Weltanschauung

Nachschlagewerk über das Deutsche Rote Kreuz und die Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung

Allgemeines

Eine Weltschauung ist ein umfassendes, kulturelles Deutungssystem einer Gruppe von Menschen. Es kann Aussagen über die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft, über die Gesellschaft als Ganzes und über die Beziehung der Gesellschaft zu anderen Gesellschaften treffen. Weiterhin können Werte und Normen definiert werden, transzendente Entitäten und Strukturen postuliert und Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens vorgezeichnet werden. Eine ausgesrbeitete Religion ist zum Beispiel eine Weltanschauung, aber der Begriff schließt auch weltliche Systeme ein.

Die Grundsätze der Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung stellen keine Weltschauung dar, und die Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung ist keine Weltanschauungsgemeinschaft. In Deutschland wurde das im Jahr 2015 ausdrücklich vom Bundesverfassungsgericht entschieden. Bei der Prüfung einer Verfassungsbeschwerde eines Blutspendedienstes des Deut­schen Roten Kreu­zes stellte es unter anderem fest, dass die Grundsätze der Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung eine Weltanschauung und auch eine Religion mit prägen, […] jedoch keine insofern spezifische Aussage zur Gesamtheit des menschlichen Lebens [enthalten], weil weder der Mensch im Kern seiner Persönlichkeit angesprochen noch auf umfassende Weise der Sinn der Welt und des menschlichen Lebens erklärt wird.[1] Weiterhin sagte es über den Blutspendedienst, dass eine weltanschauliche Dimension ist kein bestimmendes Element [seiner] Tätigkeit [sei], das [ihn] von anderen Unternehmen unterscheiden würde.[1] Letzteres lässt sich auf das gesamte Deut­sche Rote Kreuz übertragen, weil die Grund­sätze nicht bestimmend für seine Tätigkeit sind und daher keine differenzierendes Merkmale zu anderen Organisationen oder Unternehmen darstellen.

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Einzelnachweise

  1. Bundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 30. April 2015 (1 BvR 2274/12), Karlsruhe, 30. April 2015, Rn. 10.