitz im Zentralkomitee über­nahm. Zunächst waren die durch den Weltkrieg nach und nach entstandenen „Abteilungen“ des Roten Kreuzes aufzuheben. Es waren zwischen zwanzig und dreißig, und jede Abteilung hatte einen besonderen Vorsitzenden, der seine mehr und mehr überflüssig gewordenen Funktionen nicht selten nur ungern ab­gab. Die Verhandlungen, die es dabei zu führen gab, waren zum Teil recht verdrießlich, da die Abteilungsleiter, meist prominente ältere Herren, nicht einzusehen schienen, daß das Ende des Krieges auch das Ende der Kriegsabteilungen bedeutete. Unzweifelhaft waren die Leistungen des Roten Kreuzes in den langen, schweren Kriegsjahren sehr groß, ja bewunderungswürdig gewesen. Ander­seits aber hatte der Krieg die Mängel der bisherigen Struktur des Roten Kreuzes klar erkennen lassen. Diese durch straffe Ver­einheitlichung zu festigen, war die vordringliche Aufgabe. Sie wurde durch eine Sitzung in Weimar unter meinem Vorsitz angepackt und nach mehreren weiteren Sitzungen in Bamberg gelöst.

In Bamberg wurde das Deutsche Rote Kreuz ge­schaf­fen.10 Es umfaßte alle deutschen Rot-Kreuz-Vereine und unterstand einem Präsidenten. Der erste Präsident wurde ich.11 Mein Ver­treter wurde der frühere bayerische Minister von Brett­reich.12 Es war nur natürlich, daß hin und wieder Stimmen laut wurden, die manches als lästigen Zwang empfanden, was im Interesse der Einheitlichkeit durchgeführt werden mußte. Namentlich die temperamentvolle, überaus energische und kluge Leiterin der Preußischen Frauenvereine, Gräfin Groeben13, konnte sich nicht immer mit allem abfinden, was eine — übrigens meist kaum fühlbare — Unterordnung bedeutete. Aber das waren doch nur belanglose Stürme im Wasserglase, die den mächtigen Impuls, [260: Graf Brockhoff-Rantzau] der das Leben des eben erstandenen Deutschen Roten Kreuzes beflügelte, nicht zu beeinträchtigen vermochten. Ein solcher Impuls war dringend erforderlich. Denn der Gegner waren viele und recht starke. Die links gerichteten Kreise haßten die In­stitution des Roten Kreuzes als eine für den Krieg geschaffene Organisation. Alles, was mit dem Kriege, mittelbar oder un­mittelbar, in Verbindung gebracht werden konnte, galt als ver­dächtig und sollte verschwinden.14 Denn die Parole jener Tage lautete: Nie wieder Krieg!15 Dieser Gegnerschaft, von der die völlige Umgestaltung, ja, die Auflösung der deutschen Organisation des Roten Kreuzes gefordert wurde, mußte durch ostentative Auf­nahme sozialer und charitativer Aufgaben begegnet werden, daneben aber durch Fortbestehen der Verbindung mit Genf und seinem internationalen Komitee der ursprüngliche Zweck16 ge­sichert bleiben.

[Deutsche Wohlfahrtsstelle]

Eine Gegenorganisation, die Deutsche Wohlfahrtsstelle, machte dem Roten Kreuz eine höchst lästige Konkurrenz. An ihrer Spitze stand der Graf Brockdorff-Rantzau17, der sich durch sein furchtloses Auftreten in Versailles einen Namen gemacht hatte18. Diese Deutsche Wohlfahrtsstelle19, die in der Nähe des Schlosses ein Büro von etwa achtzig Köpfen unterhielt, mußte vor allem beseitigt werden. Ich ging also zum Grafen Brock­dorff-Rantzau, den ich aus meiner Potsdamer Zeit oberflächlich kannte, und setzte ihm, ohne lange Vorrede, die Pistole auf die Brust: entweder Fusion der Wohlfahrtsstelle mit dem Deutschen Roten Kreuz oder Kampf bis aufs Messer. In Erläuterung der zweiten Alternative konnte ich auf die feste Verwurzelung und Popularität des Roten Kreuzes in ganz Deutschland im Laufe eines halben Jahrhunderts hinweisen und auf ihre unter zentraler Leitung stehende neugefestigte Organisation. Beides fehlte der Wohlfahrtsstelle, für deren jüdische Provenienz der Graf nur Aushängeschild war. Brockdorff-Rantzau überlegte eine Weile und erklärte sich dann in sehr konzilianter Form bereit, die Wohl­fahrtsstelle mit dem Deutschen Roten Kreuz unter der Bedingung [261: Das Genfer Komite] zu verschmelzen, daß wir alle Angestellten der Wohlfahrtsstelle übernähmen. Dieses sagte ich zu, wir schüttelten uns die Hand und schieden als Freunde. Die Wohlfahrtsstelle schloß ihre Büros, die vom Roten Kreuz zunächst übernommen wurden, aber in einigen Monaten definitiv zu existieren aufhörten.20

[Auswärtiges Amt, Internationales Komitee]

Die Aufgaben, die sich die Wohlfahrtsstelle gestellt hatte, wurden im Roten Kreuz selbst gelöst. Für die Angestellten der Wohlfahrtsstelle hatten wir also keine Arbeit mehr, auch behagte ihnen die Rote-Kreuz-Atmosphäre wohl wenig. Aber damit war nur ein Hauptgegner beseitigt. Tatsächlich war das ganze offi­zielle Deutschland jener schlimmen Jahre nach dem Weltkriege gegen uns. Einzig und allein im Auswärtigen Amt21 hatten wir einen zuverlässigen Freund. In den zahlreichen Sitzungen, die sich mit den Kriegs- und Nachkriegsfolgen beschäftigten, konnten wir uns jederzeit auf diesen Freund verlassen, dem wir seine Bundesgenossenschaft übrigens nach Kräften zu vergelten suchten. In allen Ländern der Welt, die Anspruch auf Kultur erheben konnten, existierten Rot-Kreuz-Gesellschaften22. In dem internationalen Komitee23 in Genf hatten sie ihr Zentrum. Hier war der Geist des Begründers aller Rot-Kreuz-Arbeit, des Schweizers Henri Dunant24, lebendig, der, von dem Elend und den Schrecken des Schlachtfeldes von Solferino erschüttert25, die Parole gefunden hatte: inter arma caritas!26 Die unglücklichen Opfer des Krieges, die Verwundeten und Verstümmelten, sollten den unmenschlichen Gesetzen des Krieges entzogen und, ob Freund oder Feind, in barmherziger Fürsorge Schutz und Heilung finden. Das Zeichen des Roten Kreuzes27 sollte allen krieg­führenden Mächten ein heiliges Symbol sein, vor dem sich die Waffen zu senken hatten.28. Diese völkerversöhnende Rolle des Roten Kreuzes schuf zugleich Verbindungen von Land zu Land, die sich nicht selten stärker erwiesen als die offiziellen diplomati­schen Vertretungen. Man trat sich von Mensch zu Mensch gegen­ über, gerade die inoffizielle Beziehung erleichterte den Verkehr, und so konnte auch das Auswärtige Amt manches durch uns [262: Oberstleutnant Draudt] unter der Hand erfahren, was für die Beurteilung der Menschen und Dinge nicht unwichtig war. So erklärte sich die freund­schaftliche Haltung des A. A., das bei jeder Gelegenheit den Standpunkt des Deutschen Roten Kreuzes zu dem seinigen machte.

[Liga der Rotkreuz-Gesellschaften]

Um die Arbeit des Roten Kreuzes von dem „Makel“ zu ent­giften, den gewisse Kreise in den Kriegsaufgaben seiner Grün­dung erblickten, war unter amerikanischer Führung in Paris eine Liga der Roten Kreuze ins Leben gerufen worden29, die sich die Pflege der charitativen Aufgaben zum Ziel setzte. Während das internationale Komitee in Genf satzungsgemäß lediglich aus Genfer Bürgern bestehen sollte, hatten in der Pariser Liga die Vertreter der angeschlossenen Rot-Kreuz-Vereine Sitz und Stimme. Auch das Deutsche Rote Kreuz, vertreten durch den Oberstleutnant Draudt30, den mir Brockdorff-Rantzau bei Auf­lösung der Deutschen Wohlfahrtsstelle als einen seiner Versailler Mitarbeiter ans Herz gelegt hatte, genoß diesen Vorzug und spielte sehr bald in der „Liga“ eine nicht unbedeutende Rolle31. Ich konnte mich, nicht nur auf Grund der mir erstatteten Draudtschen Vorträge, auch aus eigenen Unterhaltungen mit Vertretern des Auswärtigen Amtes davon überzeugen, wie wertvoll diese losen und unverbindlichen Beziehungen unserer Diplomatie ge­worden waren. Mit Draudt nahm ich im Oktober 1919 an der XI. Internationalen Konferenz des Roten Kreuzes in Genf teil.32 Vorsitzender des Internationalen Komitees war damals Gustave Ador33, während des Weltkrieges Bundespräsident der Schweiz, ein ausgesprochener Deutschenfeind. Es bedurfte auch einiger Korrespondenzen hin und her, bevor Genf es für tragbar er­klärte, den deutschen Rot-Kreuz-Präsidenten in der Mitte der Konferenzmitglieder zu begrüßen. Es war wohl Draudts Geschick­lichkeit und seiner Personalkenntnis zu danken, daß alle Hinder­nisse aus dem Wege geräumt wurden und meine Anwesenheit bei der in Aussicht genommenen Sitzung und dem Abend-Empfang bei Mr. Ador mit allen Ehren erfolgen konnte.

