Dienststellung (Drittes Reich)

Nachschlagewerk über das Deutsche Rote Kreuz und die Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung
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Allgemeines

In der Zeit des National­sozia­lis­mus (1933–1945) war das damalige Deut­sche Rote Kreuz (1938–1945/46) in die militaristischen Strukturen des NS-Staats (1933–1945) integriert worden, sehr sichtbar durch die Neuorganisaton in Landesstellen, die eng an die Wehrkreise angelehnt waren. Ebenso wurden die Dienststellungen (Dienstränge, Ränge, Dienstgrade) so gewählt, dass sie mit denen der Wehrmacht, der Unterorganisationen der NSDAP und der ihr verbundenen Organisationen vergleichbar waren.

Die Dienststellung ist von der Verwendung in der Organisation zu unterscheiden. Zum Beispiel war Willy Liebel (1897–1945) von 1938 bis 1945 der Landesführer der Landesstelle XIII mit Sitz in Nürnberg, und für diese Aufgabe war er in den Rang eines Generalhauptführers versetzt worden. Oder beispielsweise der Beauftragte des DRK in Frankreich von 1940 bis 1942, Eduard Busse (1898–1962), der für diese Aufgabe in Paris tätig war, hatte die Dienststellung eines Generalführers.

Dienststellungsabzeichen

Als Dienststellungsabzeichen wurden von den Männern Schulterklappen für die Mannschaften und Schulterstücke für die Führungskräfte verwendet, von den Frauen weiße oder graue Kragenspiegel. Führer trugen einen Führerdolch statt eines Hauers bzw. Seitengeräts. Weiterhin unterschieden sich auch die Gürtel: Die der Mannschaften hatten ein rechteckiges Kastenschloss, die der Führer ein rundes Führerschloss. Es gab weitere Differenzierungen bei der Bekleidung, zum Beispiel bei der Kopfbedeckung, das heißt bei den Mützen. Einheitlich getragen wurden das Gebietsdreieck, der Kragenspiegel mit einem Roten Kreuz zur Kennzeichnung der Organisationszugehörigkeit und bei Bedarf die Rotkreuz-Armbinde.

Für einige wenige Funktionen wurden unabhängig von der Dienststellung besondere Elemente an der Dienstbekleidung ergänzt. Beispielsweise gab es die Adjutantenfangschnur und für Musiker das Schwalbennest.

Übersicht der Dienststellungen

Mannschaften

Anwärter(innen) wurden nach der Grundausbildung und einem halben Jahr Probezeit zu Helfer(innen)n und damit dauerhaft aufgenommen. Bei der Aufnahme wurden sie auf Adolf Hitler (1889–1945) als Führer und Reichskanzler, nicht als Schirmherr des DRK, vereidigt, ihr vorläufiger Ausweis wurde durch einen Personalausweis ersetzt, und sie waren berechtigt, das Zivilabzeichen zu tragen. Nach dreijähriger vorwurfsfreier Dienstzeit konnten Sie zum Vorhelfer bzw zur Vorhelferin befördert werden; dasselbe galt für Schwesternhelferinnen. Nach einer bestandenen Grup­pen­füh­rer(in­nen)prü­fung konnten Hel­fer(in­nen) und Vor­hel­fer(in­nen) zu Oberhelfern bzw. Oberhelferinnen befördert und dadurch Un­ter­füh­rer(in­nen) werden. Formale Kriterien für Haupt­hel­fer(in­nen) gab es nicht, so dass dieser Rang möglicherweise nach gewisser Zeit zur persönichen Bestätigung oder nach Gutdünken vergeben wurde. Beförderungen in den Mannschaftsdienstgraden nahm in der Regel der Kreisführer vor; formal dazu berechtigt war auch der Landesführer.

Dienstrang Abkürzung Rolle Schulterklappe (Männer) Kragenspiegel (Frauen)
Anwärter/in Aw/Awn Helfer
Schulterklappe aus Besatzstoff mit weißgrauen Vorstoß
Helfer/in H/Hn
Vorhelfer/in VH/VHn
Schulterklappe aus Besatzstoff mit weißgrauen Vorstoß und einem silbernen Stern
Vorhelfer/in
mit Gruppen­führer­prüfung

Schulterklappe aus Besatzstoff mit weißgrauen Vorstoß, einem silbernen Stern und einer schmalen Aufschiebeschlaufe
Oberhelfer/in OH/OHn Unterführer
Schulterklappe aus Besatzstoff mit zwei nebeneinander liegenden Aluminiumschnüren
Haupthelfer/in HH/HHn
Schulterklappe aus Besatzstoff mit zwei nebeneinander liegenden Aluminiumschnüren und einem silbernen Stern
Haupthelfer
mit Zug­führer­prüfung

Schulterklappe aus Besatzstoff mit zwei nebeneinander liegenden Aluminiumschnüren, einem silbernen Stern und einer schmalen Aufschiebeschlaufe

Führungskräfte

Führungskräfte durfte ein Kreisführer nicht ernennen, sondern dazu war für die unteren Führungsränge — Wachtführer, Oberwachtführer und Hauptführer — der zuständige Landesführer berechtigt. Alle darüber liegenden Dienstränge, also vom Feldführer aufwärts, konnte nur der Präsident ernennen. Der Sprung aus der Klasse der Mannschaften in die Klasse der Führungskräfte war dadurch vorgesehen, dass Ober- und Haupthelfer(innen) nach der erfolgreichen Zugführerausbildung zu Wachtführern bzw. Wachtführerinnen befördert werden konnten.

