Joachim von Winterfeldt-Menkin: Jahreszeiten des Lebens
Vorwort
Joachim von Winterfeldt-Menkin (1865–1945) war von 1921 bis 1933 der erste Präsident des 1921 gegründeten Deutschen Roten Kreuzes, das bis 1937 bestand. In 1942 wurde seinen Memoiren „Jahreszeiten des Lebens“ mit dem Untertitel „Das Buch meiner Erinnerungen“ im Propyläen Verlag in Berlin veröffentlicht, die er offenbar im Verlauf des Jahres 1940 abgeschlossen hatte. In dem Werk geht er auf sein Engagement für das dann 1921 gegründete DRK ein, erwähnt jedoch auffälligerweise nicht seine verschiedenen ab 1902 wahrgenommenen Funktionen im Roten Kreuz. Für die Aufarbeitung seines Wirkens in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) sind auch seine punktuell von ihm dargestellten Bezüge zu Adolf Hitler (1889–1945), die hier wiedergegeben sind, und seine an die Dolchstoßlegende erinnernden Erklärungen zum Ausgang des Ersten Weltkriegs (1914–1918), die hier mangels Bezug zum Roten Kreuz nicht wiedergegeben sind (Seiten 215–216 und 246–248), von Interesse.
Da die Regelschutzfrist verstrichen ist, können hier Ausschnitte aus dem Werk, die das damalige DRK betreffen, vollumfänglich wiedergegeben werden. Die Rechtschreibung wurden nicht modernisiert und Schreibfehler nicht korrigiert. Die Namen der Abschnitte wurden beibehalten und zur besseren Lesbarbeit auf digitalen Endgeräten durch Zwischenüberschriften ergänzt. Die originale Paginierung mit den Seitentiteln ist im Textverlauf eingefügt. Erläuterungen und Verweise finden sich in Fußnoten, um den Lesefluss des Originals nicht zu stören.
[…]
Der Kreis Prenzlau1
[…]
[Zusammenarbeit mit dem Vaterländischen Frauenverein]
[…]
Berlin, Matthäikirchstraße3
[…]
[Gerhardt als vermeintlicher Ermöglicher des Engagements]
Das Rote Kreuz
[Gründung des DRK e.V.]
Bisher arbeiteten in den deutschen Ländern die Rot-Kreuz-Organisationen, Männer- wie Frauenvereine, selbständig für sich, lose zusammengefaßt in einem Zentralkomitee, das in Berlin seinen Sitz hatte. Arbeitsplan und Arbeitsumfang waren bei den einzelnen Vereinen verschieden. Die Frauenvereine insbesondere verhielten sich gegen die Oberleitung durch das Zentralkomitee kühl ablehnend. Die Spannung ging so weit, daß, wie erzählt
In Bamberg wurde das Deutsche Rote Kreuz geschaffen.9 Es umfaßte alle deutschen Rot-Kreuz-Vereine und unterstand einem Präsidenten. Der erste Präsident wurde ich.10 Mein Vertreter wurde der frühere bayerische Minister von Brettreich.11 Es war nur natürlich, daß hin und wieder Stimmen laut wurden, die manches als lästigen Zwang empfanden, was im Interesse der Einheitlichkeit durchgeführt werden mußte. Namentlich die temperamentvolle, überaus energische und kluge Leiterin der Preußischen Frauenvereine, Gräfin Groeben12, konnte sich nicht immer mit allem abfinden, was eine — übrigens meist kaum fühlbare — Unterordnung bedeutete. Aber das waren doch nur belanglose Stürme im Wasserglase, die den mächtigen Impuls,
[Deutsche Wohlfahrtsstelle]
Eine Gegenorganisation, die Deutsche Wohlfahrtsstelle, machte dem Roten Kreuz eine höchst lästige Konkurrenz. An ihrer Spitze stand der Graf Brockdorff-Rantzau16, der sich durch sein furchtloses Auftreten in Versailles einen Namen gemacht hatte17. Diese Deutsche Wohlfahrtsstelle18, die in der Nähe des Schlosses ein Büro von etwa achtzig Köpfen unterhielt, mußte vor allem beseitigt werden. Ich ging also zum Grafen Brockdorff-Rantzau, den ich aus meiner Potsdamer Zeit oberflächlich kannte, und setzte ihm, ohne lange Vorrede, die Pistole auf die Brust: entweder Fusion der Wohlfahrtsstelle mit dem Deutschen Roten Kreuz oder Kampf bis aufs Messer. In Erläuterung der zweiten Alternative konnte ich auf die feste Verwurzelung und Popularität des Roten Kreuzes in ganz Deutschland im Laufe eines halben Jahrhunderts hinweisen und auf ihre unter zentraler Leitung stehende neugefestigte Organisation. Beides fehlte der Wohlfahrtsstelle, für deren jüdische Provenienz der Graf nur Aushängeschild war. Brockdorff-Rantzau überlegte eine Weile und erklärte sich dann in sehr konzilianter Form bereit, die Wohlfahrtsstelle mit dem Deutschen Roten Kreuz unter der Bedingung
[Auswärtiges Amt, Internationales Komitee]
Die Aufgaben, die sich die Wohlfahrtsstelle gestellt hatte, wurden im Roten Kreuz selbst gelöst. Für die Angestellten der Wohlfahrtsstelle hatten wir also keine Arbeit mehr, auch behagte ihnen die Rote-Kreuz-Atmosphäre wohl wenig. Aber damit war nur ein Hauptgegner beseitigt. Tatsächlich war das ganze offizielle Deutschland jener schlimmen Jahre nach dem Weltkriege gegen uns. Einzig und allein im Auswärtigen Amt20 hatten wir einen zuverlässigen Freund. In den zahlreichen Sitzungen, die sich mit den Kriegs- und Nachkriegsfolgen beschäftigten, konnten wir uns jederzeit auf diesen Freund verlassen, dem wir seine Bundesgenossenschaft übrigens nach Kräften zu vergelten suchten. In allen Ländern der Welt, die Anspruch auf Kultur erheben konnten, existierten Rot-Kreuz-Gesellschaften21. In dem internationalen Komitee22 in Genf hatten sie ihr Zentrum. Hier war der Geist des Begründers aller Rot-Kreuz-Arbeit, des Schweizers Henri