[Internationale Konferenz]

[263: Wieder in Beaumont] Bei der Begrüßung der einzelnen Länder-Vertreter verlas ich eine ziemlich stolze, jedenfalls keineswegs demütige, französisch abgefaßte Rede, die die Tätigkeit des Deutschen Roten Kreuzes während des Weltkrieges in kurzen Worten schilderte und mit der Versicherung schloß, uns auch künftig in gleicher Weise zu betätigen: „C’est notre vouloir et notre pouvoir!“ Der Effekt war insofern nicht gering, als die Vertreter der mit uns im Weltkriege verbündeten Nationen, Österreicher, Ungarn, Bulgaren und Türken, nachdem ich geendet hatte, auf mich zu­ schossen, mir die Hände drückten und mir dankten. Sicherlich nicht zur Freude des Mr. Ador. Dieser behandelte mich am Abend auf seinem großen Empfang mehr als kühl, reichte mir nur im Vorbeigehen flüchtig die Hand und würdigte mich keines Wortes. Anders seine Schwester, eine schmuckbeladene vornehme Dame, deren Name mir entfallen ist. Sie redete mich auf meine schöne Tante34, die Tochter des langjährigen Preußischen Ge­sandten von Röder35, die ich bei der Schilderung meines Mulus-Aufenthaltes in Berlin erwähnte, liebenswürdig an. Eine sehr niedliche Nichte dieser Dame, der ich einige Nettigkeiten sagte, zeigte sich dagegen als unverfälschte Westschweizerin, denn sie meinte — wenigstens war dies der Sinn —: was ich so sage, sei ja alles ganz gut und schön, aber wir Deutsche dürften nie wieder einen Krieg vom Zaun brechen, sonst... würde sie nie wieder ein Wort mit mir sprechen. Ich beschränkte mich darauf, ein tiefbetrübtes Gesicht zu zeigen, womit unsere Unterhaltung freilich beendet war.

[Enttäuschung in Beaumont]

Den Aufenthalt in Genf benutzte ich zu einem Abstecher nach Lausanne, um diesen Ort meines ersten studentischen Semesters und vor allem Beaumont, das schöne und erinnerungsreiche Beaumont, wiederzusehen. Ich hatte durch ein Ferngespräch festgestellt, daß die ältere Blumersche Tochter, Madame Made­leine, jetzt Beaumont besitze. Während unserer Zugehörigkeit zur Pension Blumer hatte Madeleine im Sommer 1885 einen Mr. Elie David36 aus dem benachbarten französischen Annemasse, [264: Enttäuschung] also einen Franzosen geheiratet. Die Hochzeit war damals fest­lich inszeniert worden, und wir zum Hause gehörenden Studen­ten hatten uns an Polterabend und Hochzeitsgeschenken nach Kräften beteiligt. Nun sollte ich nach vierunddreißig Jahren ein, wie ich hoffte, fröhliches Wiedersehen feiern. Mr. David, der, wie mir gesagt wurde, Redakteur der „Gazette de Lausanne“ war, holte mich auf der Bahn ab. Da die „Gazette de Lausanne“ als fanatisch deutschfeindliches Blatt bekannt war, hielt ich es für angebracht, gleich bei der Begrüßung Mr. David halb scherzhaft zu versichern, ich komme als un vieux ami37, und Politik sei für heute auszuschließen. David stimmte herzlich zu, anscheinend war auch er über dieses Wiedersehen nach so langen Jahren er­freut. Leider sei seine Frau krank und liege zu Bett, aber auch sie freue sich auf mich. Wir waren einst gute Kameraden gewesen, Mlle. Madeleine und ich.

In Beaumont, das außerhalb der Stadt gelegen ist, sah es ganz anders aus als damals, da ich Abschied nahm. Das Haus war im Umbau, Baugerüste umgaben es. Von der Terrasse, wo wir so oft gesessen und das unvergleichliche Panorama der Savoyer Berge bewundert hatten, sahen wir an diesem Oktobertage nur ein trübes Grau. Die fernen Berge leuchteten nicht wie einst in dem purpurnen Farbenspiel der Sommerabende. Grau in Grau — schemenhaft, ragten sie jenseits des Sees empor. Mme. David empfing mich im Bett, eine weißhaarige alte Dame, nur die Stimme klang noch wie früher. Ich durfte nicht lange bleiben, dann nahm mich Monsieur wieder mit sich. Der Abmachung zum Trotz kam er auf das gefährliche Gebiet der Politik. Und nun erwachte der Redakteur der „Gazette de Lausanne“ in ihm. Er fing an, auf den Kaiser zu schimpfen, in schlimmsten Wen­dungen und Superlativen, hemmungslos. Ich machte, daß ich wieder fort kam. So endete das Wiedersehen in Lausanne und der Pension Blumer-Beaumont. Ich aber nahm die Lehre mit, nie wieder Stätten der Jugend wiedersehen zu wollen, an denen ich einst glücklich war. Es ist immer eine Enttäuschung, unter deren [265: „Brüder in Not“] Einfluß sich auch das ursprüngliche Bild der Erinnerung auto­matisch nachteilig wandelt.

[Aktion „Brüder in Not“]

Nach Berlin zurückgekehrt, fand ich eine Fülle von Arbeit, insbesondere organisatorischer Art vor. Die Umgestaltung des Deutschen Roten Kreuzes auf eine vorzugsweise soziale Betäti­gung war angesichts der schweren Notstände der Nachkriegszeit eine dringende Aufgabe. Fast täglich fanden im Landeshause38 oder im Rot-Kreuz-Büro Besprechungen statt. Wenn auch das neutrale Ausland, die Deutschamerikaner und die Quäker in mannigfacher Weise mit Lebensmitteln, Kleidung, auch mit Geld zu unter­stützen suchten, so waren doch alle diese Bemühungen nur relativ wertvoll. Die eigentlichen Übelstände, die ungeheure Arbeits­losigkeit, der Verfall der Währung und die sich daraus ergebende Verarmung und Zuchtlosigkeit, wurden durch diese dankens­werten, menschenfreundlichen Bemühungen kaum berührt.

Es ging mit Deutschland immer mehr bergab. Trotzdem ver­suchte das Deutsche Rote Kreuz neben seiner unendlichen Arbeit am eigenen Herd auch noch den deutschen Landsleuten in der Ferne zu helfen. Da waren nicht nur die Flüchtlinge und Ver­drängten aus Rußland, Polen, den französisch gewordenen Reichslanden Elsaß-Lothringen, aus Übersee, da verhungerten in jener entsetzlichen Zeit Millionen, darunter viele tausend deutsche Siedler an der Wolga und in den unendlichen Weiten Südrußlands. Diese Hungersnot muß nach den Schilderungen, die zu uns gelangten, das Furchtbarste gewesen sein, was mensch­liche Phantasie ersinnen kann. Als Begleitung dieses Elends gingen Flecktyphus, Pest und Cholera einher. Diese Seuchen be­drohten auch Deutschland. Infolgedessen beauftragte die Reichs­regierung das Rote Kreuz, eine ärztliche Expedition in die Hun­ger- und Seuchengebiete zu veranstalten. Die nötigen Mittel hierfür mußte eine besondere Sammlung, die unter dem Namen „Brüder in Not“ bekannt ist, liefern.39

In Leningrad wurde ein Eisenbahnzug zusammengestellt, der Ärzte, Schwestern, Krankenpfleger aufnahm. Die Wagen dieses [266: Die Heimatlosen] Zuges waren blendend weiß gestrichen, sie erhielten in deutscher und russischer Sprache die riesengroße rote Aufschrift „Deut­sches Rotes Kreuz“. Die einzelnen Wagen waren zu Operations-, Untersuchungs-, Lazarettzwecken eingerichtet. Alles was an Instrumentarien, auch für bakteriologische Untersuchungen, Apothekerbedarf, Speisevorräten notwendig war, hatte man mit deutscher Ordnung und Sauberkeit zur Hand und beiein­ander.

