Bahnhofsdienst

Nachschlagewerk über das Deutsche Rote Kreuz und die Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung

Allgemeines

Der Bahnhofsdienst ist kein innerhalb des Deut­schen Roten Kreu­zes (DRK) normiertes Tätigkeitsfeld und kann daher örtlich verschieden ausgeprägt sein. Es kann sich um eine soziale Leistung handeln, die in der Beratung, Betreuung und Unterstützung von Reisenden sowie des für größere Bahnhöfe typischen Umfelds sozial prekärer Personengruppen (Armut, Sucht, Migration, psychische Erkrankungen, Kleinkriminalität, Prostitution) besteht. Es kann sich auch um eine sanitätsdienstliche Leistung handeln, die in der erweiterten Ersten Hilfe bei Verletzungen und Erkrankungen sowie medizinische und pflegerische Hilfe bei gesundheitlichen Defiziten besteht.

Abgrenzung zur Bahnhofsmission

Im Gegensatz zur besser bekannten christlich-kirchlichen Bahnshofmission, die es an ca. 100 deutschen Bahnhöfen gibt, ist der DRK-Bahnhofsdienst ein sehr seltenes Angebot. Anders als die Bahnhofsmission gibt es für die betreffenden Tätigkeiten des Roten Kreuzes auch keineeinheitliches Leitbild, keine Leistungsstandards und, nach ungeschriebener Tradition (vgl. Compliance), kein einheitliches Erscheinungsbild.

Als nichtkonfessionelle Organisation macht das Deutsche Rote Kreuz im Unterschied zur Bahnhofsmission keine spirituellen Angebote.

Historische Bedeutung

Deutsche Staaten und Deutsches Reich

Insbesondere während der großen Kriege, an denen deutsche Staaten und das spätere Deutsche Reich (1871–1945) beteiligt waren — zum Beispiel Deutscher Krieg (1866), Deutsch-Französischer Krieg (1870/71), Erster Welt­krieg (1914–1918) und Zweiter Weltkrieg (1939–1945) —, war der Bahnhofsdienst durch anfangs noch spontan gebildete Rotkreuz-Gliederungen ein häufiges Angebot. Es richtete sich an durchreisende und besonders zurückkehrende Truppen und bot den Soldaten beispielsweise Erfrischung durch Getränke, Verpflegung und Verbandwechsel an.

In der Zeit des National­sozia­lis­mus (1933–1945) wirkte das damalige Deut­sche Rote Kreuz (1938–1945/46) auch im Wehrmachtbetreuungsdienst mit und bot an Bahnhöfen eine fahrbare Feldpostannahme an. Es handelte sich um einen mobilen Stand mit Schreibmaterial und typischem Postbedarf, an dem durchreisende Soldaten Postkarten und Briefe schreiben und mit der Feldpost verschicken konnten.

Deutsche Demokratische Republik

Im der ehemaligen DDR (Deutschland (Ost), 1949–1990) wurde der Bahnhofsdienst vor allem von der Volkssolidarität und dem DRK der DDR (1952–1990) getragen.

Bundesrepublik Deutschland

In heutigen Deutschland gab es Einsätze des Betreuungsdienstes an Bahnhöfen aufgrund besonderer Ereignisse, zum Beispiel nach der Grenzöffnung im Zuge der Deutschen Wiedervereinigung 1989/1990 und der Flüchtlingskrise in Deutschland 2015/2016.

Aktuelle Beispiele

Weitere Informationen