Dunant23, lebendig, der, von dem Elend und den Schrecken des Schlachtfeldes von Solferino erschüttert24, die Parole gefunden hatte: inter arma caritas!25 Die unglücklichen Opfer des Krieges, die Verwundeten und Verstümmelten, sollten den unmenschlichen Gesetzen des Krieges entzogen und, ob Freund oder Feind, in barmherziger Fürsorge Schutz und Heilung finden. Das Zeichen des Roten Kreuzes26 sollte allen kriegführenden Mächten ein heiliges Symbol sein, vor dem sich die Waffen zu senken hatten.27. Diese völkerversöhnende Rolle des Roten Kreuzes schuf zugleich Verbindungen von Land zu Land, die sich nicht selten stärker erwiesen als die offiziellen diplomatischen Vertretungen. Man trat sich von Mensch zu Mensch gegen über, gerade die inoffizielle Beziehung erleichterte den Verkehr, und so konnte auch das Auswärtige Amt manches durch uns
[Liga der Rotkreuz-Gesellschaften]
Um die Arbeit des Roten Kreuzes von dem „Makel“ zu entgiften, den gewisse Kreise in den Kriegsaufgaben seiner Gründung erblickten, war unter amerikanischer Führung in Paris eine Liga der Roten Kreuze ins Leben gerufen worden28, die sich die Pflege der charitativen Aufgaben zum Ziel setzte. Während das internationale Komitee in Genf satzungsgemäß lediglich aus Genfer Bürgern bestehen sollte, hatten in der Pariser Liga die Vertreter der angeschlossenen Rot-Kreuz-Vereine Sitz und Stimme. Auch das Deutsche Rote Kreuz, vertreten durch den Oberstleutnant Draudt29, den mir Brockdorff-Rantzau bei Auflösung der Deutschen Wohlfahrtsstelle als einen seiner Versailler Mitarbeiter ans Herz gelegt hatte, genoß diesen Vorzug und spielte sehr bald in der „Liga“ eine nicht unbedeutende Rolle30. Ich konnte mich, nicht nur auf Grund der mir erstatteten Draudtschen Vorträge, auch aus eigenen Unterhaltungen mit Vertretern des Auswärtigen Amtes davon überzeugen, wie wertvoll diese losen und unverbindlichen Beziehungen unserer Diplomatie geworden waren. Mit Draudt nahm ich im Oktober 1919 an der XI. Internationalen Konferenz des Roten Kreuzes in Genf teil.31 Vorsitzender des Internationalen Komitees war damals Gustave Ador32, während des Weltkrieges Bundespräsident der Schweiz, ein ausgesprochener Deutschenfeind. Es bedurfte auch einiger Korrespondenzen hin und her, bevor Genf es für tragbar erklärte, den deutschen Rot-Kreuz-Präsidenten in der Mitte der Konferenzmitglieder zu begrüßen. Es war wohl Draudts Geschicklichkeit und seiner Personalkenntnis zu danken, daß alle Hindernisse aus dem Wege geräumt wurden und meine Anwesenheit bei der in Aussicht genommenen Sitzung und dem Abend-Empfang bei Mr. Ador mit allen Ehren erfolgen konnte.
[Internationale Konferenz]
[Enttäuschung in Beaumont]
Den Aufenthalt in Genf benutzte ich zu einem Abstecher nach Lausanne, um diesen Ort meines ersten studentischen Semesters und vor allem Beaumont, das schöne und erinnerungsreiche Beaumont, wiederzusehen. Ich hatte durch ein Ferngespräch festgestellt, daß die ältere Blumersche Tochter, Madame Madeleine, jetzt Beaumont besitze. Während unserer Zugehörigkeit zur Pension Blumer hatte Madeleine im Sommer 1885 einen Mr. Elie David35 aus dem benachbarten französischen Annemasse,
In Beaumont, das außerhalb der Stadt gelegen ist, sah es ganz anders aus als damals, da ich Abschied nahm. Das Haus war im Umbau, Baugerüste umgaben es. Von der Terrasse, wo wir so oft gesessen und das unvergleichliche Panorama der Savoyer Berge bewundert hatten, sahen wir an diesem Oktobertage nur ein trübes Grau. Die fernen Berge leuchteten nicht wie einst in dem purpurnen Farbenspiel der Sommerabende. Grau in Grau — schemenhaft, ragten sie jenseits des Sees empor. Mme. David empfing mich im Bett, eine weißhaarige alte Dame, nur die Stimme klang noch wie früher. Ich durfte nicht lange bleiben, dann nahm mich Monsieur wieder mit sich. Der Abmachung zum Trotz kam er auf das gefährliche Gebiet der Politik. Und nun erwachte der Redakteur der „Gazette de Lausanne“ in ihm. Er fing an, auf den Kaiser zu schimpfen, in schlimmsten Wendungen und Superlativen, hemmungslos. Ich machte, daß ich wieder fort kam. So endete das Wiedersehen in Lausanne und der Pension Blumer-Beaumont. Ich aber nahm die Lehre mit, nie wieder Stätten der Jugend wiedersehen zu wollen, an denen ich einst glücklich war. Es ist immer eine Enttäuschung, unter deren
[Aktion „Brüder in Not“]
Nach Berlin zurückgekehrt, fand ich eine Fülle von Arbeit, insbesondere organisatorischer Art vor. Die Umgestaltung des Deutschen Roten Kreuzes auf eine vorzugsweise soziale Betätigung war angesichts der schweren Notstände der Nachkriegszeit eine dringende Aufgabe. Fast täglich fanden im Landeshause37 oder im Rot-Kreuz-Büro Besprechungen statt. Wenn auch das neutrale Ausland, die Deutschamerikaner und die Quäker in mannigfacher Weise mit Lebensmitteln, Kleidung, auch mit Geld zu unterstützen suchten, so waren doch alle diese Bemühungen nur relativ wertvoll. Die eigentlichen Übelstände, die ungeheure Arbeitslosigkeit, der Verfall der Währung und die sich daraus ergebende Verarmung und Zuchtlosigkeit, wurden durch diese dankenswerten, menschenfreundlichen Bemühungen kaum berührt.
