Straffheit
Allgemeines
Ein bis heute übliches Mittel extremistischer Organisationen ist die Umdeutung und ideologische Aufladung harmloser Alltagsbegriffe, verbunden mit der Schaffung und ständigen Wiederholung von Redewendungen, die diese für die Verbreitung der eigenen Ideen besetzten Begriffe enthalten. Das gehört zur Sprache des Nationalsozialismus, von der in den Veröffentlichungen der beiden DRK-Organisationen, die in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) bestanden — das in der Weimarer Republik (1918–1933) gegründete erste Deutsche Rote Kreuz (1921–1937) und die anschließende Quasi-Behörde mit demselben Namen, die in den Jahren 1945 und 1946 aufgelöst wurde —, und durch ihre Vertreter Gebrauch gemacht wurde.
Ein so oft verwendetes Adjektiv ist straff im übertragenen Sinne von durchorganisiert und in Bezug auf die mehrfache Reorganisation des DRK bis hin zu einer zentral geführten Hilfsorganisation mit weitgehender Vereinheitlichung. Das lief der starken föderalen Tradition der deutschen Staaten und damit auch der daran angelehnten Struktur und Kultur der Rotkreuz-Organisationen völig zuwider und bedurfte sicherlich erheblicher Überzeugungsarbeit.
Der Begriff ist heute nicht historisch belastet, aber es wäre unreflektiert, ihn im modernen, demokratisch und förderal strukturierten Deutschen Roten Kreuz wieder wie damals zu verwenden.
Beispiele aus Volltexten in der Enzyklopädie
- Paul Hocheisen (1870–1944): So steht das Deutsche Rote Kreuz heute als eine straff in sich gegliederte Organisation in engster Verbindung mit Reich und Partei.[1]
- Präambel des Gesetzes über das Deutsche Rote Kreuz vom 9. Dezember 1937: Um die Bereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes zur Erfüllung seiner Aufgaben durch eine straffe Zusammenfassung seiner Kräfte zu erhöhen, hat die Reichsregierung das folgende Gesetz beschlossen […]
- Fritz Ruppert (1887–1945): Hinzukommt die Vermehrung der Aufgaben des Deutschen Roten Kreuzes durch seine Mitwirkung im Sanitätsdienst des Luftschutzes. Diesen erhöhten Anforderungen kann das Deutsche Rote Kreuz in einer insbesondere die Bedürfnisse der Wehrmacht vollauf befriedigenden Weise nunmehr gerecht werden, denn seine den Anforderungen nicht mehr gewachsene Gesamtorganisation ist durch das Gesetz von Grund auf derart neugestaltet worden, daß eine einheitliche und straffe Führung unbedingt gewährleistet und die volle Ausnutzung seiner Kräfte gesichert ist.[2]
- Felix Grüneisen (1884–1945) über die erste Satzungsänderung gleich zu Beginn des NS-Staats (1933–1945): Die zentrale Bedeutung der Ursprungsaufgaben des Deutschen Roten Kreuzes zur Erfüllung des Genfer Abkommens, und straffere Zusammenfassung der bisher nur lose gebündelten Kräfte für diese Hauptaufgabe.[3]
- Ebenfalls bei Grüneisen: Deshalb müssen die Männer zu straffer soldatischer Haltung, knapper Form und rascher Entschlußkraft geführt werden.[4]
- Willy Liebel (1897–1945): Auf dem Fundament einer stolzen 75jährigen Tradition wurde unter tatkräftiger Mithilfe und Mitarbeit vieler Hunderttausender von DRK.-Führern und Führerinnen, -Helfern und -Helferinnen in straffer, soldatischer Form eine gewaltige, achtunggebietende Organisation aufgebaut, die sich organisch eingliedert in das wehrhafte, stolze Großdeutsche Reich Adolf Hitlers![5]
- Joachim von Winterfeldt-Menkin (1865–1945) gegen Ende der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) und entsprechend geprägt, rückblickend auf die Schaffung des ersten Deutschen Roten Kreuzes in der Weimarer Republik (1918–1933): Anderseits aber hatte der Krieg die Mängel der bisherigen Struktur des Roten Kreuzes klar erkennen lassen. Diese durch straffe Vereinheitlichung zu festigen, war die vordringliche Aufgabe. Sie wurde durch eine Sitzung in Weimar unter meinem Vorsitz angepackt und nach mehreren weiteren Sitzungen in Bamberg gelöst.[6]
Weitere Informationen
- Artikel Deutsches Rotes Kreuz im Nationalsozialismus
- Artikel Deutsches Rotes Kreuz
- Artikel Landesverein
- Artikel Verbandstufe
Einzelnachweise
- ↑ {Quelle:Hocheisen 1935}}, hier Seite 301.
- ↑ Fritz Ruppert, Das neue Deutsche Rote Kreuz, in: Deutsche Zeitschrift für Wohlfahrtspflege, Nummer 10, 13. Jahrgang, Berlin, Januar 1938, Seiten 517–526, hier Seite 518.
- ↑ Felix Grüneisen, Das Deutsche Rote Kreuz in Vergangenheit und Gegenwart, Leipzig 1939, Kapitel 29, Seite 184.
- ↑ Felix Grüneisen, Das Deutsche Rote Kreuz in Vergangenheit und Gegenwart, Leipzig 1939, Kapitel 33, Seite 205.
- ↑ Willy Liebel, Die Landesstelle XIII des Deutschen Roten Kreuzes in der Stadt der Reichsparteitage Nürnberg, in: Nürnberger Schau. Monatsschrift der Stadt der Reichsparteitage Nürnberg, Heft 11, November 1939 (StadtAN AvPer 14(1939)[28]), Seiten 351–354, hier Seiten 351f.
- ↑ Joachim von Winterfeldt-Menkin, Jahreszeiten des Lebens. Das Buch meiner Erinnerungen, Berlin 1942, Seite 259.