So bewegte sich der Zug von Leningrad über Moskau nach Kasan, das die Sowjetregierung als vorläufigen Zielpunkt der Expedition bestimmt hatte. An jeder, auch der kleinsten Station der Strecke wurde haltgemacht und, soweit es anging, den Wünschen der zusammengeströmten Bevölkerung nach ärztlicher Hilfe entsprochen. Später gelang es, bis Saratow im Wolgagebiet vorzudringen und dort sowie in der Ukraine, z. B. in Odessa, Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes einzusetzen, die den deutschen Kolonisten wenigstens vorübergehende Hilfe bringen konnten. Später war das Rote Kreuz auch an der vor­ läufigen Übernahme tausender deutscher Bauern, die unter dem Drucke der sowjetischen Kollektivierungsmaßnahmen ihre Scholle verlassen mußten, beteiligt. Diese heimatlos gewordenen Deutschen wurden in mehreren Lagern in Deutschland untergebracht. Dem Roten Kreuz fiel ihre Übernahme an der Grenze mit der notwendigen Desinfektion und Säuberung zu, sowie die spätere Fürsorge in den Lagern. Wie wichtig die Desinfektion war, zeigte sich namentlich bei den Kindern, von denen überdies viele infolge von Unterernährung und an Trachom-Erkrankungen in den Lagern starben. Einer der Ärzte unseres Expeditions­zuges, Dr. Gärtner, war ein Opfer des Flecktyphus geworden, auch er ist für seine Heimat als ein Held und Pionier rühmlich gestorben.

[Beziehungen zu Russland]

Die Verhandlungen mit den russischen Amts stellen, die diese Hilfe des Deutschen Roten Kreuzes nötig machte, ergaben gewisse offizielle und gesellschaftliche Beziehungen zu den [267: Tschitscherin] maßgebenden russischen Persönlichkeiten. Im Provinziallandtags­saal wurden die einzuleitenden Maßnahmen beraten, woran sich ein Abendempfang in meiner Dienstwohnung schloß. Da saßen nun alle die in Deutschland in der Russischen Botschaft amtieren­den Größen mit den zum Teil nur durch die Nuance ihres Rot sich unterscheidenden deutschen Kollegen einträchtig zu­sammen. Dazwischen wir Rote-Kreuz-Leute aus allen Teilen Deutschlands. Da saß nachher bei dem Empfang oben in der Wohnung meine Frau mit Klara Zetkin40 friedlich nebeneinander auf dem Sofa, und meine Töchter knicksten vor der „blutigen Klara“, die so gar nicht blutig aussah, vielmehr wie eine alte, müde, weißhaarige Frau. Hermann Müller41, der rote Reichs­kanzler und unterschreibende Vollzieher des Versailler Diktats42, unterhielt sich mit dem sächsischen Oberhofmarschall Exzellenz von Metzsch43 und die Gräfin Groeben13 mit dem sozialdemokrati­schen Reichstagspräsidenten Löbe44. Es war grotesk, was sich unter dem neutralen Banner des Roten Kreuzes alles zusammen­ fand!

Gelegentlich dieser Verhandlungen tauchte auch Tschitsche­rin45, der Leiter des russischen Außenkommissariats, bei uns auf. Er war anfänglich zaristischer Diplomat gewesen. Dann hatte ihn seine radikale Einstellung in das rote Lager geführt. Äußer­lich wirkte er, rothaarig und mit rotem Spitzbart, ein wenig wie ein Fuchs. Dies wurde durch den melancholischen, träume­rischen Ausdruck seiner Augen etwas gemildert. Wir gaben ihm im Hotel Continental ein Essen, an dem er mit einigen, zumeist jüngeren Herren seiner Umgebung teilnahm. Das Hotel hatte einen Raum in dunklem Rot zur Verfügung gestellt. Auf dem Tisch stand ein großes Arrangement roter Rosen, eine rote Bowle bildete das Getränk. Es war alles rot und dem Roten Kreuz angepaßt. Nur wir Gastgeber paßten der Farbe nach nicht ganz in diesen Rahmen. Dies kam am Schlüsse des Essens auch unmittelbar zum Ausdruck. Es war ausgemacht, daß keine Reden gehalten werden sollten.

[258: „Le président de Winterfeldt!“] Als Revanche lud mich Tschitscherin zu einem Empfang in der Russischen Botschaft ein. Es war ein etwas beklemmendes Gefühl, die Flucht riesiger Säle mit ihrer vornehmen, kalten Pracht und mit ihren völlig kahlen Wänden, von denen man die Kaiserbilder sämtlich entfernt hatte, zu durchschreiten. Am Eingang des großen Tanzsaales stand Tschitscherin mit zwei jungen Gehilfen, in Frack und weißer Krawatte. Er begrüßte mich, und alsbald wurde von einem der befrackten Jüng­linge in den Saal gerufen: „Le président de Winterfeldt“. Es hätte nur noch gefehlt, daß mit einem Kammernherrnstabe auf die Erde gebumst worden wäre, und alles wäre nach altem Stil gewesen. Wären nur nicht die übrigen Gäste gewesen! Da waren in der Tat zahlreiche Typen, denen Grausamkeit und Mordlust auf der Stirn geschrieben stand. Es waren konfiszierte Gestalten und Physiognomien, denen man alles, auch die scheußlichsten Verbrechen zutrauen konnte. Als die Flügeltüren zu dem großen Festsaal sich öffneten und eine von den erlesensten Leckerbissen beladene Tafel zur Benutzung einlud, wandte ich mich fluchtartig zum Rückzug. Die Botschaft schickte mir in späteren Jahren regelmäßig Einladungen zum Gründungstage der Vereinigten Sowjetrepubliken, ich glaube, zu dem 7. No­vember46, doch verzichtete ich ebenso regelmäßig darauf, diesen Lockungen zu folgen. Die einmal erhaltenen abstoßenden Eindrücke lebten noch allzu lebendig in mir.

Neben diesen Beziehungen zur russischen Sowjetunion gingen in den ersten Jahren nach Beendigung des Weltkrieges auch mancherlei Fäden bis zu dem ehemaligen kaiserlichen Rußland. So sah ich den letzten zaristischen Botschafter am deutschen Kaiserhofe, Scherbejeff47, der ursprünglich als heftiger Deutschen­hasser galt, unter den bescheidensten Umständen im Hause eines Vetters wieder. Dieser Verwandte war fast während des ganzen Weltkrieges, nach schwerer Verwundung, in russischer Gefangen­schaft gewesen und hatte während dieser Zeit Anknüpfung zu den oberen Schichten der inzwischen ausgerotteten Gesellschaft [269: Die russischen Emigranten] gefunden. Jedenfalls traf ich bei ihm zu meinem größten Erstaunen den finsteren Scherbejeff, den ich zuletzt auf einem großen Ball im Kaiserschlosse kurz vor Kriegsausbruch gesehen hatte. Damals stand der Botschafter mit ausgesprochen feind­lichem Gesichtsausdruck inmitten seiner Attachés, die nach dem Beispiel ihres Chefs unliebenswürdige und ablehnende Mienen aufgesetzt hatten. Man wunderte sich allgemein über diese Hal­tung der Russen, die weder zu dem festlichen Rahmen des Weißen Saales noch zu der Tatsache zu passen schien, daß ein russischer Generaladjutant, der Fürst Tatitscheff, zu dem stän­digen Gefolge des Deutschen Kaisers, als ein Zeichen enger Freundschaft, gehörte. Nun fand ich den von seiner Höhe ge­stürzten Diplomaten in dem bescheidenen möblierten Quartier meines Vetters bei Tee und Butterbrot, sehr still und klein ge­worden, wieder. Er sah noch finsterer aus als früher, schien sich aber zu freuen, mich wiederzusehen und war dankbar, als ich ihm anbot, ihn nach Hause, in irgendeine Pension, zu bringen. Bald nachher starb er.