Es ging mit Deutschland immer mehr bergab. Trotzdem versuchte das Deutsche Rote Kreuz neben seiner unendlichen Arbeit am eigenen Herd auch noch den deutschen Landsleuten in der Ferne zu helfen. Da waren nicht nur die Flüchtlinge und Verdrängten aus Rußland, Polen, den französisch gewordenen Reichslanden Elsaß-Lothringen, aus Übersee, da verhungerten in jener entsetzlichen Zeit Millionen, darunter viele tausend deutsche Siedler an der Wolga und in den unendlichen Weiten Südrußlands. Diese Hungersnot muß nach den Schilderungen, die zu uns gelangten, das Furchtbarste gewesen sein, was menschliche Phantasie ersinnen kann. Als Begleitung dieses Elends gingen Flecktyphus, Pest und Cholera einher. Diese Seuchen bedrohten auch Deutschland. Infolgedessen beauftragte die Reichsregierung das Rote Kreuz, eine ärztliche Expedition in die Hunger- und Seuchengebiete zu veranstalten. Die nötigen Mittel hierfür mußte eine besondere Sammlung, die unter dem Namen „Brüder in Not“ bekannt ist, liefern.38
In Leningrad wurde ein Eisenbahnzug zusammengestellt, der Ärzte, Schwestern, Krankenpfleger aufnahm. Die Wagen dieses
So bewegte sich der Zug von Leningrad über Moskau nach Kasan, das die Sowjetregierung als vorläufigen Zielpunkt der Expedition bestimmt hatte. An jeder, auch der kleinsten Station der Strecke wurde haltgemacht und, soweit es anging, den Wünschen der zusammengeströmten Bevölkerung nach ärztlicher Hilfe entsprochen. Später gelang es, bis Saratow im Wolgagebiet vorzudringen und dort sowie in der Ukraine, z. B. in Odessa, Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes einzusetzen, die den deutschen Kolonisten wenigstens vorübergehende Hilfe bringen konnten. Später war das Rote Kreuz auch an der vor läufigen Übernahme tausender deutscher Bauern, die unter dem Drucke der sowjetischen Kollektivierungsmaßnahmen ihre Scholle verlassen mußten, beteiligt. Diese heimatlos gewordenen Deutschen wurden in mehreren Lagern in Deutschland untergebracht. Dem Roten Kreuz fiel ihre Übernahme an der Grenze mit der notwendigen Desinfektion und Säuberung zu, sowie die spätere Fürsorge in den Lagern. Wie wichtig die Desinfektion war, zeigte sich namentlich bei den Kindern, von denen überdies viele infolge von Unterernährung und an Trachom-Erkrankungen in den Lagern starben. Einer der Ärzte unseres Expeditionszuges, Dr. Gärtner, war ein Opfer des Flecktyphus geworden, auch er ist für seine Heimat als ein Held und Pionier rühmlich gestorben.
[Beziehungen zu Russland]
Die Verhandlungen mit den russischen Amts stellen, die diese Hilfe des Deutschen Roten Kreuzes nötig machte, ergaben gewisse offizielle und gesellschaftliche Beziehungen zu den
Gelegentlich dieser Verhandlungen tauchte auch Tschitscherin44, der Leiter des russischen Außenkommissariats, bei uns auf. Er war anfänglich zaristischer Diplomat gewesen. Dann hatte ihn seine radikale Einstellung in das rote Lager geführt. Äußerlich wirkte er, rothaarig und mit rotem Spitzbart, ein wenig wie ein Fuchs. Dies wurde durch den melancholischen, träumerischen Ausdruck seiner Augen etwas gemildert. Wir gaben ihm im Hotel Continental ein Essen, an dem er mit einigen, zumeist jüngeren Herren seiner Umgebung teilnahm. Das Hotel hatte einen Raum in dunklem Rot zur Verfügung gestellt. Auf dem Tisch stand ein großes Arrangement roter Rosen, eine rote Bowle bildete das Getränk. Es war alles rot und dem Roten Kreuz angepaßt. Nur wir Gastgeber paßten der Farbe nach nicht ganz in diesen Rahmen. Dies kam am Schlüsse des Essens auch unmittelbar zum Ausdruck. Es war ausgemacht, daß keine Reden gehalten werden sollten.
Neben diesen Beziehungen zur russischen Sowjetunion gingen in den ersten Jahren nach Beendigung des Weltkrieges auch mancherlei Fäden bis zu dem ehemaligen kaiserlichen Rußland. So sah ich den letzten zaristischen Botschafter am deutschen Kaiserhofe, Scherbejeff46, der ursprünglich als heftiger Deutschenhasser galt, unter den bescheidensten Umständen im Hause eines Vetters wieder. Dieser Verwandte war fast während des ganzen Weltkrieges, nach schwerer Verwundung, in russischer Gefangenschaft gewesen und hatte während dieser Zeit Anknüpfung zu den oberen Schichten der inzwischen ausgerotteten Gesellschaft
War dies schon ein kleiner Vorgeschmack des Elends, in dem die russischen Emigranten existieren mußten, so wurde es mir noch handgreiflicher, als eine Deputation, die aus ehemaligen russischen Würdenträgern, Ministern und Staatssekretären bestand, mich aufsuchte, um mir das Großkreuz des zaristischen Roten Kreuzes zu überreichen, das mir der „Zar“ Kyrill47, der in Paris residierte, verliehen hatte. Wofür ich diese Auszeichnung erhielt, ist mir nicht klargeworden. Freilich hatte das Deutsche Rote Kreuz Not und Elend jeder Art zu lindern versucht, wo es sich auch zeigen mochte, aber diese elenden, schlecht gekleideten, hungrig dreinschauenden Schemen, die die deutsche Caritas rühmten und nur noch Schatten einer erloschenen Vergangenheit waren, diese Unglücklichen, die Vaterland, Heimat, Rang und Vermögen verloren hatten, waren schwerlich von uns betreut worden, es sei denn aus Gulaschkanonen oder ähnlicher primitiver Quelle.
