Erwähnungen von Paul Hocheisen (1933–1937)
Paul Hocheisen (1870–1944) war von 1933 bis 1936 der stellvertretende Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, anschließend dessen Ehrenpräsident von 1937 bis 1944. Er wirkte also in einer herausgehobenen Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) und ist deshalb für die Geschichte der Organisation im Nationalsozialismus von besonderem Interesse.
Diese Seite gibt mehrere bemerkenswerte, zeitgenössische Erwähnungen Hocheisens wieder.
Berufung als Sonderbeauftragter (1933)
Im Berufungsschreiben des Reichsinnenministers Frick1, vom 15. Mai 1933, an den „Chef des Sanitätswesens der SA. Herrn Generaloberstabsarzt a. D. Dr. Hocheisen“ heißt es:2
Die Beziehungen zwischen den Sanitätsformationen und der SA.3 der NSDAP.4, namentlich der Abgrenzung ihres Arbeitsgebietes bezüglich des Sanitätswesens, bedürfen nach den Erfahrungen der letzten Wochen dringend einer baldigen Klärung. Das gleiche giIt für die Beziehungen zwischen den Frauen-Organisationen des Roten Kreuzes und denen der NSDAP. Auf Grund der Besprechung, die am 28. April 1933 unter Ihrer Beteiligung bei dem bevollmächtigten Vertreter des Führers des NSDAP., Herrn Rudolf Heß5, stattgefunden hat, erteile ich Ihnen hierdurch mit sofortiger Wirkung den Auftrag, zwecks Regelung der genannten Fragen als mein besonderer Bevollächtigter zu der Dienststelle des mir unterstellten Kommissars der Freiwilligen Krankenpflege zu treten und im Einvernehmen mit ihr sofort die nötigen Maßnahmen zu treffen. […]
Das Deutsche Rote Kreuz ist Träger der vöIkerrechtlichen Aufgaben, die das Deutsche Reich auf Grund der Genfer Konvention zu erfüllen hat. Dieser besonderen Lage des Roten Kreuzes muß bei den zu treffenden Maßnahmen Rechnung getragen werden. […]
Bezüge sind mit der Erteilung dieses Auftrages nicht verbunden.
Schreiben Fricks an die Landesregierungen (1933)
Bereits fünf Tage später schrieb der Reichsinnenminster1 an die Landesregierungen:2.1
[…] Wie bereits gemeldet, ist die Einflußnahme der nationalsozialistischen Bewegung auf das Rote Kreuz unter der Führung des Sonderbeauftragten des Reichsinnenministers des Innern wirksam im Gange. […]
Ernennung als stellvertretender Präsident (1934)
Der Reichsminister des Innern, Frick1, ernannte Hocheisen am 2. Dezember 1934 zum Stellvertretenden Präsidenten des DRK. In den „Blättern des DRK” wird dabei hervorgehoben:2.2
[…] die mit der neuen Satzung vollendete Grundlage für die Neugestaltung des Deutschen Roten Kreuzes nach den Grundsätzen des Nationalsozialistischen Staates sei in erster Linie ein Erfolg seiner (Hocheisens) Tätigkeit auf Grund des seinerzeit erteilten besonderen Auftrags. […]
Würdigung nach der Entlassung (1937)
Anlässlich der Amtseinführung von Ernst Robert Grawitz (1899–1945) als Geschäftsführender Präsident, zu dem er am 17. Dezember 1936 ernannt worden war, wurde Hocheisen aus dem Amt durch eine Rede des Präsidenten Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha (1884–1954) gewürdigt:2.3
Der Reichsminister hat diesem Antrag entsprochen, der Führer und Reichskanzler hat auf Vorschlag Obergruppenführer Hocheisen zum Ehrenpräsidenten des Deutschen Roten Kreuzes ernannt. Der Grad seiner Erkrankung erlaubt es Exzellenz Hocheisen leider nicht, heute unter uns zu weilen. Ich habe Obergruppenführer Hocheisen zu der ehrenden Würdigung seiner Arbeit für das Deutsche Rote Kreuz durch den Führer beglückwünscht und ihm gleichzeitig für seinen Einsatz im Dienst der großen Aufgabe, die er übernommen hatte, gedankt. Sie alle wissen aus Ihren eigenen Arbeitsgebieten, wie sehr es dem Eifer und der Zähigkeit unseres Ehrenpräsidenten zu danken ist, daß das Deutsche Rote Kreuz nach den Grundsätze des Nationalsozialismus und ndach den Bestimmungen der neuen Satzungin Angriff genommen werden konnte. […] Ich danke in aller Namen dem Parteigenossen Hocheisen aufrichtigst für den Erfolg. Indem wir ihn heute, wo er aus seinem bisherigen Arbeitsgebiet scheidet, für sein persönliches Wohlergehen das Beste wünschen, freuen wir uns, gewiß sein zu können, auch fernerhin seine reichen Erfahrungen zum Nutzen des Deutschen Roten Kreuzes zu unserer Verfügung zu haben. Führer und Führerinnen des Deutschen Roten Kreuzes! Auf mein Vorschlag hin hat der Reichsminister des Innern den SS-Obergruppenführer Dr. Grawitz, Reichsarzt der SS, zum Stellvertretenden Präsidenten und zum 1. Stellvertretender des Reichskommissars der Freiwilligen Krankenpflege ernannt.
Erläuterungen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Wilhelm Frick (1877–1946) war von 1933 bis 1943 der Reichsminister des Innern.
- ↑ Blätter des Deutschen Roten Kreuzes, 12. Jahrgang (1933), Heft 5/6, Seite 277f.
- ↑ Die Sturmabteilung (SA) war die paramilitärische Kampforganisation der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP, 1920–1945) während der Weimarer Republik (1918–1933) und spielte als Ordnertruppe eine entscheidende Rolle beim Aufstieg der Nationalsozialisten, indem sie deren Versammlungen vor Gruppen politischer Gegner mit Gewalt abschirmte oder gegnerische Veranstaltungen behinderte. Aufgrund ihrer Uniformierung mit braunen Hemden ab 1924 wurde die Angehörigen der Organisation auch Braunhemden genannt. Nach dem sogenannten Röhm-Putsch (1934) verlor die SA zugunsten der Schutzstaffel (SS, 1925–1945) stark an Bedeutung.
- ↑ Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.
- ↑ Von 1933 bis 1940 war Rudolf Heß (1894–1987) der Stellvertreter des Führers (StdF).
