Hopping

Aus Roter Kreis - Enzyklopädie des Rotkreuz-Wissens

Allgemeines

Als Hopping kann man ein Verhalten ehrenamtlicher Mitglieder bezeichnen, das darin besteht, in verhältnismäßig kurzer Zeit und nicht veranlasst durch einen neuen Wohnsitz ihre Mitwirkung im Deutschen Roten Kreuz und darüber hinaus zu ändern.

Hier nicht gemeint sind Wechsel durch Umzug, oder weil ein Mitglied festgestellt hat, dass ihm ein anderes Aufgabenfeld besser liegt, oder weil es in einer anderen Gemeinschaft mehr Freunde findet. Nicht jeder Wechsel in der Organisation ist kritisch zu bewerten.

Arten des Hoppings

OV- oder KV-Hopping

In dicht besiedelten Regionen können die räumlichen Entfernungen zwischen Ortsvereinen (OV) und Kreisverbänden (KV) gering sein. Das erleichtert ein Springen der Mitglieder von Gliederung zu Gliederung.

Mehrfache Mitwirkung

Eine Variante des Hoppings ist die gezielte, selektive Mitwirkung in mehreren DRK-Gliederungen und auch verschiedenen Hilfsorganisationen in einer Region, ohne dabei zu wechseln.

HiOrg-Hopping

Die Personen wechseln die Hilfsorganisationen, einschließlich öffentlicher Einrichtungen wie Feuerwehr und THW.

Gemischte Varianten

Die genannten Varianten treten auch gemischt auf: Jemand hoppt von Ortsverein zu Ortsverein, ist zugleich in einer Feuerwehr und noch bei einem anderen Kreisverband aktiv.

Motivation

Charakteristische Merkmale

Charakteristisch ist, dass die Personen, die Hopping praktizieren, eine eher geringe Bindung an die Organisation haben. Für sie steht die Erreichung ihrer persönlichen Ziele über den Interessen der jeweiligen ehrenamtlichen Gemeinschaft. Ihre Mitwirkung ist nicht helfend, sondern konsumierend. Das Angebot des freiwilligen Engagements dient ihnen als Eintrittskarte in eine Gliederung oder Organisation, die in der Regel neue Mitwirkende benötigt und die Motive von Interessenten nicht ausreichend hinterfragt.

Kostenlose Qualifizierungen

Die Personen streben beruflich nutzbare Weiterbildungen an, die das DRK ihnen finanzieren soll.

Zum Beispiel sind Ausbildungen zum Rettungssanitäter begehrt, weil diese Funktion im Rettungsdienst im Verhältnis zur kurzen Ausbildungsdauer gut bezahlt wird und nebenberuflich ausgeübt werden kann. Von Interesse sind häufig auch der LKW-Führerschein, Leitungsausbildungen und Lehrberechtigungen für Erste Hilfe.

Die betreffenden Mitglieder können dadurch auffallen, dass sie früh ihr Interesse an Qualifizierungen anmelden, die auch außerhalb des DRK genutzt werden können, während ihre Begeisterung für rotkreuzspezifische Lehrgänge wie das Rotkreuz-Einführungsseminar und rein humanitäre Aufgaben wie das Kreisauskunftsbüro geringer ausfällt. Kennzeichnend ist auch eine Ungeduld, wann Qualifizierungsmaßnahmen stattfinden.

Gesellschaftliche Stellung

Die betreffenden Personen möchten ihren persönlichen Status durch eine Führungs- oder Leitungsfunktion oder durch die Mitwirkung in einem als elitär wahrgenommenen Fachdienst verbessern.

Wenn die Personen in Gliederung A sind und in B eine attraktive Aufgabe zu besetzen ist, dann wechseln sie zu B, um nicht auf eine entsprechende Gelegenheit in A warten zu müssen. Oder auch: Jemand wirkt sowohl im DRK als auch in der Feuerwehr mit, um jeweils sagen zu können: Ich bin nicht nur das eine (wie Ihr), sondern auch das andere (und deshalb habe ich einen anderen Status).

