Kopftuch

Aus Roter Kreis - Enzyklopädie des Rotkreuz-Wissens

Allgemeines

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In der deutschen Gesellschaft und vor den Gerichten gibt es seit zwei Jahrzehnten einen in unterschiedlicher Intensität geführten Kopftuchstreit. Er bezieht sich zum Beispiel auf das Tragen eines Schleiers durch Frauen im Staatsdienst (Schule, Gericht) oder bei der Tätigkeit für kirchliche (christliche) Arbeitgeber. Außer für die Vertreter intoleranter Ideologien, die trotz ihrer Präsenz in den sozialen Medien nur eine gesellschaftliche Randgruppe sind, handelt es sich also um eine Debatte, die den öffentlichen Dienst betrifft und nicht die Zivilgesellschaft, zu der das Deutsche Rote Kreuz gehört.

Die betreffenden Entscheidungen staatlicherseits und insbesondere deren Begründung können zur Orientierung für das DRK herangezogen werden. Darüber hinaus sind sie nicht maßgeblich. Das DRK nimmt keine relevanten hoheitlichen Aufgaben wahr.

Stellungnahme des Bundesverbands 2013

Das Tragen eines Kopftuchs, auch aus religiösen Gründen, ist mit einer ehrenamtlichen oder hauptamtlichen Tätigkeit im Deutschen Roten Kreuz vereinbar. Das stellte der Bundesverband im November 2013 in einer Stellungnahme klar.[1] Er begründete das mit dem 2009 geäußerten Bekenntnis zur interkulturellen Öffnung des gesamten Verbands und der Unterzeichnung der Charta der Vielfalt. Er argumentierte weiterhin, dass es im Sinne des Grundsatzes der Neutralität ist, wenn allen Menschen in gleicher Art und Weise respektvoll begegnet wird, unabhängig von individuellen Hintergründen und Orientierungen.[2]

Dienstbekleidungsvorschrift 2014

Die Dienstbekleidungsvorschrift erlaubt das Tragen eines Kopftuchs:

Das Tragen von persönlichen Bekleidungsgegenständen muss in Farbe und Form der Dienstbekleidung angepasst und soll auf ein Mindestmaß reduziert sein.[3]

Diese Regelung ist sowohl restriktiv als auch permissiv zu verstehen. Es wird einheitliches Erscheinungsbild angestrebt, und daher sollen nicht in der DBV vorgesehene Bekleidungsstücke zurückhaltend getragen werden. Die Individualität der Menschen bleibt dabei jedoch gewahrt. Es wird keine militärisch anmutende Uniformität angestrebt, sondern eine positives Bild in der Öffentlichkeit. Zu diesem positiven Bild gehört neben der Wiedererkennbarkeit durch Einheitlichkeit auch die Wertschätzung der Individualität eines jeden Menschen. Ein Kopftuch gehört zur persönlichen Gestaltung wie Frisur oder sichtbarer Körperschmuck. Dass es in Farbe und Form der Dienstbekleidung angepasst [...] sein muss, lässt sich für die Trägerin eines Kopftuchs leicht durch Wahl einer passenden Farbe umsetzen. Das permissive Element besteht darin, dass das Tragen von persönlichen Bekleidungsgegenständen durch diese Regelung offensichtlich zulässig ist.

Weitere Informationen

Einzelnachweise

  1. DRK-Generalsekretariat, Stellungnahme des Bundesverbands zur Vereinbarkeit des Tragens eines Kopftuches mit den Grundsätzen der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung, November 2013.
  2. a.a.O.
  3. Deutsches Rotes Kreuz, Dienstbekleidungsvorschrift für die Gemeinschaften Bereitschaften und Wasserwacht, Berlin 2014, Abschnitt 1.3.