Die Landesstelle XIII des Deutschen Roten Kreuzes in der Stadt der Reichsparteitage Nürnberg (1939)
Dieser Beitrag von Willy Liebel (1897–1945) erschien im November 1939 in der Zeitschrift Nürnberger Schau. Monatsschrift der Stadt der Reichsparteitage Nürnberg (1939–1943)[1], die von ihm selbst herausgegeben wurde. Der nationalsozialistische Funktionär war von 1933 bis 1945 Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg und zugleich Landesführer der Landesstelle XIII des damaligen Deutschen Roten Kreuzes (1938–1945/46), über die er hier schreibt.
Die DRK-Landesstelle XIII bestand von 1938 bis 1945, und ihr Gebiet entsprach das aller → Landesstellen dem des entsprechenden Wehrkreises, hier also des Wehrkreises XIII. Dazu gehörten neben den bayerischen Regierungsbezirken Oberfranken, Mittelfranken, Niederbayern und Oberpfalz auch Teile Mainfrankens, Württembergs und Badens sowie später zusätzlich des Regierungsbezirks Eger des Sudetenlands. Während der ganzen Zeit war Willy Liebel (1897–1945) der Landesführer und der Arzt Michel Conrad (1894–?) sein Stellvertreter.
Der Text ist inhaltlich und sprachlich typisch für eine offizielle Publikation des Roten Kreuzes in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945). Bemerkenswert hier ist beispielweise beispielsweise die Übertreibung der Mitwirkung bei der Unterstützung der Wehrmacht.
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Volltext
„Rotkreuzarbeit ist selbstloser Dienst an Volk und Vaterland in ständiger Hilfsbereitschaft. Ich rufe alle Deutschen auf, diese Arbeit zu fördern.“[4] Dieses Wort des Führers[5] beweist allein schon die Wichtigkeit und Notwendigkeit der Arbeit, die von den Männern und Frauen des Deutschen Roten Kreuzes geleistet wird! Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß[6], hat deshalb auch in einer an die NSDAP.[7] gerichteten Anordnung schon vor Jahren erklärt: „Das Deutsche Rote Kreuz ist als Träger der völkerrechtlichen Aufgaben, die das Deutsche Reich auf Grund der Genfer Konvention[8] zu erfüllen hat, ein notwendiger Bestandteil des nationalsozialistischen Staates[9]. Es ist in seinem Bestand und Ausbau zu schützen und zu fördern.“ Inzwischen wurde auf Befehl des Führers[5] ein völlig neues Deutsches Rotes Kreuz[10] geschaffen, und zwar in Durchführung eines Reichsgesetzes vom 9. Dezember 1937[11]. Auf dem Fundament einer
Als Sitz des Generalkommandos des XIII. Armeekorps und des Befehlshabers im Wehrkreis XIII ist die Stadt der Reichsparteitage Nürnberg auch Dienstsitz der DRK.-Landesstelle XIII[17]. Als Dienstgebäude wurde der Landesstelle im Frühjahr 1938 von der Stadt ein in nächster Nähe des alten historischen Rathauses an der Burgstraße[18] gelegenes schönes Alt-Nürnberger Patrizierhaus zur Verfügung gestellt, das — weit über 500 Jahre alt! — vor der Inbesitznahme durch die Landesstelle auch im Innern in seiner einstigen Schönheit neu erstanden ist und zweckmäßig ausgestaltet wurde. Im Vorraum des 1. Stockes gibt eine große, originelle und in ihrer Form neuartige Übersichtskarte, auf der die einzelnen zur Landesstelle gehörigen DRK.-Kreisstellen durch die Städtewappen ihrer Dienstsitze gekennzeichnet sind, Auskunft über den stattlichen Umfang und die außerordentlich große räumliche
Am 29. Oktober 1939 konnte im Namen der ersten Kriegsarbeitstagung der DRK.-Landesstelle XIII im „Deutschen Hof“[21] in der Stadt der Reichsparteitage Nürnberg in Anwesenheit zahlreicher hoher Ehrengäste, Vertreter der Wehrmacht und der NSDAP.[7] darüber berichtet werden, daß das Deutsche Rote Kreuz nach einer jahrzehntelangen planmäßigen Friedensarbeit der Vorbereitung und der stetigen Aus- und Fortbildung seiner Einsatzkräfte nunmehr im kriegsmäßigen, hilfsbereiten Einsatz steht und bereits in den ersten beiden Kriegsmonaten[22] diese Belastungsprobe voll und ganz bestanden hat. Mit nimmermüdem Einsatz, erprobtem fachlichem Können und aufopferungsvoller Hingabe haben die Einsatzkräfte ihren Dienst angetreten, um den amtlichen Sanitätsdienst der Wehrmacht zu unterstützen, den Sanitätsdienst im zivilen Luftschutz auszuüben, den sanitären Teil des Straßenunfallhilfsdienstes und den Unfallhilfs- und Rettungsdienst in den Städten und auf dem Lande zu versehen und darüber hinaus den dem Roten Kreuz im Kriege zusätzlich übertragenen vielseitigen Aufgaben gerecht zu werden.
