Beschlüsse und Wünsche

Aus Roter Kreis - Enzyklopädie des Rotkreuz-Wissens

Allgemeines

Die Beschlüsse und Wünsche der Internationalen Konferenz in Genf vom 26. bis 29. Oktober 1863 gehen dem ersten Genfer Abkommen vorweg. Die Internationale Konferenz hält darin vor allem fest (Beschlüsse), dass es Nationale Gesellschaften vom Roten Kreuz geben soll, wie diese aufgestellt sein sollen und welche Aufgaben sie wahrnehmen.

Hinsichtlich des noch zu gestaltenden Völkerrechts äußert die Internationale Konferenz lediglich drei Wünsche.

Beschlüsse hinsichtlich Nationaler Gesellschaften

Die Resolution enthält zehn Festlegungen zu den Nationalen Gesellschaften:

  1. In dem Staat soll es eine Gesellschaft geben, die im Kriegsfall den militärischen Sanitätsdienst unterstützt. Das französische Begriff Comité wurde damals direkt in das Deutsche übernommen und später zu Komitee. Daraus erklären die Namen der ersten Rotkreuz-Organisationen in Deutschland, zum Beispiel Central-Comité des Preußischen Vereins zur Pflege im Felder verwundeter und erkrankter Krieger (1864–1890). Eine solche Gesellschaft soll sich selbst in der Art und Weise bilden, die ihm am nützlichsten und angemessesten erscheint. Sie soll also nicht staatlich und unabhängig sein.
  2. Eine Gesellschaft kann beliebig viele Untergliederungen (Sektionen) haben, solange die Gesellschaft ihre Tätigkeiten koordiniert (Oberleitung). Das enthält einen Teil des späteren Grundsatzes der Einheit.
  3. Eine Gesellschaft soll nicht frei agieren, sondern sich mit der Regierung ihres Staates abstimmen, damit sie auch eingesetzt wird. Es soll keinen zivilen Sanitätsdienst neben dem militärischen Sanitätsdienst geben, der sich im Kriegsfall selbst zum Einsatz bringt. (Siehe auch Nr. 6!)
  4. Die Aufgabe einer Gesellschaft in Friedenszeiten ist es, sich durch Ansammlung von Material und Ausbildung von Personal auf einen Einsatz im Kriegsfall vorzubereiten. Das Personal soll freiwillig sein und medizinische Hilfstätigkeiten leisten (Krankenpfleger).
  5. Sobald ein Krieg eingetreten ist, an dem der Staat, in dem eine Gesellschaft besteht, aktiv teilnimmt, unterstützt sie die Streitkräfte ihres Staates. Gesellschaften neutraler Staaten können die Gesellschaften kriegsführender Staaten unterstützen. Neben der ambulanten medizinischen Hilfe sollen eine Gesellschaft auch für stationäre Einrichtungen sorgen (Lokale für die Pflege der Verwundeten).
  6. Im Kriegsfall kann eine Gesellschaft nur auf Aufforderung oder mit Einverständnis der Streitkräfte hin tätig werden. Ihre Freiwilligen wereen dann in die militärische Führungsstruktur eingeordnet (Leitung der militärischen Führer).
  7. Eine Gesellschaft hat dafür zu sorgen, dass ihre freiwilligen Helfer, die den militärischen Sanitätsdienst unterstützen, mit allem ausgerüstet sind, was sie dazu benötigen. Die Streitkräfte sollen nicht durch die Unterstützungsleistung der Gesellschaft zusätzlich belastet werden.
  8. Das weltweit einheitliche Erkennungszeichen der Freiwilligen ist das Rote Kreuz, das auf einer weißen Armbinde zu tragen ist.
  9. Die Nationalen Gesellschaften können sich auf internationalen Zusammenkünften miteinander austauschen und dabei ihre Vorgehensweisen und Organisation miteinander abstimmen. Damit wird die später institutionalisierte Internationale Konferenz angedeutet.
  10. Vorläufig koordiniert das 1863 gegründete Internationale Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege in Genf (Genfer Komitee, das heutige Internationale Komitee vom Roten Kreuz) den Austausch zwischen den Gesellschaften. Der besondere Status des IKRK ist hier also noch nicht angelegt.

Das erste Genfer Abkommen von 1864 enthält keine Aussagen zu den Nationalen Gesellschaften.

Wünsche zu den Genfer Abkommen

Drei Wünsche äußert die erste Internationale Konferenz, die sich vor allem auf die künftigen Genfer Abkommen beziehen:

  1. Die Regierungen sollen die Nationalen Gesellschaften unter ihren Schutz stellen und sie bei ihren Aufgaben mit Erleichterungen unterstützen (so viel als möglich die Erfüllung ihrer Aufgabe erleichtern). In den deutschen Staaten wurde das zum Beispiel durch die Anerkennung der Gesellschaften als rechtfähige Vereine (in Bayern schon immer als Körperschaft des öffentlichen Rechts) und steuerlichen Erleichterungen umgesetzt (das heutige Äquivalent ist die Gemeinnützigkeit).
  2. Alle ambulanten und stationären medizinischen Hilfen, militärische und zivile, sollen im Kriegsfall als neutral behandelt, das heißt nicht angegriffen werden. Darüber hinaus sollen auch die verwundeten Soldaten selbst nicht mehr bekämpft werden, also nicht mehr als Kombattanten betrachtet werden.
  3. Idealerweise soll es ein international einheitliches Schutzzeichen für den militärischen Sanitätsdienst sowie für zivile ambulante und stationäre medizinische Hilfen geben. Stationär wären zum Beispiel Krankenhäuser. Wenn es keine Einigung auf ein internationales Zeichen gibt, dann soll zumindest national ein einheitliches Zeichen verwendet werden.

Die in Nr. 2 geforderte Neutralität wurde durch das erste Genfer Abkommen vollumfänglich implementiert. Auch der Forderung in Nr. 3 wurde nachgekommen, indem dafür ein rotes Kreuz auf weißem Grunde bestimmt wurde.

Weitere Informationen

  • Internationale Konferenz, Beschlüsse und Wünsche der Internationalen Konferenz in Genf vom 26. bis 29. Oktober 1863, in: Hans Haug, Menschlichkeit für alle. Die Weltbewegung des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds, 2. Auflage, Bern/Stuttgart/Wien 1993, Seite 667–668
  • Artikel Genfer Abkommen
  • Artikel Humanitäres Völkerrecht