War dies schon ein kleiner Vorgeschmack des Elends, in dem die russischen Emigranten existieren mußten, so wurde es mir noch handgreiflicher, als eine Deputation, die aus ehemaligen russischen Würdenträgern, Ministern und Staatssekretären be­stand, mich aufsuchte, um mir das Großkreuz des zaristischen Roten Kreuzes zu überreichen, das mir der „Zar“ Kyrill48, der in Paris residierte, verliehen hatte. Wofür ich diese Auszeichnung erhielt, ist mir nicht klargeworden. Freilich hatte das Deutsche Rote Kreuz Not und Elend jeder Art zu lindern versucht, wo es sich auch zeigen mochte, aber diese elenden, schlecht gekleide­ten, hungrig dreinschauenden Schemen, die die deutsche Caritas rühmten und nur noch Schatten einer erloschenen Vergangen­heit waren, diese Unglücklichen, die Vaterland, Heimat, Rang und Vermögen verloren hatten, waren schwerlich von uns be­treut worden, es sei denn aus Gulaschkanonen oder ähnlicher primitiver Quelle.

[Spendensammlung in Amerika]

[270: Ein Redner für Amerika] Die Hilfsstellung des Auslandes für das verarmte Deutschland bestand in der Hauptsache in der Übernahme deutscher Kinder­transporte. Schweden, unter Führung des Prinzen Karl, des Bruders des Königs, und von Elsa Brandström49 [sic!], dem guten Engel der Deutschen in den russischen Gefangenenlagern, ging hier voran. Aber auch Dänemark und Holland nahmen sich unserer Kinder liebevoll an und bereiteten ihnen gute Pflege und Er­holung. Amerika, noch sehr vom Kriege her verhetzt und über europäische Menschen und Verhältnisse in kindlicher Unkenntnis, drängte auf propagandistische Aufklärung über unsere Notlage, über unser eigentliches, nicht mehr durch Verhetzung entstelltes und verzerrtes Wesen. Erst nach einer solchen auf die Massen berechneten Propaganda könne in größerem Maßstabe geholfen werden. Einstweilen erhielten wir große Mengen alter Sachen, die häufig nicht zu brauchen waren. Kisten, die nach Menkin kamen, entnahmen wir alte Ballkleider, gebrauchte und nicht gewaschene Herrenwäsche wie gesteifte Oberhemden und ähn­liches, womit nichts anzufangen war.

Der Ruf nach organisierter Propaganda für Deutschland wurde immer lauter. Wir sollten in die amerikanische Öffentlichkeit be­kannte Männer entsenden, die in allen Städten drüben die Men­schen über das wirkliche Wesen des deutschen Volkes aufklären könnten. Das Buch von Otto Grautoff50 über Bernhard von der Marwitz, diesen Typus reinen deutschen Blutes, müsse in Hundert­ tausenden von Exemplaren in den Vereinigten Staaten verbreitet und weiteres ähnliches Schriftwerk hinübergesandt werden.51 Also schön! Es mochte der Versuch einer solchen Propaganda, auf die auch die Gebrüder Ridder, ihrem Blute nach Westfalen, aber Besitzer der „New-Yorker Staatszeitung“52, drängten, gemacht werden, und zwar zunächst durch Entsendung bekannter Deutscher. Um in der Auswahl des zu entsendenden Propaganda-Redners mit den Wünschen der amerikanischen Herren zusammen­ zugehen, lud ich Gerhart Hauptmann53 und zwei in Amerika wohl­ bekannte Professoren zur Okular-Inspektion für die gleichfalls [271: Hauptmann oder Frenssen?] geladenen Amerikaner ins Landeshaus. Dazu die zuständigen deutschen Herren, Unterstaatssekretär von Schubert54 und Paul Köster. Man aß, man trank, man unterhielt sich. Am Schluß des Essens fragte ich die Amerikaner, wer ihnen wohl am besten gefallen habe. Sie meinten: „We think, Mr. Hauptmann will be the best.“ Ich zog also Gerhart Hauptmann in eine Ecke und eröffnete ihm, er müsse demnächst nach Amerika fahren, dort von Ort zu Ort reisen und Reden zu Deutschlands Preis und Ehre halten. Hauptmann schien entsetzt, das könne er nicht. Er sei für eine solche Expedition, wie er sich ausdrückte, „zu faul“, auch werde ihm in dem Lande der Prohibition, wo Alkohol verboten sei, der nötige Ansporn, den er für geistige Arbeit brauche, fehlen.

Die Amerikaner waren zwar enttäuscht, gaben aber das Spiel noch keineswegs auf. Hauptmann solle in der Woche nur zwei­mal reden, ein Pullman-Wagen55 zum bequemen Durchfahren des Landes ihm jederzeit zur Verfügung stehen und Wein... „we have so much medicine in our caves, that Mr. H. can drink for ten years.“ Ich also zurück zu Hauptmann und, unter Mitteilung des amerikanischen Bescheides, die erneute Bitte, dem an ihn ergangenen Rufe zu folgen. Seufzend erklärte sich Hauptmann darauf hin bereit, die schwere Mission zu über­nehmen.

Die Sache hatte jedoch ein Nachspiel. In Amerika hatte sich ein Gegenkomitee gebildet, das Gustav Frenssen56 als Propaganda­redner zu haben wünschte. Eines Tages erschien also Frenssen bei mir, um mir mitzuteilen, daß er in einigen Tagen, im Interesse einer deutschen Propaganda aus Amerika gerufen, nach den Vereinigten Staaten abreise. Ich darauf: das könne ich mir nicht denken, da Gerhart Hauptmann von Amerika gewünscht werde. Wer ihn denn gerufen habe Frenssen nannte einige mir un­bekannte Namen. Ich bat darauf, jedenfalls nicht abzureisen, bevor ich die Sachlage geklärt hätte. Diese Klärung ergab, wie nicht anders zu erwarten war, die völlige Richtigkeit der Frenssenschen [272: Wohlfahrtsaktionen] Darstellung. Von der Kandidatur Gerhart Hauptmanns hatte er natürlich nichts gewußt. Was tun? Die Möglichkeit, daß sich zwei, von verschiedenen Kreisen gewünschte deutsche Pro­agandaredner in Amerika Konkurrenz machen könnten, war unter allen Umständen zu verhindern. Hauptmann, wohl nicht allzu betrübt, blieb im Lande, und Frenssen schwamm nach Amerika. Nach seiner Rückkehr veranstaltete ich ihm einen Empfangs- und Berichtsabend im Landeshause, an dem auch zahlreiche Amerikaner teilnahmen. Das Echo seiner Ausführungen war auffallend schwach. Anscheinend hatte er auch drüben nicht die erwartete Resonanz gefunden, denn mir sagte später eine New-Yorker Prominente, ich glaube, eine der schönen Mrs. Ridder, seine Zuhörer hätten etwas durchaus anderes erwartet. „We wished to hear about the Kaiser and from Potsdam and the ,Wachtparade‘ and all these things, so we where disappointed.“ Tatsächlich muß eine gewisse Enttäuschung vorgelegen haben. Dafür spricht das verhältnismäßig geringe materielle Erträgnis der Reise, das der Abhilfe so vieler schwerer deutscher Not­stände dienen sollte. Jedenfalls hatte das Rote Kreuz auch nach dieser Richtung mehr erwartet.

[Geschichte des Wiederaufbaus]

Ich kann hier keine Geschichte des Wiederaufbaues des Deutschen Roten Kreuzes geben, sie möge man in dem ausgezeichneten Werke von Felix Grüneisen nachlesen: „Das Deutsche Rote Kreuz in Vergangenheit und Gegen­wart.“57 Grün­eisen58 gehörte mit Wolfram Freiherrn von Rotenhan59 zu den Männern, die ich bei meiner Amtsübernahme als Präsident des Deutschen Roten Kreuzes dort vorfand. Beide hatten die Ab­teilung für Flüchtlingsfürsorge mit bestem Erfolg geleitet und — mit jedem Detail der Rot-Kreuz-Arbeit vertraut — mit allen Kräften ihre Umstellung auf eine Wohlfahrtsorganisation ge­fördert. Sie arbeiteten in erster Linie mit dem Generalarzt Dr. Werner60 und dem Juristen des Roten Kreuzes, Ober­verwaltungsgerichtsrat Kühne zusammen. Diesen selbstlosen Männern und den unendlich vielen, die innerhalb des Deutschen [273: Freiherr von Spitzemberg] Reiches, nur nach Maß und Ordnung der Aufgaben verschieden, Analoges leisteten, möchte ich an dieser Stelle für ihre unschätz­bare Mitarbeit von Herzen danken. Wichtig wurde für mich auch die geschickte Mitarbeit des ehemaligen Kabinettsrates der Kaiserin, Freiherrn von Spitzemberg61, der der Gräfin Groeben13 zur Seite stand. Da diese die Frauenvereine leitende, hervorragende Frau die durch die Not der Zeit geforderte Neugestaltung häufig skeptisch, ja auch gelegentlich feindlich betrachtete, war die vermittelnde Hilfe Spitzembergs, der Canitzer in Leipzig ge­wesen und ein persönlicher Freund von mir war, in hohem Maße wertvoll. Wie viele Kontroversen hat dieser vornehme Mann in seiner ruhigen sachlichen Art zu einer glücklichen Lösung gebracht!