Die Funktion als Zugführer(in) durften Haupt­hel­fer(in­nen), Wacht­füh­rer(in­nen) und Ober­wacht­füh­rer(in­nen) wahrnehmen. Als Bereitschaftsführer(in) waren Wacht­füh­rer(in­nen), Ober­wacht­füh­rer(in­nen) und Haupt­füh­rer(in­nen) vorgesehen. Kreisführer waren (männliche) Feldführer, Oberfeldführer oder Oberstführer, und Landesführer waren (männliche) Oberstführer, Generalführer oder Generalhauptführer.

Dienstrang Abkürzung Schulterstück (Männer) Kragenspiegel (Frauen)1
Wacht­führer/in WF/WFn
Schulterstück mit vier nebeneinander liegenden Aluminiumschnüren auf weißgrauer Tuchunterlage in einer Breite von 22 mm ohne Stern
Ober­wacht­führer/in OWF/OWFn
Schulterstück mit vier nebeneinander liegenden Aluminiumschnüren auf weißgrauer Tuchunterlage in einer Breite von 22 mit einem goldenen Stern
Haupt­führer/in HF/HFn
Schulterstück mit vier nebeneinander liegenden Aluminiumschnüren auf weißgrauer Tuchunterlage in einer Breite von 22 mit zwei goldenen Sternen
Feld­führer/in FF/FFn
Schulterstück aus Flechtwerk aus Aluminiumdoppelschnüren auf weißgrauer Tuchunterlage in der Breite von 26 mm ohne Stern
Ober­feld­führer/in OFF/OFFn
Schulterstück aus Flechtwerk aus Aluminiumdoppelschnüren auf weißgrauer Tuchunterlage in der Breite von 26 mm mit einem goldenen Stern
Oberst­führer/in OF/OFn
Schulterstück aus Flechtwerk aus Aluminiumdoppelschnüren auf weißgrauer Tuchunterlage in der Breite von 26 mm mit zwei goldenen Sternen
General­führer/in GF/GFn
Schulterstück aus Flechtwerk aus mattgoldenen Doppelschnüren auf weißgrauer Tuchunterlage in der Breite von 26 mm ohne Stern
General­haupt­führer/in GHF/GHFn
Schulterstück aus Flechtwerk aus mattgoldenen Doppelschnüren auf weißgrauer Tuchunterlage in der Breite von 26 mm mit einem silbernen Stern

Abkürzungen

Für die Bezeichnung einer jeden Dienststellung war eine Abkürzung festgelegt worden, die nur intern zu verwenden war: Sie setzte sich aus dem Vorsatz DRK-… und bis zu drei Buchstaben, die sich aus der Bezeichnung ableiten, zusammen: DRK-Aw (Anwärter), DRK-H (Helfer), DRK-VH (Vorhelfer), DRK-OH (Oberhelfer), DRK-HH (Haupthelfer), DRK-WF (Wachtführer), DRK-OWF (Oberwachtführer), DRK-HF (Hauptführer), DRK-FF (Feldführer), DRK-OFF (Oberfeldführer), DRK-OF (Oberstführer), DRK-GF (Generalführer), DRK-GHF (Generalhauptführer).2

Frauen konnten dieselben Dienststellungen wie Männer führen, und dabei wurden die Bezeichnungen in weiblicher Form geführt. Bei den Abkürzungen wurde bei Frauen ein kleines N (n) angehängt, so dass zum Beispiel eine DRK-Generalhauptführerin mit DRK-GHFn abgekürzt wurde.

Schwesternschaften

Die Rotkreuzschwestern behielten weitgehend ihre Dienststellungen. Jede Schwesternschaft hatte weiterhin ihre Oberin, und zusätzlich gab es kriegsbedingt die Feldoberinnen. Zusätzlich zu den voll ausgebildeten, beruflich qualifizierten Schwestern gab es die Schwesternhelferinnen (SchHn bzw. DRK-SchwHn).

Weitere Informationen

Websites

Enzyklopädie

Einzelnachweise

  1. Der hier gezeigte hellblaue Untergrund kann falsch sein, und eventuell waren die Abzeichen tatsächlich grau hinterlegt.
  2. Anordnung des Personalamts betreffend Dienstgrad-Abkürzungen vom 25. April 1939: Nachstehend werden die für die DRK-Dienstgrade vorgesehenen Abkürzungen bekanntgegeben. Die Abkürzungen sind nur im inneren Dienstverkehr anzuwenden. — Deutsches Rotes Kreuz, Verordnungsblatt, Berlin 1937ff; Folge 5, Mai 1939, Kennzeichen II (Personalamt), Blatt 5.