Joachim von Winterfeldt-Menkin-Medaille
Allgemeines
Die Joachim von Winterfeldt-Menkin-Medaille ist die höchste Auszeichnung, die der DRK-Landesverband Brandenburg vergibt. Die Verdienstauszeichnung wird seit 1994 verliehen. Namensgebend ist Joachim von Winterfeldt-Menkin (1865–1945), der von 1921 bis 1933 erster Präsident und anschließend Ehrenpräsident des damaligen Deutschen Roten Kreuzes war, das 1945/46 aufgelöst wurde.
Bewertung

Ungeachtet seiner Verdienste für die Organisation, die man angesichts sogar seiner eigenen Darstellung in dem autobiografischen Werk → Jahreszeiten des Lebens (1942) kritisch hinterfragen müsste, ist die Benennung nach Winterfeldt-Menkin historisch unsensibel, denn er verfügte am 1. Juni 1933, nur vier Monate nach der Machtergreifung der NSDAP, den weitgehenden Ausschluss jüdischer Personen aus dem damaligen Deutschen Roten Kreuz. Zwei Wochen vorher schrieb er an Adolf Hitler (1889–1945): Im Namen dieser anderthalb Millionen Männer und Frauen im Deutschen Roten Kreuz erkläre ich die unbedingte Bereitschaft, uns Ihrer Führung zu unterstellen und Ihnen zu folgen.1 Er mag kein glühender Anhänger des Nationalsozialismus gewesen sein, aber sein Rücktritt als Präsident in 1933 ist schwerlich als Widerstandshandlung zu sehen. In seiner 1942 veröffentlichten Autobiographie berichtet er selbst stolz von einem Glückwunsch-Telegramm Hitlers zu seinem 70. Geburtstag, das er öffentlich verlas.2
Zur besseren historischen Aufarbeitung seines Wirkens, besonders während vor und während der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945), hat der DRK-Bundesverband eine Studie in Auftrag gegeben, die voraussichtlich 2026 veröffentlicht werden wird.3 Ungeachtet der Ergebnisse dieses Forschungsprojekts belegt bereits das obige Zitat, dass die Wahl von Winterfeldt-Menkin als Namensgeber der Auszeichnung ein Beispiel für die Verdrängung des Dritten Reichs ist. Mitte der 1990er-Jahre waren seinen oben genannten Handlungen und Aussagen bereits bekannt, und der Fehler hätte auch in den drei Jahrzehnten danach korrigiert werden können.
Die Umstände der Schaffung der Ehrung könnten familiär begründet sein. Die Medaille wurde 1994 eingeführt. Zu dieser Zeit, von 1992 bis 1998, war Kaspar von Oppen (1935–2026), der Enkel von Winterfeldt-Menkin, Vizepräsident des Landesverbands, anschließend von 1998 bis 2002 dessen Präsident und anschließend Ehrenpräsident. Kaspar von Oppen war sichtlich bemüht, die Erinnerung an seinen Großvater zu bewahren wie eine Erinnerungstafel4 und die von ihm veranlasste Umbettung der sterblichen Reste5 zeigen. Die Vermutung liegt nahe, dass er Einfluss auf die Stiftung der Auszeichnung und damit einen Interessenkonflikt hatte.
Weitere Informationen
Websites
- Die-deutschen-Orden.de, Verdienstmedaille des Roten Kreuzes, Landesverband Brandenburg („Joachim von Winterfeldt-Menkin-Medaille“)
- DRK.de, Joachim von Winterfeldt-Menkin und das DRK
Enzyklopädie
- Artikel Landesverband Brandenburg
- Artikel Verdienstauszeichnung
- Artikel Verdrängung des Dritten Reichs
- Artikel Joachim von Winterfeldt-Menkin/Jahreszeiten des Lebens (Volltext der Memoiren)
Einzelnachweise
- ↑ Deutsches Rotes Kreuz: Blätter des Deutschen Roten Kreuzes. 12. Jahrgang, 1933, Seite 276.
- ↑ Joachim von Winterfeldt-Menkin, Jahreszeiten des Lebens. Das Buch meiner Erinnerungen, Berlin 1942, Seiten 349–350.
- ↑ Unser Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die Entwicklung des DRK seit dem Ersten Weltkrieg zu erhalten. Wir wollen über diese Jahre und insbesondere über die Umbruchphase 1933 mehr Klarheit gewinnen. Eine von uns beauftragte und 2008 veröffentlichte Studie zum DRK unter der NS-Diktatur hat hier bereits wichtige Erkenntnisse geliefert, die Rolle Winterfeldt-Menkins während der Gleichschaltung des DRK jedoch noch nicht erschöpfend behandelt. — DRK.de, Joachim von Winterfeldt-Menkin und das DRK, abgerufen am 13. November 2025.
- ↑ Monika Strehlow, Adliger mit sozialer Ader, in: Nordkurier, 19. Juni 2015.
- ↑ Stefan Schomann, Petra Liebner (Hrsg.), "Der schwierige Weg zu neuen Ufern“ Die Vereinigung der beiden deutschen Rotkreuzgesellschaften, München 2025, Seiten 298–299.