In den DRK.-Auskunfts- und Beratungsstellen haben Helferinnen und Mitglieder der Ortsgemeinschaften in den ersten zwei Monaten des Krieges eine segensreiche Tätigkeit ausgeübt, um den Volksgenossen und Volksgenossinnen, die in Sorge um ihre Angehörigen waren, mit Rat und Tat beizustehen und Auskunft über verwundete, vermißte und gefangene Wehrmachtsangehörige zu vermitteln.
Überall sind die stets hilfsbereiten, immer freundlichen Frauen und Mädchen in der schmucken Schwestern-[25] und Helferinnentracht des Roten Kreuzes mit den weißen Häubchen und den Armbinden[26] mit dem Roten Kreuz gern gesehen und freudigst wird ihre Hilfe und Fürsorge von all den vielen Hilfsbedürftigen begrüßt und dankbar anerkannt. —
Die männlichen DRK.-Helfer sind ebenfalls sofort bei Kriegsbeginn zum Einsatz gelangt, und zwar vor allem für das Ausladen und den Transport von Verwundeten und Kranken. Der größte Teil ist freilich zur Wehrmacht eingerückt und leistet an den Fronten Dienst als Sanitätssoldaten und Krankenträger der Wehrmacht.[27] Auf dem polnischen Kriegsschauplatz haben sich viele von ihnen bereits bewährt und voll Stolz tragen schon einige der im Sanitätsdienst bei der Wehrmacht eingesetzten Angehörigen der DRK.-Landesstelle das Eiserne Kreuz[28] an der Brust, andere freilich mußten ihren tapferen Einsatz für Führer, Volk und Vaterland bereits mit dem Leben bezahlen.
In den DRK.-Ortsgemeinschaften in der Heimat sind die DRK.-Frauen im Namen des Deutschen Frauenwerkes[29] gemeinsam mit der NS.-Frauenschaft[30] emsig tätig, um die notwendige Bereitschaftswäsche für die Lazarette, die Dienstkleidung für die neuen Helferinnen und behelfsmäßiges Verbandsmaterial sicherzustellen.
Zehntausende von hilfsbereiten Frauen und Mädchen und Hunderte von noch nicht zur Wehrmacht eingezogenen Männern haben sich schon in den ersten Kriegswochen begeistert und einsatzfreudig beim DRK. neu angemeldet. In Hunderten von Kursen wurden sie von allen Kreisstellen in der ersten Hilfe geschult und für den Einsatz von den bewährten DRK.-Ärzten und -Ärztinnen der Landesstelle und ihren tüchtigen Hilfskräften ausgebildet.
Mit Stolz und Freude haben die Männer und Frauen des Deutschen Roten Kreuzes vernommen, daß der Führer auf dem polnischen Kriegsschauplatz den Schwestern und freiwilligen Helfern und Helferinnen des DRK. seine Anerkennung ausgesprochen und der Erwartung Ausdruck gegeben hat, daß sich noch weitere Kräfte aus dem ganzen deutschen Volk gerade für die jetzt erforderliche Arbeit dem DRK. zum Einsatz zur Verfügung stellen. Die Männer und Frauen des Roten Kreuzes werden auch in den kommenden Wochen, Monaten und — wenn es sein muß — auch Jahren in steter Einsatzbereitschaft, gewißenhafter Pflichterfüllung und hingebungsvoller Arbeit ihren Dienst am Vaterlande erfüllen, jeder an seinem Platz. Ihre hohen Aufgaben zu meistern, den Siegeswillen zu stärken und die Kampfkraft der Wehrmacht durch ihre Tätigkeit nach besten Kräften zu erhalten, wiederherzustellen und zu sichern und dem Führer bis zum letzten Einsatz zu dienen, wird ihnen heiligste Verpflichtung sein!
Erläuterungen
- ↑ Willy Liebel, Die Landesstelle XIII des Deutschen Roten Kreuzes in der Stadt der Reichsparteitage Nürnberg, in: Nürnberger Schau. Monatsschrift der Stadt der Reichsparteitage Nürnberg, Heft 11, November 1939 (StadtAN AvPer 14(1939)[28]), Seiten 351–354.
- ↑ Siehe Artikel Generalhauptführer und Dienststellung (Drittes Reich).
- ↑ Willy Liebel (1897–1945) war der Landesführer der Landesstelle XIII (Nürnberg) des damaligen Deutschen Roten Kreuzes (1938–1945/46.