[Spendensammlung in Amerika]
Der Ruf nach organisierter Propaganda für Deutschland wurde immer lauter. Wir sollten in die amerikanische Öffentlichkeit bekannte Männer entsenden, die in allen Städten drüben die Menschen über das wirkliche Wesen des deutschen Volkes aufklären könnten. Das Buch von Otto Grautoff49 über Bernhard von der Marwitz, diesen Typus reinen deutschen Blutes, müsse in Hundert tausenden von Exemplaren in den Vereinigten Staaten verbreitet und weiteres ähnliches Schriftwerk hinübergesandt werden.50 Also schön! Es mochte der Versuch einer solchen Propaganda, auf die auch die Gebrüder Ridder, ihrem Blute nach Westfalen, aber Besitzer der „New-Yorker Staatszeitung“51, drängten, gemacht werden, und zwar zunächst durch Entsendung bekannter Deutscher. Um in der Auswahl des zu entsendenden Propaganda-Redners mit den Wünschen der amerikanischen Herren zusammen zugehen, lud ich Gerhart Hauptmann52 und zwei in Amerika wohl bekannte Professoren zur Okular-Inspektion für die gleichfalls
Die Amerikaner waren zwar enttäuscht, gaben aber das Spiel noch keineswegs auf. Hauptmann solle in der Woche nur zweimal reden, ein Pullman-Wagen54 zum bequemen Durchfahren des Landes ihm jederzeit zur Verfügung stehen und Wein... „we have so much medicine in our caves, that Mr. H. can drink for ten years.“ Ich also zurück zu Hauptmann und, unter Mitteilung des amerikanischen Bescheides, die erneute Bitte, dem an ihn ergangenen Rufe zu folgen. Seufzend erklärte sich Hauptmann darauf hin bereit, die schwere Mission zu übernehmen.
Die Sache hatte jedoch ein Nachspiel. In Amerika hatte sich ein Gegenkomitee gebildet, das Gustav Frenssen55 als Propagandaredner zu haben wünschte. Eines Tages erschien also Frenssen bei mir, um mir mitzuteilen, daß er in einigen Tagen, im Interesse einer deutschen Propaganda aus Amerika gerufen, nach den Vereinigten Staaten abreise. Ich darauf: das könne ich mir nicht denken, da Gerhart Hauptmann von Amerika gewünscht werde. Wer ihn denn gerufen habe Frenssen nannte einige mir unbekannte Namen. Ich bat darauf, jedenfalls nicht abzureisen, bevor ich die Sachlage geklärt hätte. Diese Klärung ergab, wie nicht anders zu erwarten war, die völlige Richtigkeit der Frenssenschen
[Geschichte des Wiederaufbaus]
Ich kann hier keine Geschichte des Wiederaufbaues des Deutschen Roten Kreuzes geben, sie möge man in dem ausgezeichneten Werke von Felix Grüneisen nachlesen: „Das Deutsche Rote Kreuz in Vergangenheit und Gegenwart.“56 Grüneisen57 gehörte mit Wolfram Freiherrn von Rotenhan58 zu den Männern, die ich bei meiner Amtsübernahme als Präsident des Deutschen Roten Kreuzes dort vorfand. Beide hatten die Abteilung für Flüchtlingsfürsorge mit bestem Erfolg geleitet und — mit jedem Detail der Rot-Kreuz-Arbeit vertraut — mit allen Kräften ihre Umstellung auf eine Wohlfahrtsorganisation gefördert. Sie arbeiteten in erster Linie mit dem Generalarzt Dr. Werner59 und dem Juristen des Roten Kreuzes, Oberverwaltungsgerichtsrat Kühne zusammen. Diesen selbstlosen Männern und den unendlich vielen, die innerhalb des Deutschen
[Besuch der Kaiserin eines Lazaretts]
Als ich in Verbindung mit den Lazaretten die Anstalten zur Zurückführung unserer verwundeten, verschütteten, verstörten Kameraden in ein Leben der Arbeit hergerichtet hatte, besuchte uns die Kaiserin61 in Görden bei Brandenburg. Von Bett zu Bett mußte ich sie geleiten, von jedem der Kranken ließ sie sich erzählen, von Haus und Hof, von Kindern und Familie, von Beruf und Zukunftswünschen. Dann wurden die Werkstätten besichtigt, in denen die Einarmigen angelernt, die Blinden zu besonderen Arbeiten geschult, die Nervenverletzten nach und nach durch leichte Tätigkeit beruhigt wurden. Es war Abend geworden, aber die Kaiserin wollte immer noch mehr sehen. Spitzemberg mahnte zur Abfahrt, aber da war noch ein Saal mit frisch eingelieferten Kranken, und schon saß die Kaiserin wieder an einem Bett und fragte und ließ sich erzählen. So war es recht spät geworden, als die Rückfahrt angetreten wurde. Es war die Liebe zum Nächsten, die der Kaiserin trotz ihres Herzleidens die Kraft gab, in so großer Treue zu wirken, „solange es Tag war“.
