Erstes Rundschreiben der Landesstelle Bayern (1938)

Nachschlagewerk über das Deutsche Rote Kreuz und die Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung

Es handelt sich um das mutmaßlich erste Rundschreiben der neu geschaffenen Landesstelle VII (München) der durch das Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz (1937) neu geschaffene Quasi-Behörde Deutsches Rotes Kreuz (1938–1945/46), die sie hier noch wegen der gerade in Gang gesetzten Neuaufteilung der Gebiete vorübergehend als Landesstelle Bayern bezeichnet. Der Landesführer war zunächst Gotthold Dziewas (1900–1940), der auch Unterzeichner dieses Rundschreibens ist. Seine Amtzeit währte nur ungefähr ein halbes Jahr.[1]

Volltext

Deutsches Rotes Kreuz
Landesstelle Bayern
München, den 23. Januar 1938
Wagmüllerstr. 16
Nr. 1370
Verteiler:
Kreisvereine vom Roten Kreuz,
Bezirksverbände (Kreisstellen)
mit Abdrücken für die unterstellten Einheiten.
Nachrichtlich:
Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes,
Staatsministerium des Innern.


A.
  1. Der Füh­rer[2] gab dem Deutschen Roten Kreuz ein neues Ge­setz[3], gleichzeitig ernannte er zum geschäftsführenden Prä­si­den­ten[4] des Deutschen Roten Kreuzes den SS[5]-Bri­ga­de­fü­hrer[6] Dr. Gra­witz[7].
  2. Gesetzentsprechend wurde eine neue "Dienstvorschrift für das Deutsche Rote Kreuz" he­raus­ge­ge­ben[8].
    Nachdem alle Vereine laut Gesetz aufgelöst wurden[9], erhielt das Deutsche Rote Kreuz anschließend seine Neugliederung und Neuorganisation im Einvernehmen mit Par­tei[10], Staat[11] und Wehr­macht[12].
  3. Gemäß seinen Aufgaben nach den Erfordernissen der Landesverteidigung sind Organisation und Gliederung des Deutschen Roten Kreuzes den Gebieten der Wehr­kreis­kom­man­dos[13] angepaßt.
  4. Die bisherige Einheit "Bayerischer Lan­des­ver­ein"[14] und seine Untergliederungen, die Kreisvereine, haben hiermit zu bestehen aufgehört. An ihre Stelle ist getreten, je nach den zuständigen Wehrkreiskommandos, die betreffende Lan­des­stel­le[15]. Jede Landesstelle wird geführt von einem ehrenamtlichen Lan­des­füh­rer[16], der jeweils vom Präsidenten im Einvernehmen mit der Partei ernannt wird. An Stelle der bisherigen "Bezirksverbände" treten Kreis­stel­len[17] des Deutschen Roten Kreuzes, geführt von ehrenamtlichen Kreis­füh­rern[18]. Auch die Kreisführer werden vom Präsidenten mit Zustimmung des zuständigen Hoheitsträgers ernannt.[19]
B.

Die bisherigen Kreisvereine Ober- und Mittelfranken, Mainfranken und Pfalz sowie das Gebiet des Gaues Bayer. Ost­mark[20] nördlich der Donau scheiden nach den Neubestimmungen aus meinem Befehlsbereich im Deutschen Roten Kreuz aus und werden anderen Landesführern unterstellt, nachdem ich persönlich zum Landesführer VII [2] (Gebiet W.K.VII) ernannt worden bin.

Bis zur endgültigen Übergabe der nicht mehr unter meiner Führung stehenden Gebiete an die neuen Landesführer bleibe ich und mit mir alle bisherigen Führer des Deutschen Roten Kreuzes voll verantwortlich, damit die von uns gemeinsam begonnene Arbeit zum nationalsozialistischen Aufbau des Deutschen Roten Kreuzes im Staatsgebiet nicht Schaden leidet.

Hierzu ordne ich Folgendes an:

  1. Alle bisherigen Führer des Deutschen Roten Kreuzes und Vorsitzende der Vereine bleiben so lange voll verantwortlich in ihren bisherigen Dienststellen, bis sie durch den zuständigen Landesführer ernannt oder abberufen worden sind.
  2. Alle Führer und Führerinnen sind persönlich dafür verantwortlich, daß der Dienstbetrieb in der bisherigen Art weitergeführt wird, bis der neue Landesführer Entsprechendes angeordnet hat.
  3. Alle bisherigen Führer, Führerinnen und Vorsitzende sind persönlich dafür verantwortlich, daß sowohl Vermögenserhaltung wie die gesamte Verwaltung nach den Gesetzen des Volkes und Erfordernissen der Landesverteidigung beaufsichtigt werden.
C.

Meine Kameraden und Kameradinnen!

