Rotkreuzschwester

Aus Roter Kreis - Enzyklopädie des Rotkreuz-Wissens

Allgemeines

Eine Rotkreuzschwester ist ein hauptamtlich gestelltes Mitglied einer Schwesternschaft vom Deutschen Roten Kreuz. Mit der Mitgliedschaft wird eine bezahlte Tätigkeit für den Verein selbst, z.B. in einem Rotkreuz-Krankenhaus oder einem Pflegedienst, oder in der Einrichtung eines Gestellungspartners vermittelt. Gestellungspartner sind Kliniken anderer Träger, die mit einer Schwesternschaft einen Vertrag schließen und auf dieser Basis seitens der Schwesternschaft Pflegepersonal in Arbeitnehmerüberlassung gestellt bekommen.

Sonderstatus

Eine Rotkreuzschwester, die einer Klinik gestellt wurde, ist eine Leiharbeitnehmerin. Das wurde 2016 durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshof abschließend bestätigt.[1] Gegenüber den Mitarbeitern der Klinik und anderen Leiharbeitnehmern hat sie jedoch einen Sonderstatus:

  • Als Mitglied eines Vereins hat sie keinen Arbeitsvertrag, sondern erhält für ihre berufliche Tätigkeit eine monatliche Vergütung von der Schwesternschaft sowie weitere Vorteile aus der Vereinsmitgliedschaft vermittelt. Eine Rotkreuzschwester ist keine klassische Arbeitnehmerin.
  • Zu diesen Vorteilen gehören die Mitwirkungsrechte im Verein, beispielsweise bei der Wahl der Oberin der Schwesternschaft. Anders als ein Arbeitnehmer hat die Rotkreuzschwester also demokratische Rechte, die bis zur Abwahl ihrer Vorgesetzten führen können.
  • Wenn eine Rotkreuzschwester in Arbeitnehmerüberlassung eingesetzt wird, dann gilt für sie nicht die Höchstdauer von 18 Monaten. Dazu wurde 2017 im DRK-Gesetz eine eigene Regelung aufgenommen[2] und 2018 eine Petition dagegen abgelehnt[3].
  • Eine Rotkreuzschwester, die in einem fremden Betrieb tätig ist, kann seitens der Schwesternschaft und im Einvernehmen mit dem Gestellungspartner jederzeit für humanitäre Aufgaben des Deutschen Roten Kreuzes eingesetzt werden. Dabei kann es sich um Einsätze bei inländischen Katastrophen und Notlagen, um Auslandseinsätze oder um die Überstützung des Sanitätsdienstes der Bundeswehr handeln.

Die Mitgliederordnung ersetzt den Arbeitsvertrag. Für Oberinnen gilt die Oberinnenordnung.

Bekleidung

Bis 1990 trugen die Rotkreuzschwestern im Dienst eine traditionelle Schwesterntracht. Diese Bekleidung wurde 1991 durch eine moderne, zweckmäßige Dienstbekleidung ersetzt.[4] Geblieben ist die häufig noch getragene Dienstbrosche.

Weitere Informationen

Einzelnachweise

  1. Europäischer Gerichtshof, Vorlage zur Vorabentscheidung – Richtlinie 2008/104/EG – Leiharbeit – Anwendungsbereich – Begriff ‚Arbeitnehmer‘ – Begriff ‚wirtschaftliche Tätigkeit‘ – Pflegepersonal ohne Arbeitsvertrag, das von einem Verein, der keinen Erwerbszweck verfolgt, einer Gesundheitspflegeeinrichtung überlassen wird, Rechtssache C-216/15.
  2. Deutscher Bundestag, Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz und andere freiwillige Hilfsgesellschaften im Sinne der Genfer Rotkreuz-Abkommen (DRK-Gesetz, DRKG), Berlin 2008, zuletzt geändert 2016, § 2, Abs. 4: Für die Gestellung von Mitgliedern einer Schwesternschaft vom Deutschen Roten Kreuz gilt das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz mit der Maßgabe, dass § 1 Absatz 1 Satz 4 und Absatz 1b des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes nicht anwendbar ist.
  3. Der Gesetzgeber habe sich dafür entschieden, um den Erhalt der DRK-Schwesternschaft und die Einsatzfähigkeit der Rotkreuzschwestern für gesetzliche und humanitäre Aufgaben des DRK sicherzustellen und zugleich die Rotkreuzschwestern weitestgehend unter den ausdrücklichen Schutz des AÜG zu stellen, schreiben die Abgeordneten. Letzteres beträfe insbesondere die Regelungen zu Equal Pay sowie die mit der letzten Änderung des AÜG eingeführten Regelungen zur ausdrücklichen und vorherigen Offenlegung von Arbeitnehmerüberlassung und zum Verbot des Streikbrechereinsatzes. — Deutscher Bundestag, Abschließende Beratungen ohne Aussprache, 13. Dezember 2018.
  4. Rotkreuzschwestern kürten ihre neue Image-Kleidung. Ohne Haube —mit selbstbewusstem Chic, in: Verband der Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz (Hrsg.), Die Rotkreuzschwester: das Fachmagazin des Verbandes der Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz e.V., Berlin, ab 2007 (1989–2007: Die Schwester: das Magazin der Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz), Nr. 5 (Oktober/November), 1991, Seiten 14–17.