Von der Ruhrbesetzung zu Hindenburg
[Herausforderungen beim Roten Kreuz]
[…]
[Gefangenenbesuche]
In Essen, wo ich auf dem Hügel bei dem mir durch verwandtschaftliche Beziehungen nahestehenden Dr. Krupp von Bohlen-Halbach Quartier zu finden gehofft hatte, wurde ich von der Nachricht erreicht, Krupp sei gerade verhaftet und in das Amtsgerichtsgefängnis übergeführt worden.68 Ich ging am frühen Morgen zum Amtsgericht, das willig die Pforten seines Gefängnisses öffnete, und fand Krupp, unrasiert und ungewaschen, in seiner Zelle, in der er mit einem seiner gleichfalls verhafteten Direktoren auf einer Matratze, die man ihm mitzunehmen gestattete, die Nacht verbracht hatte. Der große deutsche Waffenschmied schien der eigentümlichen Situation, in der ich ihn fand, mit ziemlicher Gelassenheit gegenüberzustehen. Ich konnte ihm nur versprechen, seiner Frau meinen Besuch und die Umstände, unter denen ich ihren Gatten getroffen hatte, mitzuteilen und sie nach Möglichkeit zu beruhigen. Für eine der folgenden Nächte hatte mir der alte August Thyssen69, einer von Krupps Gegenspielern, auf seinem Schlosse Landsberg70 Quartier angeboten. Ich fand einen bescheidenen Greis in einem weiten, leeren Hause. Eine ebenfalls greise Haushälterin bediente bei unserem einfachen Mahl, das der Alte durch Schilderungen seines Werdeganges lebendig zu machen verstand. Er sprach mit großer Bitterkeit. Der Zornesausbruch des alten Herrn war sehr eindrucksvoll und ist mir unvergeßlich geblieben. So einfach es im Thyssenschen Hause auch zuging, so leistete sich dieser reiche Mann dennoch einen Luxus: er war ein großer Verehrer der Kunst von Rodin71. Nicht weniger als sechs oder gar acht Marmorgruppen des französischen Meisters waren in einem langen Wintergarten in der ganzen Breite des Schloßgiebels, umrahmt von Blattgewächsen und blühenden Blumen, aufgestellt. Es waren nicht die krafterfüllten Figuren der Bürger von Calais oder ähnliche Gegenstände, sondern Visionen zarter Frauenleiber und göttlicher Genien, an denen der alte, einsame Mann sich in Stunden der Ruhe nach
Der Weg durch die besetzten Gebiete führte mich dann kreuz und quer zu allen Orten, in denen politische Gefangene schmachteten. Ich besuchte auch die ganze Pfalz, war in Bonn, in Verden. Am schwersten wurde mir der Kontakt mit den Gefangenen in Bonn gemacht, wo ich mit ihnen lediglich während ihres kurzen Spazierganges durch die Eisentraillen des umgebenden Gitterwerkes sprechen konnte. Da hörte ich von dem Bonner Oberbürgermeister und einigen Nachbarlandräten von Bonn von ihrer völligen Rechtlosigkeit, die nur bei strikter Passivität erträglich werde. Man brachte mir auch Zeugen für diese Rechtlosigkeit. Männer mit wundgeschlagenen Gliedern, die Rücken von Striemen bedeckt. Schlageters Ermordung war in aller Munde.72 Wo ich zu persönlicher Besichtigung und Befragung der Gefangenen zugelassen wurde, nahm ich alle mir vorgetragenen Wünsche mit der Zusicherung der Weiterleitung entgegen. Diese Weiterleitung bezog sich zum Teil auf den päpstlichen Nunzius Testa, der im Auftrag des Vatikans eine Informationsreise durch Deutschlands besetzten Westen angetreten hatte und in ständiger Verbindung mit Genf stand. In gewissem Umfange konnte auch meine Deutsche-Rote-Kreuz-Zentrale helfend eingreifen, zumal mir Verbindungen zur Französischen Botschaft zur Verfügung standen, die nicht unbeachtlich schienen. Der französische Botschafter Mr. de Margerie73 war mir aus gesellschaftlichen Anlässen im Hause des Reichspräsidenten von Hindenburg74 bekannt, noch mehr jedoch sein Sohn75, der der Botschaft attachiert und mit einer großen Verehrerin von Rilke76, dessen französische Gedichte sie auswendig wußte, verheiratet war. Dies waren immerhin Möglichkeiten, um in besonderen Fällen, gestützt durch das international anerkannte Symbol des Roten Kreuzes, mildernd und nützend zu wirken. Einstweilen war ich jedoch noch mitten im Sammeln der Eindrücke, deren Ergebnis weitere Maßnahmen bestimmen sollte. Abgesehen von Bonn
In der Pfalz endete meine Besichtigungsreise. Umständlich wie der Eintritt in das besetzte Gebiet mit seinen Identitätsnachweisen und Paßfeststellungen war auch der letzte abschließende Akt beim Verlassen der unter feindlicher Gewaltherrschaft befindlichen Zone. Bei Speyer, der alten deutschen Kaiserstadt, setzte ich über den Rhein. Farbige französische Söldlinge durchwühlten meine Koffer. Dann war ich wieder frei, soweit man damals in Deutschland frei sein konnte. In Berlin erstattete ich Bericht, der, soweit tunlich, nach Genf und an Monsignore Testa weitergegeben wurde. Ebenso wurden dem Auswärtigen Amt meine Reiseeindrücke mitgeteilt. Auf einem offiziellen Essen bei dem Reichspräsidenten von Hindenburg74 traf ich den französischen Botschafter. Er zeigte sich steif und unzugänglich, es hätte auch wohl wenig genützt, dem aus gesprochen feindlichen Manne besondere Konfidenzen zu machen. Also schwieg ich. Mit dem Sohne Margerie und der liebenswürdigen Schwiegertochter war ich bald darauf bei dem Leiter der Auslandsabteilung des Roten Kreuzes, Oberstleutnant Draudt, zusammen. Beide freuten sich anscheinend, mich wieder zusehen, und Madame de Margerie zog mich bald in eine Ecke, um mir den neuesten französischen Rilke begeistert zu rezitieren. Das war durchaus reizvoll, hatte jedoch mit dem
[Hindenburg und Hitler]
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Ich hatte das Glück, verhältnismäßig häufig mit Hindenburg74, der auch Ehrenpräsident des Roten Kreuzes war, in persönliche Berührung zu kommen. […]
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Bei den repräsentativen Anlässen, die persönliche Teilnahme des Staatsoberhauptes erforderten, war Hindenburg ganz menschgewordene geschichtliche Größe. Schon sein Äußeres brachte dies mit sich, dieser ungebeugte, gewaltige Körper mit dem mächtigen Haupte, diese dunkle Stimme, in der doch stets etwas Väterliches durchklang, diese gemessenen und stets natürlichen Bewegungen.