[Besuch der Kaiserin eines Lazaretts]

Als ich in Verbindung mit den Lazaretten die Anstalten zur Zurückführung unserer verwundeten, verschütteten, ver­störten Kameraden in ein Leben der Arbeit hergerichtet hatte, besuchte uns die Kaiserin62 in Görden bei Brandenburg. Von Bett zu Bett mußte ich sie geleiten, von jedem der Kranken ließ sie sich erzählen, von Haus und Hof, von Kindern und Familie, von Beruf und Zukunftswünschen. Dann wurden die Werkstätten besichtigt, in denen die Einarmigen angelernt, die Blinden zu besonderen Arbeiten geschult, die Nervenverletzten nach und nach durch leichte Tätigkeit beruhigt wurden. Es war Abend geworden, aber die Kaiserin wollte immer noch mehr sehen. Spitzemberg mahnte zur Abfahrt, aber da war noch ein Saal mit frisch eingelieferten Kranken, und schon saß die Kaiserin wieder an einem Bett und fragte und ließ sich erzählen. So war es recht spät geworden, als die Rückfahrt angetreten wurde. Es war die Liebe zum Nächsten, die der Kaiserin trotz ihres Herzleidens die Kraft gab, in so großer Treue zu wirken, „solange es Tag war“.

Von der Ruhrbesetzung zu Hindenburg

[Herausforderungen beim Roten Kreuz]

[274] Während der Jahre verantwortungsvoller Aufbauarbeit im Dienste des Deutschen Roten Kreuzes ging daneben in der bisherigen Weise die Tätigkeit für die mir anvertraute Provinz Brandenburg.63 Im Vergleiche zu den nie abreißenden Kämpfen mit poli­tischem, partikularistischem oder auch technischem Hinter­gründe, die es für Fortbestehen und Entwicklung des Roten Kreuzes zu führen galt, machten die Arbeiten für die Provinz verhältnismäßig geringe Mühe. [...]

[...]

[Gefangenenbesuche]

[276: Bei General Degoutte] Während der Ruhrbesetzung durch die Franzosen64 besuchte ich als Präsident des Roten Kreuzes die inhaftierten politischen Gefangenen. Ich begab mich in Düsseldorf zu dem General Degoutte, dem Oberstkommandierenden des französischen Kon­tingents.65 Obwohl ich meine Karte dem General schickte, empfing er mich nicht selbst, sondern schickte seinen Stabschef, einen Oberst Renondeau oder so ähnlich, der später französischer Militärattaché in Berlin werden sollte.66 Der Oberst, ein stark­ knochiger, blonder Nordfranzose, hatte bereits den Grund meines Besuches erfahren. Ich bat demgemäß um einen Freipaß für alle Stellen des Ruhr- und Rheinlandgebietes, wo politische Gefangene in Haft gehalten wurden. Renondeau fragte, ob ich mit dem General Winterfeldt — dem ehemaligen Militärattaché in Paris — verwandt sei, was ich bejahte.67 Darauf der Oberst sehr kühl: ich möge mir in einer Stunde Bescheid holen. Als diese Frist abgelaufen war, trat ich wieder ein, wurde nun jedoch von einem Unterbeamten mit dem Hinweis abgefertigt, daß für die Erfüllung meines Wunsches „pas moyen“68 gegeben sei. Mir er­ schien diese Form der Ablehnung meines Gesuches recht un­höflich, doch blieb nichts anderes übrig, als sich zu fügen. Glücklicherweise war unser Rot-Kreuz-Vertreter in Düsseldorf, der sich irgendwie des Wohlwollens von Degoutte erfreute, im Besitze eines Passepartouts. Ich durfte daher hoffen, auf diesen Paß hin und mit meinen Ausweisen als Präsident des Deutschen Roten Kreuzes in den einzelnen Gefangenenlagern auch meiner-[277: August Thyssen]seits Zutritt zu erlangen. So gelang es mir in der Tat in der Mehr­zahl der Fälle.

In Essen, wo ich auf dem Hügel bei dem mir durch verwandt­schaftliche Beziehungen nahestehenden Dr. Krupp von Bohlen-Halbach Quartier zu finden gehofft hatte, wurde ich von der Nachricht erreicht, Krupp sei gerade verhaftet und in das Amts­gerichtsgefängnis übergeführt worden.69 Ich ging am frühen Morgen zum Amtsgericht, das willig die Pforten seines Gefäng­nisses öffnete, und fand Krupp, unrasiert und ungewaschen, in seiner Zelle, in der er mit einem seiner gleichfalls verhafteten Direktoren auf einer Matratze, die man ihm mitzunehmen gestattete, die Nacht verbracht hatte. Der große deutsche Waffen­schmied schien der eigentümlichen Situation, in der ich ihn fand, mit ziemlicher Gelassenheit gegenüberzustehen. Ich konnte ihm nur versprechen, seiner Frau meinen Besuch und die Umstände, unter denen ich ihren Gatten getroffen hatte, mitzuteilen und sie nach Möglichkeit zu beruhigen. Für eine der folgenden Nächte hatte mir der alte August Thyssen70, einer von Krupps Gegenspielern, auf seinem Schlosse Landsberg71 Quartier angeboten. Ich fand einen bescheidenen Greis in einem weiten, leeren Hause. Eine ebenfalls greise Haushälterin bediente bei unserem einfachen Mahl, das der Alte durch Schilderungen seines Werdeganges lebendig zu machen verstand. Er sprach mit großer Bitterkeit. Der Zornesausbruch des alten Herrn war sehr eindrucksvoll und ist mir unvergeßlich geblieben. So einfach es im Thyssenschen Hause auch zuging, so leistete sich dieser reiche Mann dennoch einen Luxus: er war ein großer Verehrer der Kunst von Rodin72. Nicht weniger als sechs oder gar acht Marmorgruppen des französischen Meisters waren in einem langen Wintergarten in der ganzen Breite des Schloßgiebels, umrahmt von Blattgewächsen und blühenden Blumen, aufgestellt. Es waren nicht die krafterfüllten Figuren der Bürger von Calais oder ähnliche Gegenstände, sondern Visionen zarter Frauenleiber und göttlicher Genien, an denen der alte, einsame Mann sich in Stunden der Ruhe nach [277: Gefangene hinter Gittern] schwerer Arbeit zu erholen und über die harten Forderungen des Tages zu erheben suchte.

Der Weg durch die besetzten Gebiete führte mich dann kreuz und quer zu allen Orten, in denen politische Gefangene schmach­teten. Ich besuchte auch die ganze Pfalz, war in Bonn, in Verden. Am schwersten wurde mir der Kontakt mit den Gefangenen in Bonn gemacht, wo ich mit ihnen lediglich während ihres kurzen Spazierganges durch die Eisentraillen des umgebenden Gitter­werkes sprechen konnte. Da hörte ich von dem Bonner Ober­bürgermeister und einigen Nachbarlandräten von Bonn von ihrer völligen Rechtlosigkeit, die nur bei strikter Passivität erträglich werde. Man brachte mir auch Zeugen für diese Rechtlosigkeit. Männer mit wundgeschlagenen Gliedern, die Rücken von Striemen bedeckt. Schlageters Ermordung war in aller Munde.73 Wo ich zu persönlicher Besichtigung und Befragung der Ge­fangenen zugelassen wurde, nahm ich alle mir vorgetragenen Wünsche mit der Zusicherung der Weiterleitung entgegen. Diese Weiterleitung bezog sich zum Teil auf den päpstlichen Nunzius Testa, der im Auftrag des Vatikans eine Informations­reise durch Deutschlands besetzten Westen angetreten hatte und in ständiger Verbindung mit Genf stand. In gewissem Umfange konnte auch meine Deutsche-Rote-Kreuz-Zentrale helfend ein­greifen, zumal mir Verbindungen zur Französischen Botschaft zur Verfügung standen, die nicht unbeachtlich schienen. Der französische Botschafter Mr. de Margerie74 war mir aus gesellschaft­lichen Anlässen im Hause des Reichspräsidenten von Hinden­burg bekannt, noch mehr jedoch sein Sohn75, der der Botschaft attachiert und mit einer großen Verehrerin von Rilke76, dessen fran­zösische Gedichte sie auswendig wußte, verheiratet war. Dies waren immerhin Möglichkeiten, um in besonderen Fällen, gestützt durch das international anerkannte Symbol des Roten Kreuzes, mildernd und nützend zu wirken. Einstweilen war ich jedoch noch mitten im Sammeln der Eindrücke, deren Ergebnis weitere Maßnahmen bestimmen sollte. Abgesehen von Bonn [279: In der Pfalz] war auch Landau ein völliger Ausfall für mich, es hieß mal wieder: „pas moyen“, als ich ohne persönlichen Passepartout Einlaß begehrte, und so mußte ich meinem Düsseldorfer Vertreter überlassen, die nötigen Feststellungen zu machen. Da ging es mir schon in Germersheim besser. Auf den überwachenden Offizier, einen noch jüngeren Mann, machte das Rote Kreuz, das mich schmückte, einen solchen Eindruck, daß er alle Gefangenen antreten ließ, mich von Zelle zu Zelle in dem weitläufigen Ge­fängnisbau führte, mich das Essen kosten ließ, kurz mich ganz wie einen inspizierenden Vorgesetzten behandelte, eine Rolle, in der ich mich um so wohler fühlte, als sie mir geläufiger war als die eines demütigen Bittstellers.