- ↑ Siehe Artikel Motto.
- ↑ Adolf Hitler (1889–1945).
- ↑ Von 1933 bis 1940 war Rudolf Heß (1894–1987) der Stellvertreter des Führers (StdF).
- ↑ Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) war die einzige zugelassene politische Partei im NS-Staat (1933–1945), daher wurde sie in dieser Zeit häufig als die Partei bezeichnet. Ihr Parteizeichen war das Hakenkreuz. Die Organisation und die Verwendung ihres Zeichen wurde in der Nachkriegszeit verboten.
- ↑ Siehe Artikel Genfer Abkommen.
- ↑ Siehe NS-Staat (Wikipedia).
- ↑ Siehe Artikel Deutsches Rotes Kreuz und Deutsches Rotes Kreuz im Nationalsozialismus.
- ↑ Siehe Artikel Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz (1937) und Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz vom 9. Dezember 1937.
- ↑ Siehe Artikel Straffheit.
- ↑ Die amtliche Bezeichnung des deutschen Nationalstaats war von 1871 bis 1945 Deutsches Reich. Nach der euphemistisch Anschluss genannten Annektion Österreichs in 1938 war zeitweilig die Bezeichnung Großdeutsches Reich offiziell in Gebrauch, die 1943 verbindlich wurde. Der Begriff geht auf das verworfene Modell einer großdeutschen Lösung unter Einschluss Österreichs zur Schaffung eines deutschen Nationalstaats zurück, das nicht verwirklicht wurde.
- ↑ Zur Vereinfachung der Staatsverwaltung wurden 1932–1933, also bereits vor der Machtübernahme der NSDAP, die Regierungsbezirke Oberfranken und Mittelfranken zum Regierungsbezirk Mittel- und Oberfranken zusammengelegt. Ab 1946 wurde sie wiederhergestellt.
- ↑ Unter der Devise „Franken voran" glaubte man im Gau Franken sich über gesetzliche Vorschriften hinwegsetzen zu können, die in den übrigen Teilen des Reiches die erforderliche Beachtung fanden. — BpB.de, Ausgewählte Dokumente zur Geschichte des Novemberpogroms 1938 (Wolfgang Scheffler, 4. November 1978, APuZ 44/1978), abgerufen am 21. August 2026.
- ↑ Siehe Wehrgesetz (Wikipedia).
- ↑ Siehe Artikel Landesstelle.
- ↑ Die Adresse des Objekts, in dem ab dem 15. August 1938 die Landesstelle ihren Sitz hatte, war Burgstraße 25; das Objekt war zuvor viele Jahre als Schulgebäude für berufliche Ausbildungen genutzt worden. Zuvor war sie in der Nunnenbeckstraße 47 untergebracht. — Deutsches Rotes Kreuz, Verordnungsblatt, Berlin 1937ff, Folge 9, September 1938, Kennzeichen P, Blatt 28.
- ↑ Das Sudetenland wurde am 1. Oktober 1938 infolge des Münchner Abkommens von der Tschechoslowakei abgetrennt, deutsches Staatsgebiet und später zum Reichsgau Sudetenland. Um Teile diese Gebiets wurde die Landesstelle XIII erweitert.
- ↑ Siehe Artikel Generalführer und Dienststellung (Drittes Reich).
- ↑ Siehe Deutscher Hof (Nürnberg) (Wikipedia).
- ↑ Der Zweite Weltkrieg (1939–1945) begann am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen.
- ↑ Medizinische Fachkräfte wurde also durch angelernte Laien ersetzt, das heißt, dass es nicht genug Fachkräfte gab, um den kriegsbedingt zusätzlichen Bedarf zu bedienen.
- ↑ Siehe Artikel Bahnhofsdienst.
- ↑ Siehe Artikel Schwesterntracht.
- ↑ Siehe Artikel Rotkreuz-Armbinde.
- ↑ Tatsächlich stand also nicht nur die Unterstützung des militärischen Sanitätsdienstes durch die Nationale Gesellschaft im Vordergrund, sondern das damalige DRK wurde als Personalreservoir für den eigenen Sanitätsdienst der Wehrmacht.
- ↑ Eisernes Kreuz
- ↑ Das Deutsches Frauenwerk (DFW) war ein nationalsozialistischer Frauenverband. Er diente neben der NS-Frauenschaft als Sammelbecken für die Mitglieder der gleichgeschalteten Frauenvereine der Weimarer Republik (1918–1933), zum Beispiel die Schwesternschaften vom Roten Kreuz.
- ↑ Die Nationalsozialistische Frauenschaft (NSF) oder NS-Frauenschaft war die Frauenorganisation der NSDAP.