Ich empfing ihn einmal am Heldengedenktage im Staatlichen Opernhause bei der Feier des Volksbundes der Kriegsgräberfürsorge77, dessen Vorsitzender ich einige Jahre war. Da erlebte ich einen historischen Moment. Adolf Hitler78 war gerade von Hindenburg an die Spitze der Regierung berufen worden.79 Infolge dessen fand auch er sich am Eingang des Opernhauses zum Empfang des Reichspräsidenten ein. Wir waren also drei: Adolf Hitler, ich und der Staatssekretär Meißner80, der bei allen Anlässen zere-
[…]
Neue Reisen: Südfrankreich/Westafrika
[…]
[Reisen durch Deutschland für das Rote Kreuz]
Auch als Präsident des Deutschen Roten Kreuzes mußte ich nicht selten an provinziellen und großdeutschen Veranstaltungen der Männer- und Frauenvereine teilnehmen. So erinnere ich mich bedeutsamer Vorführungen im Rheinland, in Schlesien, in Pommern und Ostpreußen. Auch nach meiner Abgabe des Rot-Kreuz-Präsidiums an den Herzog Karl Eduard von Koburg im Jahre 193382 blieb ich an der Spitze des Verwaltungsrates des deutschen Kriegerkurhauses in Davos. […]
Eine Reihe von Jahren besuchte ich das dem Kaiser Wilhelm gehörige, unter den Schutz des Deutschen Roten Kreuzes gestellte Offizierserholungsheim in Falkenstein im Taunus83, jetzt der deutschen Heeresverwaltung übereignet. Die geographische Lage dieser gemeinnützigen Anstalt ermöglichte unter Führung ihres Leiters, des Dr. Papenhausen84, letzten Generalarztes des Garde-Korps, den Besuch zahlreicher Dome der Nachbarschaft, wie Frankfurt am Main und Limburg. […]
[…]
Ausklang
[Ende der Amtszeit und Ehrung durch Hindenburg]
Beide Amtsniederlegungen erfolgten in hohen Ehren. Die Provinz ließ mein Bild für den Provinzial-Ausschuß-Saal malen. Reichspräsident von Hindenburg74 ernannte mich zum Ehrenpräsidenten des Deutschen Roten Kreuzes, eine Titelbezeichnung, die er selbst bis dahin geführt hatte und nunmehr mit der neuen eines „Schirmherrn“ vertauschte.86
Der Reichspräsident schrieb mir damals folgendes:
- Sehr verehrter Herr von Winterfeldt!
Wie mir der Herr Reichsminister des Innern berichtet, haben Sie gebeten, bei der bevorstehenden Berufung des neuen Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes von Ihrer Person abzusehen, weil Sie mit Rücksicht auf Ihr Alter und auf die besonderen Aufgaben des Deutschen Roten Kreuzes im neuen Deutschland dieses Amt für eine jüngere Kraft zur Verfügung stellen wollen. Ihr Rücktritt von dem Amt des Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes gibt mir Anlaß, Ihnen im Namen des Reiches sowie eigenen Namens herzlichen Dank und vollste Anerkennung auszusprechen für alles, was Sie in langjähriger Arbeit für das Deutsche Rote Kreuz und damit für unser Vaterland geleistet haben. Sie haben in einer Zeit das Deutsche Rote Kreuz geführt, die reich an Arbeit und Schwierigkeiten, reich aber auch an Erfolgen war. Unter Ihrer umsichtigen Leitung
[…]
[Geburtstagstelegramm von Hitler]
[…]
[…]
Wie herzlich die heimatliche Bevölkerung zu mir stand, das zeigte sich deutlich, als ich siebzig Jahre alt wurde.87 Da wurde mir ein Fackelzug gebracht, wie ihn Menkin noch nicht erlebt hatte. Wohl einhundertfünfzig Fackeln bewegten sich aus der Tiefe des Gartens zum Herrenhause hinauf, niemand hatte sich ausgeschlossen, alle waren dabei, und der Jubel war groß, als ich ein an mich gerichtetes Telegramm des Führers verlesen konnte. Darin
[…]
Erläuterungen
- ↑ Winterfeldt-Menkin war von 1897 bis 1903 der Landrat des Landkreises Prenzlau (1817–1952). Vermutlich in dieser Funktion übernahm er 1902 den Vorsitz des Männerzweigvereins des Roten Kreuzes in Prenzlau, was er in den Jahreszeiten des Lebens jedoch nicht erwähnt. Ebenso verliert er kein Wort darüber, dass er von 1904 bis 1912 der stellvertretende Vorsitzende des Provinzialvereins Brandenburg im Preußischen Landesverein vom Roten Kreuz (1890–1937) war. Das kann daran liegen, dass er vielleicht die Ämter nur pro forma innehatte, dass er dort keinen für ihn bemerkenswerten Persönlichkeiten begegnete, oder dass er die stark föderale Struktur des Roten Kreuzes vor der ersten Gründung des Deutschen Roten Kreuzes in 1921 verachtete.
- ↑ Evtl. Sophie von Arnim-Züsedom (1851–1933), geborene Gräfin Sophie von Schwerin und Ehefrau von Karl von Arnim-Züsedom (1846–1913).
- ↑ Von 1911 bis 1930 war Winderfeldt-Menkin der Landesdirektor der preußischen Provinz Brandenburg (1815–1947). Das Landeshaus befand sich in der Matthäikirchstraße 10.
- ↑ Carl August Friedrich Gerhardt (1832–1914).
- ↑ Als Winterfeldt-Menkin 1916 Mitglied des Zentralkomitees der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz, 1919 dessen Präsident und 1921 nach ersten Gründung des Deutschen Roten Kreuzes dann nun dessen Präsident wurde, war jedoch Gerhardt bereits verstorben.
- ↑ Der Kapp-Lüttwitz-Putsch fand 1920 statt. Eine Regierung wurde tatsächlich nie gebildet. Presseberichten zufolge, die Winterfeldt-Menkin kritisiert, war er im Schattenkabinett als Minister für auswärtige Angelegenheiten vorgesehen gewesen, was er von sich weist (Seiten 253–257, hier nicht wiedergegeben).
- ↑ Zentralkomitee der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz (1879–1921). Winterfeldt-Menkin gehörte ab 1916 dem Präsidium an und wurde 1919 dessen Präsident.
- ↑ Der Reichsausschuss für Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge (auch Ausschuß des Reichstags für Kriegsbeschädigtenfragen) gegründet worden, um die Versorgung der zahlreichen Opfer des Ersten Weltkriegs (1914–1918) zu versorgen: Der Reichsausschuß der Kriegsbeschädigten- und Kriegerhinterbliebenenfürsorge wurde 1917 als freiwilliger Zusammenschluß der öffentlichen HauptfürsorgesteIlen und der caritativen, über das ganze Reich sich erstreckenden Organisationen und der Kriegsstiftungen geschaffen [...]. — Gemeinsames Ministerialblatt, 1. Jahrgang, 1950, Nr. 18, Seite 138.