In der Pfalz endete meine Besichtigungsreise. Umständlich wie der Eintritt in das besetzte Gebiet mit seinen Identitäts­nachweisen und Paßfeststellungen war auch der letzte ab­schließende Akt beim Verlassen der unter feindlicher Gewalt­herrschaft befindlichen Zone. Bei Speyer, der alten deutschen Kaiserstadt, setzte ich über den Rhein. Farbige französische Söldlinge durchwühlten meine Koffer. Dann war ich wieder frei, soweit man damals in Deutschland frei sein konnte. In Berlin erstattete ich Bericht, der, soweit tunlich, nach Genf und an Monsignore Testa weitergegeben wurde. Ebenso wurden dem Auswärtigen Amt meine Reiseeindrücke mitgeteilt. Auf einem offiziellen Essen bei dem Reichspräsidenten von Hindenburg traf ich den französischen Botschafter. Er zeigte sich steif und unzugänglich, es hätte auch wohl wenig genützt, dem aus­ gesprochen feindlichen Manne besondere Konfidenzen zu machen. Also schwieg ich. Mit dem Sohne Margerie und der liebenswürdigen Schwiegertochter war ich bald darauf bei dem Leiter der Auslandsabteilung des Roten Kreuzes, Oberstleutnant Draudt, zusammen. Beide freuten sich anscheinend, mich wieder­ zusehen, und Madame de Margerie zog mich bald in eine Ecke, um mir den neuesten französischen Rilke begeistert zu rezitieren. Das war durchaus reizvoll, hatte jedoch mit dem [280: Im Palais Schwerin] Ernst unserer Situation, die mir auf der Seele lastete, leider nichts zu tun.

[Hindenburg und Hitler]

[...]

Ich hatte das Glück, verhältnismäßig häufig mit Hindenburg, der auch Ehrenpräsident des Roten Kreuzes war, in persönliche Berührung zu kommen. [...]

[...]

Bei den repräsentativen Anlässen, die persönliche Teilnahme des Staatsoberhauptes erforderten, war Hindenburg ganz mensch­gewordene geschichtliche Größe. Schon sein Äußeres brachte dies mit sich, dieser ungebeugte, gewaltige Körper mit dem mächtigen Haupte, diese dunkle Stimme, in der doch stets etwas Väterliches durchklang, diese gemessenen und stets natürlichen Bewegungen.

Ich empfing ihn einmal am Heldengedenktage im Staatlichen Opernhause bei der Feier des Volksbundes der Kriegsgräber­fürsorge77, dessen Vorsitzender ich einige Jahre war. Da erlebte ich einen historischen Moment. Adolf Hitler78 war gerade von Hindenburg an die Spitze der Regierung berufen worden.79 Infolge­ dessen fand auch er sich am Eingang des Opernhauses zum Emp­fang des Reichspräsidenten ein. Wir waren also drei: Adolf Hitler, ich und der Staatssekretär Meißner80, der bei allen Anlässen zere-[282: Adolf Hitler]monieller Art, auch bei Hindenburg amtierte. Der spätere Polizei­präsident Graf Helldorf81, damals noch Führer der Berliner SA., meldete sich bei Hitler, der mich durch Handschlag begrüßt, aber da sich alles auf Minuten zusammendrängte, nicht erfahren hatte, daß ich der Repräsentant der beginnenden Feier sei. Schon nahte der Wagen des Reichspräsidenten, der uns begrüßte und nach we­nigen Worten mit uns das Opernhaus betrat. Inzwischen hatte Hitler wohl gehört, daß ich der Präsident des Volksbundes und somit eine maßgebliche Person der Veranstaltung sei. Er kam jedenfalls, während wir Vorwärtsschritten, noch ein­mal an mich heran, drückte mir noch einmal die Hand und sah mir dabei tief ins Gesicht mit einem Ausdrucke der Augen, den ich nie vergessen werde. Nachher fand vor der ehemaligen Haupt­wache, dem jetzigen Ehrenmal für die Opfer des Weltkrieges, ein Vorbeimarsch der im Lustgarten aufmarschierten Truppen­abteilungen statt.

[...]

Neue Reisen: Südfrankreich/Westafrika

[...]

[Reisen durch Deutschland für das Rote Kreuz]

[288: Italienisch [sic!] Kunststätten] [...] Daß die Schönheit der deutschen Heimat in Nord und Süd neben allen jenseits der Alpen gewonnenen Eindrücken meinem Herzen stets das Höchste blieb, daß die deutsche Landschaft, die deutschen Dome, die deutschen Städtebilder meine Sinne als mir geistig und seelisch zugehörig immer wieder packten, brauche ich nicht besonders zu betonen. Mein Beruf als kommunales Haupt von Preußens Herzprovinz, als Spitze des Deutschen Roten Kreuzes und der Fürsorge für Deutschlands Kriegsopfer, [289: Straßburg und Kolmar] führte mich wieder und wieder durch alle deutschen Gaue, und Erholung auf solchen Dienstfahrten bot mir jedesmal die Ver­senkung in heimatliche Art, wie sie die erhabenen Werke der kirchlichen und weltlichen Kunst so gewaltig vor Augen führen. Alljährlich wechselnd lud eine jede der preußischen Provinzen zur Besichtigung ein. Diese Besichtigungen, die mehrere Tage dauerten, beschränkten sich nicht auf die gemeinnützigen Ein­richtungen. Neben dem wirtschaftlichen und dem kommunalen Bilde wurde durch Vorträge und Vorführungen die gesamte historische und geistige Entwicklung der Landschaft vor den aus der Ferne kommenden Landeshauptleuten ausgebreitet.

Auch als Präsident des Deutschen Roten Kreuzes mußte ich nicht selten an provinziellen und großdeutschen Veranstaltungen der Männer- und Frauenvereine teilnehmen. So erinnere ich mich bedeutsamer Vorführungen im Rheinland, in Schlesien, in Pommern und Ostpreußen. Auch nach meiner Abgabe des Rot-Kreuz-Präsidiums an den Herzog Karl Eduard von Koburg im Jahre 193382 blieb ich an der Spitze des Verwaltungsrates des deutschen Kriegerkurhauses in Davos. [...] [290: Flug nach London] [...]

Eine Reihe von Jahren besuchte ich das dem Kaiser Wilhelm gehörige, unter den Schutz des Deutschen Roten Kreuzes ge­stellte Offizierserholungsheim in Falkenstein im Taunus83, jetzt der deutschen Heeresverwaltung übereignet. Die geographische Lage dieser gemeinnützigen Anstalt ermöglichte unter Führung ihres Leiters, des Dr. Papenhausen84, letzten Generalarztes des Garde-Korps, den Besuch zahlreicher Dome der Nachbarschaft, wie Frankfurt am Main und Limburg. [...]

[...]

Ausklang

[Ende der Amtszeit und Ehrung durch Hindenburg]

[346] Im Jahre 1930 erreichte ich die für Beamte jeder Art gültige Altersgrenze von 65 Jahren und legte infolgedessen das Amt des Landesdirektors der Provinz Brandenburg, das ich rund zwanzig Jahre verwaltet hatte, nieder. Ebenso schied ich vier Jahre später, nach der Machtergreifung des Nationalsozialismus, aus dem Amte des Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes.85

Beide Amtsniederlegungen erfolgten in hohen Ehren. Die Provinz ließ mein Bild für den Provinzial-Ausschuß-Saal malen. Reichspräsident von Hindenburg ernannte mich zum Ehren­präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes, eine Titelbezeich­nung, die er selbst bis dahin geführt hatte und nunmehr mit der neuen eines „Schirmherrn“ vertauschte.86

Der Reichspräsident schrieb mir damals folgendes:

Sehr verehrter Herr von Winterfeldt!