Persönliche Verwirklichung

Die Personen möchten nicht auf etwas verzichten, das eine andere Gliederung oder Organisation ihnen bietet.

Wenn beispielsweise Ortsverein A vor allem Einsätze als Sanitätswachdienst bei den örtlichen Sportvereinen hat und Ortsverein B mehr bei Konzerten, dann würde ein Hopper in A, der die attraktiven Konzerte nicht verpassen möchte, sich außerhalb des Dienstwegs um eine zusätzliche Mitwirkung bei B bemühen. Weiteres Beispiel: Die Organisation A hat die Mitwirkung im Rettungsdienst wegen mangelnder Eignung abgelehnt, während Organisation B weniger Wert auf Qualität legt. Das Mitglied bemüht sich daher um eine zusätzliche Mitwirkung bei B.

Flucht nach Fehlverhalten

Mitglieder können sich disziplinarischen Maßnahmen dadurch entziehen, dass sie die Gliederung oder Organisation wechseln.

Wenn ein Mitglied in Kreisverband A aus dem Verein ausgeschlossen werden soll, dann kann es vorher austreten und in Kreisverband B eintreten oder direkt zu B wechseln. Der Ausschluss aus A kann dann nicht mehr umgesetzt werden, und die bundesweite fünfjährige Sperre wird nicht wirksam. Das Mitglied macht sich dabei zunutze, dass die Kreisverbände voneinander unabhängige Vereine sind.

Der Wechsel der Hilfsorganisation bewirkt daher dasselbe: Das zum Beispiel THW kann formal nicht ahnden, was jemand in zum Beispiel einer Feuerwehr angerichtet hat — sofern es überhaupt Kenntnis davon erlangt.

Folgen für die Organisation

Ehrenamtliche Gemeinschaft

Generell stören Hopper den Zusammenhalt einer ehrenamtlichen Gemeinschaft, denn für sie geht ihr persönliches Interesse der gemeinschaftlichen Arbeit vor. Da ihre Motivation sichtlich nicht karitativ ist, kann das auch eine negative Außenwirkung haben: Was sind das für egoistische Menschen, die da beim Roten Kreuz mitmachen? Darüber hinaus können Nachahmer von innen und von außen angelockt werden: Beim DRK bekommst Du den LKW-Führerschein geschenkt. Das Problem kann sich also von selbst vergrößern.

Schließlich wirkt sich auch Ungerechtigkeit sehr schädlich auf die Stimmung in einer Gemeinschaft aus: Warum darf der weiter im Roten Kreuz mitmachen, nachdem er woanders schon in die Kasse gegriffen hat? In solchen Fällen kann die Außenwirkung sogar desaströs sein: Im Roten Kreuz kann man ohne Konsequenzen betrügen. Und: So gehen die also mit meinen Spenden um.

Finanzielle Situation

Ein Ortsverein oder Kreisverband finanziert eine Qualifizierung mit dem Ziel, dass das dadurch weitergebildete Mitglied anschließend seine neu erworbenen Fähigkeiten für die Organisation und damit letztlich für ihre humanitären Ziele einsetzt. Wechselt das Mitglied zu schnell, dann lohnte sich diese Investition weder wirtschaftlich noch ideell. Es ist also ein finanzieller Schaden entstanden, denn Mittel der Organisation wurden nicht für die Ziele der Organisation verwendet, sondern für die persönlichen Ziele einer Person.

Andere Mitglieder

Angenommen, ein Mitglied hat in Gliederung A einen sexuellen Übergriff begangen. Das Mitglied verlässt A von sich aus, und — ein häufiger Fehler: — A sowie das Opfer sehen von strafrechtlichen Maßnahmen ab, damit möglichst schnell 'Ruhe' einkehrt und der Vorgang beendet ist. Der Täter behält ein einwandfreies Führungszeugnis, wechselt zur Gliederung B und begeht eine weitere Straftat dieser Art. Es werden also dadurch weitere Menschen geschädigt.

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