Weihnachtsgabe des Deutschen Roten Kreuzes (1941)
Dieser ohne Autorenkürzel versehene Artikel erschien am 18. Dezember 1941 in der Zeitung Völkischer Beobachter (1920–1945), Nr. 352, auf Seite 3. Diese Zeitung war das publizistische Parteiorgan der NSDAP, und entsprechend ist dieser Beitrag einzuordnen. Er dürfte vom Presse- und Werbeamt des damaligen Deutschen Roten Kreuzes (1938–1945/46) erstellt und der Zeitung zur Unterstützung ihres propagandistischen Zwecks zur Verfügung gestellt worden sein, oder der Inhalt wurde aus einer Publikation des DRK übernommen.
Transkription
für alle deutschen Kriegsgefangenen und Internierten
Reichs-[1] und Volksdeutsche[2] der verschiedensten Berufe sind vom Kriegsausbruch im feindlichen Ausland überrascht oder später von Schiffen heruntergeholt und interniert worden. Sie alle erwarten nun hinter Stacheldraht das Ende des Krieges. Die Zeitschrift des Deutschen Roten Kreuzes[3] veröffentlicht Mitteilungen darüber, wie man im Roten Kreuz dieser Internierten im feindlichen Ausland aus Anlaß des Weihnachtsfestes gedenkt.
Viele Wochen vor dem Fest sind die Weihnachtssendungen aus dem Hauptlager[4] des Deutschen Roten Kreuzes in die Welt hinausgesandt worden. Jedes der bekannten Interniertenlager wird eine aus etwa zwanzig Kisten bestehende Weihnachtssendung des Deutschen Roten Kreuzes erhalten. Verpackt sind außer Gegenständen zur Ausschmückung der Weihnachtstische viele Bücher und Noten, Taschenkalender, Theaterstücke[5], Zeitschriften, Unterhaltungsspiele, Bilder usw. Um die Internierten an den Weihnachtstagen ihr Los einigermaßen vergessen zu lassen, hat das Deutsche Rote Kreuz ferner den Delegierten des internationalen [sic!] Komitees vom Roten Kreuz[6], die sich in allen Ländern der Kriegsgefangenen und Zivilinternierten annehmen, Geld überwiesen und damit die Möglichkeit geschaffen, die gemeinsamen Feiern in den Lagern auszugestalten. Durch diese Vermittlung werden an Ort und Stelle auch Hilfen erreicht, die von hier nicht unmittelbar möglich sind. Das Rote Kreuz hat sich auch der im feindlichen Ausland nicht internierten Frauen und Kinder angenommen. Auch für diese Nichtinternierten sind den Delegierten größere Summen zur Verfügung gestellt worden, um sie durch Geldgeschenke oder Weihnachtspakete zu erfreuen. Neben der Weihnachtsbetreuung durch das Deutsche Rote Kreuz läuft die Betreuung durch andere Stellen und überstaatliche Organisationen.
In ganz besonderer Weise wird die Weihnachtsfürsorge für die deutschen Kriegsgefangenen durchgeführt. Jeder einzelne deutsche Kriegsgefangene erhält ein persönlich an ihn gerichtetes Paket, das vom Deutschen Roten Kreuz gestiftet ist. Das Verwaltungsamt des DKW.[7] hat hierfür einen Teil der bewirtschafteten Lebensmittel zur Verfügung gestellt. Jedes Paket erhalt obenauf einen Tannenzweig mit Lametta und einer Weihnachtskerze. Der übrige Inhalt besteht aus Wand- und Taschenkalender, Lebkuchen, vier Dosen Schokolade und einer Dose Fischkonserven, Bleistift, Kopierstift, einem Spiel, mehreren Zigaretten, einem Beutel mit geschälten Nüssen, Rasierklingen, Taschenspieqel und Kamm. Bestimmte Pakete enthalten zusatzlich hochwertige vitaminhaltige Nahrungsmittel wie Schinken, Fischkonserven, Tomatenmark, Trockenobst, V-Drops und Taschentücher. AuBerdem sind Sammlungen mit Dauerkommißbroten an sämtliche Lager in allen Internierungsländern abgegangen. Damit soll versuchsweise festgestellt werden, ob es möglich ist, das Dauerbrot mit Erfolg durch die mannigfachen klimatischen Zonen zu schicken und den Kriegsgefangenen, die in allen Lagern auf Weizenbrot gestellt sind, den Genuß des heimatlich gewohnten Roggenbrotes zu verschaffen.
Erläuterungen
- ↑ Siehe Reichsdeutsche (Wikipedia).
- ↑ Siehe Volksdeutsche (Wikipedia).
- ↑ Vermutlich ist die Zeitschrift Das Deutsche Rote Kreuz (1937–1944) gemeint.
- ↑ Siehe Artikel Hauptlager.
- ↑ Die Inszenierung und Aufführung von Theaterstücken durch Gefangene für andere Gefangene war eine beliebte Beschäftigung in den Internierten- und Kriegsgefangenenlagern.
- ↑ Siehe Artikel Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK).
- ↑ Evtl. handelt es sich um einen Fehler, und eigentlich ist das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes (1933–1945) gemeint. Es könnte sich auch um das Kriegshilfswerk handeln.