Bei dieser Gelegenheit danke ich jedem Mitglied des Deutschen Roten Kreuzes im Staatsgebiet für die dem Deutschen Roten Kreuz bisher unter meiner Führung bewiesene Pflichterfüllung und Kameradschaft im nationalsozialistischen Geist.

Mit mir haben insbesondere Gauleiter Hell­muth[21] (Mainfranken), SA-Gruppenführer, Oberbürgermeister Lie­bel[22] (Mittel- u. Oberfranken), Oberbürgermeister Dr. Schot­ten­heim[23] (Niederbayern u. Oberpfalz), Regierungsdirektor Schwaab[24] (Schwaben) und Regierungsdirektor Wen­ner[25] (Rheinpfalz) unermüdlich und ehrenamtlich darin gearbeitet, daß dem Führer ein nationalsozialistisches Deutsches Rotes Kreuz im Staatsgebiet hingestellt wurde.

Obwohl ich weiß, daß diese führenden Männer wie alle verantwortlichen Männer im Dritten Reich keinen besonderen Dank wünschen, ist es mir ein besonderes Bedürfnis, ihre bisherige Arbeit als vorbildlich auch für alle Zukunft im Deutschen Roten Kreuz hinzustellen.

Unser gemeinsamer Dank an alle, welche ein nationalsozialistischen Deutsches Rotes Kreuz im Staatsgebiet aufbauten, soll bestehen [3] in der rastlosen, uneigennützigen Pflichterfüllung für den Führer.

Ich habe sehr oft Anerkennungen erhalten für ein vorbildliches Deutsches Rotes Kreuz im Staatsgebiet Bayern sowohl von führenden Männern der Partei wie des Staates und der Wehrmacht.

Ich gebe auch heute wiederum diesen Dank an jedes einzelne Mitglied des Deutschen Roten Kreuzes weiter.

Wir haben alle nur unsere Pflicht getan und wollen weiter - auch im Deutschen Roten Kreuz - aufbauen, arbeiten und kämpfen nach dem Gesetz des Volkes.

Ich weiß, daß alle Männer und Frauen, welche nunmehr ihrem neuen Landesführer folgen werden, vorbildlich wie bisher ihre Pflicht erfüllen werden.

Mit bestem persönlichem Dank, drücke ich allen aus meinem Verband scheidenden Männern und Frauen die Hand, alles Gute wünschend für ihr persönliches Wohlergehen.

Heil Hitler!
Dziewas
SA-Brigadeführer
im Staatsministerium des Innern.
(jetzt Landesführer VII des Deutschen Roten Kreuzes.)

Erläuterungen

  1. Öffentliche Äußerungen, die im fundamentalen Gegensatz zu den Rotkreuz-Grundsätzen standen und auch im Ausland ein negatives Echo auslösten, führten dazu, dass Dziewas bereits im Frühsommer 1938 durch SS-Gruppenführer Prof. Dr. Walther Schultze [...] ersetzt wurde. — Daniel-Erasmus Khan, Donald Riznik, Bayerisches Rotes Kreuz (BRK), in: Historisches Lexikon Bayerns, München, 11. Oktober 2021.
  2. Adolf Hitler (1889–1945).
  3. Siehe Artikel Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz vom 9. Dezember 1937 (Volltext).
  4. Siehe Artikel Präsident.
  5. Die Schutzstaffel (SS) war eine Organisation der NSDAP, die ihr als Herrschafts- und Unterdrückungsinstrument diente.
  6. Siehe NS-Ranggefüge.
  7. Ernst Robert Grawitz (1899–1945).
  8. Siehe Artikel Deutsches Rotes Kreuz/Dienstvorschrift für das Deutsche Rote Kreuz (1937).
  9. Die Auflösung erfolgte gesetzlich verfügt zum 31. Dezember 1937.
  10. Siehe Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.
  11. NS-Staat (1933–1945).
  12. Siehe Wehrmacht.
  13. Siehe Wehrkreis.
  14. Siehe Artikel Bayerischer Landesverein vom Roten Kreuz (1921–1937).
  15. Siehe Artikel Landesstelle.
  16. Siehe Artikel Landesführer.
  17. Siehe Artikel Kreisstelle.
  18. Siehe Artikel Kreisführer.
  19. Die Kreis­füh­rer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK.-Kreisführer) werden vom Präsidenten auf Vorschlag der Lan­des­füh­rer im Einvernehmen mit den Gauleitern der NSDAP. berufen und abberufen. — Deutsches Rotes Kreuz, Satzung des Deutschen Roten Kreuzes vom 24. Dezember 1937 (gültig ab 1. Januar 1938), § 12, Abs. 1.
  20. Siehe Gau Bayerische Ostmark.
  21. Otto Hellmuth (1896–1968).
  22. Willy Liebel (1897–1945).
  23. Otto Schottenheim (1890–1980).
  24. Otto Schwaab (1878–1949).
  25. Friedrich Wenner (1876–1955).