Wie mir der Herr Reichsminister des Innern berichtet, haben Sie gebeten, bei der bevorstehenden Berufung des neuen Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes von Ihrer Person abzusehen, weil Sie mit Rücksicht auf Ihr Alter und auf die besonderen Auf­gaben des Deutschen Roten Kreuzes im neuen Deutschland dieses Amt für eine jüngere Kraft zur Verfügung stellen wollen. Ihr Rücktritt von dem Amt des Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes gibt mir Anlaß, Ihnen im Namen des Reiches sowie eigenen Namens herzlichen Dank und vollste Aner­kennung auszusprechen für alles, was Sie in langjähriger Arbeit für das Deutsche Rote Kreuz und damit für unser Vaterland geleistet haben. Sie haben in einer Zeit das Deutsche Rote Kreuz geführt, die reich an Arbeit und Schwierigkeiten, reich aber auch an Erfolgen war. Unter Ihrer umsichtigen Leitung [347: Ehrenpräsident] hat das Deutsche Rote Kreuz nach Kräften dazu beigetragen, die Not der Nachkriegszeit in unserem Vaterlande zu lindern, und hat es dabei seine vornehmste Aufgabe darin gesehen, den Gedanken selbstloser Nächstenliebe gegen den Ansturm zahlreicher Sonderinteressen und Wünsche zu verteidigen. Ich bitte Sie, Ihre wertvollen Dienste auch weiterhin für die großen Aufgaben des D. R. K. zur Verfügung zu stellen, und gebe diesem Wunsche dadurch weit erkennbar Ausdruck, daß ich Sie hiermit zum Ehrenpräsidenten des Deutschen Roten Kreuzes ernenne.

[...]

[Geburtstagstelegramm von Hitler]

[...] [349: Ein Fackelzug] [...]

[...]

Wie herzlich die heimatliche Bevölkerung zu mir stand, das zeigte sich deutlich, als ich siebzig Jahre alt wurde.87 Da wurde mir ein Fackelzug gebracht, wie ihn Menkin noch nicht erlebt hatte. Wohl einhundertfünfzig Fackeln bewegten sich aus der Tiefe des Gartens zum Herrenhause hinauf, niemand hatte sich ausgeschlos­sen, alle waren dabei, und der Jubel war groß, als ich ein an mich gerichtetes Telegramm des Führers verlesen konnte. Darin [350: Unser Nachbar Mackensen] sprach Adolf Hitler mir zur Vollendung des 70. Lebensjahres „in dankbarer Anerkennung der großen Verdienste, die Sie sich in langjährigem Wirken als Präsident und Ehrenpräsident des Deutschen Roten Kreuzes um das deutsche Volk erworben haben“, seine herzlichsten Glückwünsche aus. Er verband damit den Wunsch, es möchten mir noch lange Jahre fruchtbarer Arbeit beschieden sein.

[...]

