Grundsätze der Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung

Aus Roter Kreis - Enzyklopädie des Rotkreuz-Wissens

Allgemeines

Die sieben Grundsätze der Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung[1] sind die höchsten Regelungen für die Arbeit des Roten Kreuzes als Organisation. Sie gelten in der gesamten Bewegung, wozu die Nationalen Gesellschaften gehören. Das Deutsche Rote Kreuz ist zusätzlich durch das DRK-Gesetz verpflichtet, die Grundsätze zu beachten.[2]

Die Grundsätze sind allgemeine Rahmenbedingungen, unter denen das Rote Kreuz tätig wird. Sie definieren Menschlichkeit und Unparteilichkeit als Ziele der Tätigkeit und geben Mittel an die Hand, dieses Ziele zu erreichen: Neutralität und Unabhängigkeit. Zu den Mitteln gehört auch die Art und Weise wie die Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung organisiert ist: Freiwilligkeit, Einheit und Universalität. Aus dieser Reihenfolge der Grundsätze ergibt sich das Merkwort MUNUFEU.

Die Grundsätze schränken die Handlungsmöglichkeiten der Gliederungen des Roten Kreuzes ein, um dadurch auf das überragende humanitäre Ziel der Organisation fokussieren zu können und das Ziel nicht zu gefährden. In Deutschland betrifft das zum Beispiel die Zusammenarbeit mit Behörden im Bereich des Suchdienstes. Die Selbstbeschränkung durch die Grundsätze wurde auch immer wieder kritisiert. Zum Beispiel wurde die Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières von französischen Ärzten gegründet, die im Biafra-Krieg (1967-1970) für das Französische Rote Kreuz im Einsatz waren und sich am Grundsatz der Neutralität stießen. Die Satire Hänsel, Gretel und das Rote Kreuz (1973) ist ein anderer Ausdruck dieser Kritik.

Ungeachtet der Herausforderungen, die die Beachtung der Grundsätze mit sich bringt, stellen sie den ideellen Kern des Roten Kreuzes dar und sind einzuhalten.[3] Die kontinuierliche inhaltliche Auseinandersetzung mit den Grundsätzen ist durch die sich ständig verändernde Gesellschaft, in der und als Teil dessen das Deutsche Rote Kreuz tätig ist, notwendig. Daher sind sie auch eine zentrale Seminareinheit des Rotkreuz-Einführungsseminars, das von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern besucht werden soll.

Bedeutung der Grundsätze

Die Grundsätze werden in eigenen Artikeln erläutert:

Entstehung

Die Grundsätze wurden 1965 bei der XX. Internationalen Konferenz beschlossen[4] und anschließend zusammen mit den anderen Entscheidungen veröffentlicht[5]. Den Anstoß dazu bot eine 1955 erschienene Studie von Jean Pictet, in der er 17 Grundsätze diskutierte.[6]

Weitere Informationen

Allgemeine und aktuelle Informationen

Analysen und Anwendung

Einzelnachweise

  1. Auch: Grundsätze der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung.
  2. Deutscher Bundestag, Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz und andere freiwillige Hilfsgesellschaften im Sinne der Genfer Rotkreuz-Abkommen (DRK-Gesetz, DRKG), Berlin 2008, zuletzt geändert 2016, § 1, Satz 2.
  3. Obwohl schon durch eigene Satzung und Statuten der Bewegung festgehalten sind die Grundsätze dem DRK auch bundesgesetzlich, im DRK-Gesetz, vorgeschrieben: Das Deutsche Rote Kreuz e. V. (...) beachtet die Grundsätze der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. — Deutscher Bundestag, Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz und andere freiwillige Hilfsgesellschaften im Sinne der Genfer Rotkreuz-Abkommen (DRK-Gesetz, DRKG), Berlin 2008, zuletzt geändert 2016, § 1.
  4. Die Konferenz fand von 2. bis 9. Oktober 1965 in Wien statt.
  5. Resolutions adopted by the XXth International Conference of the Red Cross, Resolution VIII: Proclamation of the Fundamental Principles of the Red Cross; in: International Review of the Red Cross, 5. Jahrgang, Nr. 56, Genf 1965, Seiten 573f..
  6. Jean Pictet, Les principes de la Croix-Rouge, Genf 1955.