Schlacht von Solferino

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Allgemeines

Heutiger Blick auf das Schlachtfeld

Die historische Schlacht von Solferino war die entscheidende Schlacht im sardinischen Krieg. Bei diesem Krieg kämpfte 1859 Sardinien, welches die italienischen Freiheitskämpfer unterstützte, mit der Unterstützung des französischen Kaiserreichs gegen das Kaisertum Österreich. Hierbei handelte es sich um den zweiten Italienischen Unabhängigkeitskrieg.

Hintergrund der Auseinandersetzung

Aufgrund vergangener Revolutionen bereitete sich Sardinien militärisch und politisch für einen weiteren Unabhängigkeitskrieg vor. Der Hauptakteur dieser Politik war Ministerpräsident Camillo Benso von Cavour. Dieser schloss mit Napoleon III. einen Vertrag, welcher Frankreichs Unterstützung an Sardinien zusagte, falls es zu einem österreichischen Angriff käme. Dafür erhielt Frankreich die Gebiete Nizza und Savoyen. Ziel Sardiniens war es von den Österreichern das Königreich Lombardo-Venetien zu erobern. Nach mehreren gezielten Provokationen gegenüber Österreich marschierten diese am 29. April 1859 in die italienische Region Piemont ein. Doch dabei erlitten die Österreicher fast nur Niederlagen und mussten sich immer weiter zurückziehen, bis es am 24. Juni 1859 in Solferino zur entscheidenden Schlacht kam.

Verlauf der Schlacht

In der Entscheidungsschlacht standen sich ca. jeweils 150.000 Truppen gegenüber. Gegen 6:30 Uhr morgens wurden die österreichischen Truppen, welche bereits die umliegenden Hügel um Solferino besetzt hatten, angegriffen. Lange Zeit hielt das österreichische Militär den Angriffen stand, bis es gegen Mittag die ersten Dörfer in diesem Gebiet aufgeben musste. Mit der Zeit kamen weitere französische Verstärkungstruppen dazu, womit die österreichische Verteidigung gegen 16 Uhr durchbrochen werden konnte. Dieser Durchbruch bedeutete, obwohl der Nordflügel noch standhielt, die endgültige Niederlage für das österreichische Kaisertum. Denn die Truppenverteilung Österreichs war nicht richtig erfolgt und die Umgehung des französischen Flügels misslang. Somit musste Österreich sich endgültig geschlagen geben.

Folgen der Schlacht

Die Niederlage Österreichs bei der Schlacht bedeutete auch die endgültige Niederlage im sardinischen Krieg. Der Sieg auf der anderen Seite bedeutete den Weg zur Einigung Italiens. Formal wurde der Krieg am 10. November 1859 mit dem Frieden von Zürich beendet. Hierbei wurde der größte Teil der Region Lombardei an Frankreich abgetreten. Frankreich übergab dann wie abgemacht die Region an Sardinien.

Bei der Schlacht gab es ungefähr 30.000 Tote und Verletzte. Sie galt zu der Zeit als einer der bisher als einer der grausamsten und blutigsten Schlachten. Viele weitere Soldaten litten an Hunger, erkrankten oder wurden vermisst. Daher gilt diese Schlacht als eine der großen humanitären Katastrophen der Neuzeit.

Henry Dunants Wirken nach der Schlacht

Da Henry Dunant mehr Land und Wasser für seine Mühlen benötigte, machte er sich auf den Weg zu Napoleon III., um von ihm um eine Einwilligung zu bitten. Auf dem Weg nach Italien zu dem französischen Kaiser zeigte sich ihm das grauenhafte Bild der Schlacht. Überall waren tote und verletzte Soldaten, die teils in Karren umhergeschleppt wurden. Statt seinen ursprünglichen Vorhaben weiter nachzugehen, kümmerte sich Dunant um die verwundeten Soldaten. Er schleppte sie mit auf Karren und half beim Versorgen der Wunden, ganz gleich, welche Nationalität sie hatten. Er ließ durch seinen Kutscher weiteres Verbandsmaterial anschaffen und ermutigte andere Menschen, auch sich bei der Unterstützung der Verwundeten zu beteiligten, so dass immer mehr Menschen zur Hilfe kamen. Trotzdem fehlte auch die fachgerechte, medizinische Hilfe. Henry Dunant erfuhr, dass Frankreich österreichische Ärzte gefangen hielt. Darauf bat er den Befehlshaber die österreichischen Mediziner an der Versorgung teilhaben zu lassen, worin eingewilligt wurde. Gemeinsam behandelten die Ärzte dann alle Verwundeten, ganz gleich, welche Nationalität diese waren, vollkommen neutral. Dies wurde später auch zum Leitbild und einem der Grundsätze des Roten Kreuzes.

Dunants Buch, Völkerrecht und die Gründung der Bewegung

Un souvenir de Solférino

Um an die Grausamkeit der Schlacht von Solferino zu erinnern und seine eigenen Erfahrungen zu verarbeiten, verfasste Dunant die Schrift Un souvenir de Solférino (Eine Erinnerung an Solferino). In diesem Buch erläuterte er, wie man verwundete Soldaten schützen und versorgen sollte. Hierbei regte er auch zur Gründung von freiwilligen Hilfsgesellschaften an. Seine Ideen wurden von der Société d'utilité publique genevoise (Genfer Gemeinnützige Gesellschaft) aufgegriffen und zur Umsetzung gebracht, letztlich durch eine von der schweizerischen Regierung einberufene diplomatische Konferenz, wo es um die Verbesserung der Situation bei verwundeten Soldaten ging. Es kam zur Gründung des Internationalen Komitees der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege. Später wurde der Name in Internationales Komitee vom Roten Kreuz umgeändert. Durch diese Schritte kam es auch 1864 zum ersten Genfer Abkommen, welches ein wichtiger Bestandteil des Humanitären Völkerrechts bildet. Denn hier wurde die Neutralität des Sanitätspersonals und der Schutz der Verwundeten beschlossen. Als erstes Schutzzeichen wurde damals das Rote Kreuz festgelegt.

Erinnerung an die Schlacht von Solferino heute

Un souvenir de Solférino

Jährlich gibt es die Fiaccolata, um an die grausame Schlacht von Solferino zu erinnern. Hierbei gibt es immer einen Fackelzug durch die Straßen von Solferino. Dieser Friedenszug ist mittlerweile eine jährliche Tradition und wurde 1992 vom Italienischen Roten Kreuz ins Leben gerufen. Anschließend gibt es eine Führung durch den Ort und durch Internationale Museum des Roten Kreuzes, um dem Ereignis zu gedenken.

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