- ↑ Am 25. Januar 1921 wurde der Deutsches Rotes Kreuz e.V. als Dachverband in Bamberg gegründet. Das war die erste deutschlandweite Organisation mit der Bezeichnung Deutsches Rotes Kreuz.
- ↑ Siehe Artikel Präsident.
- ↑ Friedrich von Brettreich (1858–1938).
- ↑ 12,0 12,1 12,2 Selma Gräfin von der Gröben (1856–1938).
- ↑ Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs (1914–1918) gab es in der dann folgenden Weimarer Republik (1918–1933) eine starke Friedensbewegung, getragen durch Vertreter des Linksliberalismus, ehemalige Soldaten und in Kunst- und Kulturschaffende.
- ↑ Aus dem Friedensbund der Kriegsteilnehmer heraus entstand 1920 der Aktionsausschuss Nie wieder Krieg, der in den Folgejahren große Demonstrationen mit bis 1926 steigenden Teilnehmerzahlen am damaligen Antikriegstag, dem 1. August (Beginn des Ersten Weltkriegs) organisierte.
- ↑ Siehe Artikel Amtlicher Sanitätsdienst.
- ↑ Ulrich von Brockdorff-Rantzau (1869–1928).
- ↑ Ulrich von Brockdorff-Rantzau leitete 1919 die deutsche Delegation bei den Verhandlungen über den Friedensvertrag von Versailles.
- ↑ Die Deutsche Wohlfahrtsstelle war eine 1919 von Ulrich von Brockdorff-Rantzau (1869–1928) eingerichtete Arbeitsgemeinschaft von 18 Organisation, die die Verteilung ausländischer Hilfslieferungen in Form von Liebesgaben für die deutsche Bevölkerung übernahm.
- ↑ Das DRK schuf den mit der Wohlfahrtsstelle konkurrierenden Deutschen Zentralausschuss für die Auslandshilfe (DZA), der später verstaatlicht wurde, und die dann drei Organisationen existierten wohl einige Zeit parallel.
- ↑ Auswärtiges Amt.
- ↑ Siehe Artikel Nationale Gesellschaft.
- ↑ Siehe Artikel Internationales Komitee vom Roten Kreuz.
- ↑ Tatsächlich ist es ein Irrtum, dass Henry Dunant (1828–1910) der Gründer des Roten Kreuzes gewesen sei.
- ↑ Siehe Artikel Schlacht von Solferino (1859).
- ↑ Siehe Artikel Inter arma caritas.
- ↑ Siehe Artikel Rotes Kreuz.
- ↑ Siehe Artikel Schutzzeichen.
- ↑ Die Liga der Rotkreuz-Gesellschaften war 1919 gegründet worden und heißt heute Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften.
- ↑ Paul Draudt (1877–1944) war von 1921 bis 1924 Generalsekretär des DRK, anschließend dessen Vizepräsident und leitete bis 1937 das „Amt Auslandsdienst“. Er wirkte bei der Gründung der Liga der Rotkreuz-Gesellschaften mit.
- ↑ Paul Draudt (1877–1944) gehörte von 1924 bis 1937 dem Gouverneursrat der Liga an.
- ↑ Die XI. Internationale Konferenz des Roten Kreuzes fand tatsächlich vom 28. August bis 1. September 1923 in Genf statt. Die für 1919 geplante Konferenz war kriegsbedingt ausgefallen. Da Winterfeldt von Oktober spricht, könnte er auch eine der folgenden Konferenzen gemeint haben, die im Oktober stattfanden.
- ↑ Gustave Ador (1845–1928).
- ↑ Pauline von Roeder (1845–1914) war in erster Ehe mit Rudolf von Winterfeldt (1829–1894) verheiratet.
- ↑ Heinrich von Roeder (General, 1804) (1804–1884) war ab 1864 im diplomatischen Dienst tätig. Von 1867 an war er als preußischer Gesandter in der Schweiz tätig, ab 1868 für den Norddeutschen Bund und schließlich von 1871 bis 1882 für das Deutsche Reich.
- ↑ Jean-Elie David (1855-1938).
- ↑ Dt. ein alter Freund.
- ↑ Gemeint ist das Landeshaus der Provinz Brandenburg zu Berlin, Matthäikirchstraße 10, der Verwaltungssitz der Provinz. Die Straße heißt heute Herbert-von-Karajan-Straße.
- ↑ Unter Federführung des Deutschen Roten Kreuzes wurde seitens der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege reichsweit eine schon aus dem Anfang der 20er Jahre unter diesem Namen bekannte Hilfsaktion „Brüder in Not“ ins Leben gerufen. — Volkmar Schön, Notizen zur Hamburger Rotkreuzgeschichte, 20. Ausgabe, November 2018, Seite 3.
- ↑ Clara Zetkin (1857–1933).
- ↑ Hermann Müller (1876–1931) war von März bis Juni 1920 kurzzeitig Reichskanzler des Deutschen Reiches in der Zeit der Weimarer Republik (1918–1933).
- ↑ Müller war von 1919 bis 1920 der Reichsminister des Auswärtigen in der von Reichskanzler Gustav Bauer geführten Reichsregierung. In dieser Funktion unterzeichnete er zusammen mit dem Zentrumsabgeordneten Johannes Bell den Versailler Vertrag, wofür er von der nationalistischen Rechten als Landesverräter diffamiert wurde.
- ↑ Georg von Metzsch-Reichenbach (1864–1931) war Vorsitzender des Landesvereins vom Roten Kreuz in Sachsen.
- ↑ Paul Löbe (1875–1967).
- ↑ Georgi Wassiljewitsch Tschitscherin (1872–1936).
- ↑ Winterfeldt-Menkin erinnert sich sich an den Jahrestag der Oktoberrevolution 1917. Siehe dazu auch: Tag der Einheit des Volkes.
- ↑ Sergei Nikolajewitsch Swerbejew (1857–1922).
- ↑ Kyrill Wladimirowitsch Romanow (1876–1938).
- ↑ Elsa Brändström (1888–1948).