Erläuterungen

  1. Joachim von Winterfeldt-Menkin, Jahreszeiten des Lebens. Das Buch meiner Erinnerungen, Berlin 1942.
  2. Winterfeldt-Menkin war von 1897 bis 1903 der Landrat des Landkreises Prenzlau (1817–1952). Vermutlich in dieser Funktion übernahm er 1902 den Vorsitz des Männerzweigvereins des Roten Kreuzes in Prenzlau, was er in den Jahreszeiten des Lebens jedoch nicht erwähnt. Ebenso verliert er kein Wort darüber, dass er von 1904 bis 1912 der stellvertretende Vorsitzende des Provinzialvereins Brandenburg im Preußischen Landesverein vom Roten Kreuz (1890–1937) war. Das kann daran liegen, dass er vielleicht die Ämter nur pro forma innehatte, dass er dort keinen für ihn bemerkenswerten Persönlichkeiten begegnete, oder dass er die stark föderale Struktur des Roten Kreuzes vor der ersten Gründung des Deut­schen Roten Kreu­zes in 1921 verachtete.
  3. Evtl. Sophie von Ar­nim-Züse­dom (1851–1933), geborene Gräfin Sophie von Schwerin und Ehefrau von Karl von Arnim-Züsedom (1846–1913).
  4. Von 1911 bis 1930 war Winderfeldt-Menkin der Landesdirektor der preußischen Provinz Brandenburg (1815–1947). Das Landeshaus befand sich in der Matthäikirchstraße 10.
  5. Carl August Friedrich Gerhardt (1832–1914).
  6. Als Winterfeldt-Menkin 1916 Mitglied des Zentralkomitees der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz, 1919 dessen Präsident und 1921 nach ersten Gründung des Deut­schen Roten Kreu­zes dann nun dessen Präsident wurde, war jedoch Gerhardt bereits verstorben.
  7. Der Kapp-Lüttwitz-Putsch fand 1920 statt. Eine Regierung wurde tatsächlich nie gebildet. Presseberichten zufolge,, die Winterfeldt-Menkin kritisiert, war er im Schattenkabinett als Minister für auswärtige Angelegenheiten vorgesehen gewesen, was er von sich weist (Seiten 253–257, hier nicht wiedergegeben).
  8. Zentralkomitee der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz (1879–1921). Winterfeldt-Menkin gehörte ab 1916 dem Präsidium an und wurde 1919 dessen Präsident.
  9. Der Reichsausschuss für Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge (auch Ausschuß des Reichstags für Kriegsbeschädigtenfragen) gegründet worden, um die Versorgung der zahlreichen Opfer des Ersten Welt­kriegs (1914–1918) zu versorgen: Der Reichsausschuß der Kriegsbeschädigten- und Kriegerhinterbliebenenfürsorge wurde 1917 als freiwilliger Zusammenschluß der öffentlichen HauptfürsorgesteIlen und der caritativen, über das ganze Reich sich erstreckenden Organisationen und der Kriegsstiftungen geschaffen [...]. — Gemeinsames Ministerialblatt, 1. Jahrgang, 1950, Nr. 18, Seite 138.
  10. Am 25. Januar 1921 wurde der Deutsches Rotes Kreuz e.V. als Dachverband in Bamberg gegründet. Das war die erste deutschlandweite Organisation mit der Bezeichnung Deutsches Rotes Kreuz.
  11. Siehe Artikel Präsident.
  12. Friedrich von Brettreich (1858–1938).
  13. 13,0 13,1 13,2 Selma Gräfin von der Gröben (1856–1938).
  14. Nach dem Ende des Ersten Welt­kriegs (1914–1918) gab es in der dann folgenden Weimarer Republik (1918–1933) eine starke Friedensbewegung, getragen durch Vertreter des Linksliberalismus, ehemalige Soldaten und in Kunst- und Kulturschaffende.
  15. Aus dem Friedensbund der Kriegsteilnehmer heraus entstand 1920 der Aktionsausschuss Nie wieder Krieg, der in den Folgejahren große Demonstrationen mit bis 1926 steigenden Teilnehmerzahlen am damaligen Antikriegstag, dem 1. August (Beginn des Ersten Weltkriegs) organisierte.
  16. Siehe Artikel Amtlicher Sanitätsdienst.
  17. Ulrich von Brockdorff-Rantzau (1869–1928).
  18. Ulrich von Brockdorff-Rantzau leitete 1919 die deutsche Delegation bei den Verhandlungen über den Friedensvertrag von Versailles.
  19. Die Deutsche Wohlfahrtsstelle war eine 1919 von Ulrich von Brockdorff-Rantzau (1869–1928) eingerichtete Arbeitsgemeinschaft von 18 Organisation, die die Verteilung ausländischer Hilfslieferungen in Form von Liebesgaben für die deutsche Bevölkerung übernahm.
  20. Das DRK schuf den mit der Wohlfahrtsstelle konkurrierenden Deutschen Zentralausschuss für die Auslandshilfe (DZA), der später verstaatlicht wurde, und die dann drei Organisationen existierten wohl einige Zeit parallel.
  21. Auswärtiges Amt.
  22. Siehe Artikel Nationale Gesellschaft.
  23. Siehe Artikel Internationales Komitee vom Roten Kreuz.
  24. Tatsächlich ist es ein Irrtum, dass Henry Dunant (18281910) der Gründer des Roten Kreuzes gewesen sei.
  25. Siehe Artikel Schlacht von Solferino (1859).
  26. Siehe Artikel Inter arma caritas.
  27. Siehe Artikel Rotes Kreuz.
  28. Siehe Artikel Schutzzeichen.
  29. Die Liga der Rotkreuz-Gesellschaften war 1919 gegründet worden und heißt heute Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften.
  30. Paul Draudt (1877–1944) war von 1921 bis 1924 Generalsekretär des DRK, anschließend dessen Vizepräsident und leitete bis 1937 das „Amt Auslandsdienst“. Er wirkte bei der Gründung der Liga der Rotkreuz-Gesellschaften mit.
  31. Paul Draudt gehörte von 1924 bis 1937 dem Gouverneursrat der Liga an.
  32. Die XI. Internationale Konferenz des Roten Kreuz fand tatsächlich vom 28. August bis 1. September 1923 in Genf statt. Die für 1919 geplante Konferenz war kriegsbedingt ausgefallen. Da Winterfeldt von Oktober spricht, könnte er auch eine der folgenden Konferenzen gemeint haben, die im Oktober stattfanden.
  33. Gustave Ador (1845–1928).
  34. Pauline von Roeder (1845–1914) war in erster Ehe mit Rudolf von Winterfeldt (1829–1894) verheiratet.
  35. Heinrich von Roeder (General, 1804) (1804–1884) war ab 1864 im diplomati­schen Dienst tätig. Von 1867 an war er als preußischer Gesandter in der Schweiz tätig, ab 1868 für den Norddeutschen Bund und schließlich von 1871 bis 1882 für das Deutsche Reich.
  36. Jean-Elie David (1855-1938).
  37. Dt. ein alter Freund.
  38. Gemeint ist das Landeshaus der Provinz Brandenburg zu Berlin, Matthäikirchstraße 10, der Verwaltungssitz der Provinz. Die Straße heißt heute Herbert-von-Karajan-Straße.
  39. Unter Federführung des Deutschen Roten Kreuzes wurde seitens der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege reichsweit eine schon aus dem Anfang der 20er Jahre unter diesem Namen bekannte Hilfsaktion „Brüder in Not“ ins Leben gerufen. — Volkmar Schön, Notizen zur Hamburger Rotkreuzgeschichte, 20. Ausgabe, November 2018, Seite 3.
  40. Clara Zetkin (1857–1933).
  41. Hermann Müller (1876–1931) war von März bis Juni 1920 kurzzeitig Reichskanzler des Deutschen Reiches in der Zeit der Weimarer Republik (1918–1933).
  42. Müller war von 1919 bis 1920 der Reichsminister des Auswärtigen in der von Reichskanzler Gustav Bauer geführten Reichsregierung. In dieser Funktion unterzeichnete er zusammen mit dem Zentrumsabgeordneten Johannes Bell den Versailler Vertrag, wofür er von der nationalistischen Rechten als Landesverräter diffamiert wurde.
  43. Georg von Metzsch-Reichenbach (1864–1931) war Vorsitzender des Landesvereins vom Roten Kreuz in Sachsen.
  44. Paul Löbe (1875–1967).
  45. Georgi Wassiljewitsch Tschitscherin (1872–1936).
  46. Winterfeldt-Menkin erinnert sich sich an den Jahrestag der Oktoberrevolution 1917. Siehe dazu auch: Tag der Einheit des Volkes.
  47. Sergei Nikolajewitsch Swerbejew (1857–1922).
  48. Kyrill Wladimirowitsch Romanow (1876–1938).
  49. Elsa Brändström (1888–1948).
  50. Otto Grautoff (1876–1937).
  51. Otto Grautoff, von der Marwitz, Bernhard: Eine Jugend in Dichtung und Briefen an G. von Seckendorff, J. von Winterfeldt und andere, Dresden 1924.
  52. Die New Yorker Staats-Zeitung erscheint bis heute, seit 1834.
  53. Gerhart Hauptmann (1862–1946) war ein deutscher Dramatiker und Schriftsteller, der 1912 den Nobelpreis für Literatur erhalten hatte. Im Ausland galt er als der Repräsentant der deutschen Literatur schlechthin.
  54. Carl von Schubert (1882–1947).
  55. Siehe Pullman-Express.
  56. Gustav Frenssen (1863–1945) war ein deutscher Schriftsteller des völkischen Nationalismus, ab 1932 des Nationalsozialismus. Seine Werke gehörten zur Massenliteratur des Kaiserreichs und der NS-Zeit, die damals verbreitete kolonialistische, rassistische und antisemitische Vorstellungen vermittelte.
  57. Felix Grüneisen, Das Deutsche Rote Kreuz in Vergangenheit und Gegenwart, Leipzig 1939.
  58. Felix Grüneisen (?–?) hatte im späteren Deut­schen Roten Kreuz (1937–1945/46) den höchsten Rang, den eines Generalhauptführers.
  59. Wolfram Freiherr von Rotenhan (1887–1950) war ab 1914 hauptamtlich in leitenden Funktionen im Zentralkomitee der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz (1879–1921) und anschließend im 1921 gegründeten Deut­schen Roten Kreuz tätig. Von 1924 bis 1937 amtierte er als dessen Generalsekretär.
  60. Otto Werner (1847–1923), nach dem die Werner-Schule benannt war.
  61. Lothar Hugo von Spitzemberg (1868–1930).
  62. Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (1858–1921).
  63. Winterfeldt-Menkin war von 1911 bis 1930 der Landesdirektor der preußischen Provinz Brandenburg (1815–1947).
  64. Die bis dahin unbesetzten unbesetzten Teile des Ruhrgebiets wurden von 1923 bis 1925 durch Truppen Frankreichs und Belgiens besetzt. → Ruhrbesetzung.
  65. Jean-Marie Degoutte (1866–1938) wurde 1919 zum Oberbefehlshaber der französischen Rheinarmee ernannt und führte den Befehl während der Ruhrbesetzung. Er residierte im dazu in Mainz und wurde 1924 auf eigenen Wunsch hin abberufen.
  66. Gaston Renondeau (1879–1967) war von 1932 bis 1938 als französischer Militärattaché in Berlin tätig.
  67. Detlof von Winterfeldt (1867–1940) war von 1909 bis 1914 im Rang eines Majors und später Oberstleutnants als Militärattaché an der deutschen Botschaft in Paris tätig. Zum Generalmajor wurde er zum Ende des Ersten Welt­kriegs (1914–1918) hin befördert. Winterfeldt-Menkin war sein Cousin.
  68. Frz. pas moyen! ist dt. nichts zu machen!.
  69. Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (1870–1950) wurde anlässlich des Essener Blutsamstags am 1. Mai 1923 verhaftet und von einem französischen Militärgericht am 8. Mai 2023 zu 15 Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 100 Millionen Mark verurteilt. Er verbrachte nur sieben Monate in einem Düsseldorfer Gefängnis, wo er verglichen mit anderen Kriminellen deutliche Erleichterungen genoss. Die Verwandtschaft zu Winderfeldt-Menkin kommt durch Hans (Karl) von Winterfeldt (1862–1931), der mit Lilly von Bohlen-Halbach, einer Schwester von Gustav Krupp von Bohlen-Halbach verheiratet war.
  70. August Thyssen (1842–1926).
  71. August Thyssen hatte 1903 das Schloss Landsberg, das in Ratingen an der Stadtgrenze zu Essen steht, erworben und zu seinem repräsentativen Wohnsitz umgestalten lassen.
  72. Auguste Rodin (1840–1917) war ein französischer Bildhauer.
  73. Der Nationalsozialist Albert Leo Schlageter (1894–1923) war während der französisch-belgischen Ruhrbesetzung ein militanter Aktivist und wurde am 26. Mai 1923 wegen Spionage und mehrerer Sprengstoffanschläge von einem französischen Militärgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet.
  74. Pierre de Margerie (1861–1942). war von 1922 bis 1931 der französische Botschafter in Deutschland.
  75. Roland de Margerie (1899–1990).
  76. Rainer Maria Rilke (1875–1926).
  77. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wurde 1919 gegründet.
  78. Adolf Hitler (1889–1945) wurde später zum Schirmherrn des Deut­schen Roten Kreu­zes in der Zeit des National­sozia­lis­mus (1933–1945).
  79. Hindenburg ernannte Adolf Hitler (1889–1945) am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler. Dieses Ereignos wird auch als Machtergreifung bezeichnet.
  80. Otto Meissner (1880–1953).
  81. Wolf-Heinrich von Helldorff (1896–1944).
  82. Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha (1884–1954) war von 1933 bis 1945, also in der Zeit des National­sozia­lis­mus (1933–1945), der Präsident des Deut­schen Roten Kreu­zes.
  83. Heute ist das Objekt das Luxushotel Falkenstein Grand.
  84. Karl Papenhausen (1864–1946).
  85. Im Jahr 1933 übernahm Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha (1884–1954) das Amt.
  86. Siehe Artikel Ehrenpräsident und Schirmherr.
  87. Am 15. Mai 1935 wurde Winterfeld-Menkin 70 Jahre alt.