- ↑ Otto Grautoff (1876–1937).
- ↑ Otto Grautoff, von der Marwitz, Bernhard: Eine Jugend in Dichtung und Briefen an G. von Seckendorff, J. von Winterfeldt und andere, Dresden 1924.
- ↑ Die New Yorker Staats-Zeitung erscheint bis heute, seit 1834.
- ↑ Gerhart Hauptmann (1862–1946) war ein deutscher Dramatiker und Schriftsteller, der 1912 den Nobelpreis für Literatur erhalten hatte. Im Ausland galt er als der Repräsentant der deutschen Literatur schlechthin.
- ↑ Carl von Schubert (1882–1947).
- ↑ Siehe Pullman-Express.
- ↑ Gustav Frenssen (1863–1945) war ein deutscher Schriftsteller des völkischen Nationalismus, ab 1932 des Nationalsozialismus. Seine Werke gehörten zur Massenliteratur des Kaiserreichs und der NS-Zeit, die damals verbreitete kolonialistische, rassistische und antisemitische Vorstellungen vermittelte.
- ↑ Felix Grüneisen, Das Deutsche Rote Kreuz in Vergangenheit und Gegenwart, Leipzig 1939.
- ↑ Felix Grüneisen (1884–1945) war seit 1915 für das Rote Kreuz auf Reichsebene tätig und wurde später, nach der Verstaatlichung und Zentralisierung des Deutschen Roten Kreuzes zum Beginn des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) der Leiter des Amt S (Sondereinsatz Ost) im DRK-Präsidium. Dazu führte er die Amtsbezeichnung Der Sonderbeauftragte im Kriege und den Dienstrang eines Generalhauptführers.
- ↑ Wolfram Freiherr von Rotenhan (1887–1950) war ab 1914 hauptamtlich in leitenden Funktionen im Zentralkomitee der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz (1879–1921) und anschließend im 1921 gegründeten Deutschen Roten Kreuz tätig. Von 1924 bis 1937 amtierte er als dessen Generalsekretär.
- ↑ Otto Werner (1847–1923), nach dem die Werner-Schule benannt war.
- ↑ Lothar Hugo von Spitzemberg (1868–1930).
- ↑ Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (1858–1921).
- ↑ Winterfeldt-Menkin war von 1911 bis 1930 der Landesdirektor der preußischen Provinz Brandenburg (1815–1947).
- ↑ Die bis dahin unbesetzten unbesetzten Teile des Ruhrgebiets wurden von 1923 bis 1925 durch Truppen Frankreichs und Belgiens besetzt. → Ruhrbesetzung.
- ↑ Jean-Marie Degoutte (1866–1938) wurde 1919 zum Oberbefehlshaber der französischen Rheinarmee ernannt und führte den Befehl während der Ruhrbesetzung. Er residierte im dazu in Mainz und wurde 1924 auf eigenen Wunsch hin abberufen.
- ↑ Gaston Renondeau (1879–1967) war von 1932 bis 1938 als französischer Militärattaché in Berlin tätig.
- ↑ Detlof von Winterfeldt (1867–1940) war von 1909 bis 1914 im Rang eines Majors und später Oberstleutnants als Militärattaché an der deutschen Botschaft in Paris tätig. Zum Generalmajor wurde er zum Ende des Ersten Weltkriegs (1914–1918) hin befördert. Winterfeldt-Menkin war sein Cousin.
- ↑ Frz. pas moyen! ist dt. nichts zu machen!.
- ↑ Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (1870–1950) wurde anlässlich des Essener Blutsamstags am 1. Mai 1923 verhaftet und von einem französischen Militärgericht am 8. Mai 2023 zu 15 Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 100 Millionen Mark verurteilt. Er verbrachte nur sieben Monate in einem Düsseldorfer Gefängnis, wo er verglichen mit anderen Kriminellen deutliche Erleichterungen genoss. Die Verwandtschaft zu Winderfeldt-Menkin kommt durch Hans (Karl) von Winterfeldt (1862–1931), der mit Lilly von Bohlen-Halbach, einer Schwester von Gustav Krupp von Bohlen-Halbach verheiratet war.
- ↑ August Thyssen (1842–1926).
- ↑ August Thyssen hatte 1903 das Schloss Landsberg, das in Ratingen an der Stadtgrenze zu Essen steht, erworben und zu seinem repräsentativen Wohnsitz umgestalten lassen.
- ↑ Auguste Rodin (1840–1917) war ein französischer Bildhauer.
- ↑ Der Nationalsozialist Albert Leo Schlageter (1894–1923) war während der französisch-belgischen Ruhrbesetzung ein militanter Aktivist und wurde am 26. Mai 1923 wegen Spionage und mehrerer Sprengstoffanschläge von einem französischen Militärgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet.
- ↑ Pierre de Margerie (1861–1942). war von 1922 bis 1931 der französische Botschafter in Deutschland.
- ↑ 74,0 74,1 74,2 74,3 Paul von Hindenburg (1847–1934) war von 1926 bis bis seinem Tod in 1945 der Schirmherr des damaligen Deutschen Roten Kreuzes (1921–1937).
- ↑ Roland de Margerie (1899–1990).
- ↑ Rainer Maria Rilke (1875–1926).
- ↑ Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wurde 1919 gegründet.
- ↑ Adolf Hitler (1889–1945) wurde später zum Schirmherrn des Deutschen Roten Kreuzes in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945).
- ↑ Paul von Hindenburg (1847–1934) ernannte Adolf Hitler (1889–1945) am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler. Dieses Ereignis wird auch als Machtergreifung bezeichnet.
- ↑ Otto Meissner (1880–1953).
- ↑ Wolf-Heinrich von Helldorff (1896–1944).
- ↑ Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha (1884–1954) war von 1933 bis 1945, also in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945), der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes.
- ↑ Heute ist das Objekt das Luxushotel Falkenstein Grand.
- ↑ Karl Papenhausen (1864–1946).
- ↑ Im Jahr 1933 übernahm Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha (1884–1954) das Amt.
- ↑ Siehe Artikel Ehrenpräsident und Schirmherr.
- ↑ Am 15. Mai 1935 wurde Winterfeld-Menkin 70 Jahre alt.
